Tagesspeigel

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Seitdem seitens der Machthaber Gesetzesinitiativen gegen Fake-News im Gespräch sind, hält sich die von ihren Verächtern sogenannte „Lügenpresse“ mit offensichtlichen Fake-Nachrichten spürbar zurück. Die Kreation eines illusionären Feindbildes wird eher in die Science-Fiction-Unterhaltung verlegt, wie beispielsweise in das Krimi-Format „Tatort“ oder in Horror-Romane der Trivialliteratur wie „Die Sippe“ oder „Braune Erde“.

Da die Realität offenbar kaum Greifbares zur Verleumdung und Diskreditierung von Andersdenkenden hergibt, werden linke Wahrnehmungsblasen kurzerhand mit auch als solcher deklarierter gruseliger Anti-Rechts-Fiction aufgefüllt, um – wenn man sich schon nicht an Fakten berauschen kann – wenigstens noch die Unterhaltung zu haben, zumal sich der kreative Utopienverfasser dabei nicht strafbar macht (Kunstfreiheit).

Eine andere Nische für Wahrheitsberichterstattung ist die Kriminalisierung und damit Stigmatisierung eines politischen Gegners auf denkbar einfachste Weise: Irgendein Hansel stellt – am besten anonym – eine Strafanzeige gegen einen Mißliebigen und die Medien berichten, ganz ohne Fake-News basteln zu müssen, über diese. So titelte jetzt der Tagesspiegel: „Schwere Vorwürfe gegen AfD-Vize Andreas Kalbitz“.

Und das klingt für die Leser des linken Kampfblattes wie eine Bestätigung des eigenen Weltbildes über mädchenbegrapschende rechte Antänzer: „Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft Ermittlungen gegen den AfD-Landesvize in Brandenburg Andreas Kalbitz. Er soll teils minderjährige Parteinachwuchskräfte sexuell belästigt haben.“ Der Grund: Irgendjemand hat anonym Anzeige erstattet. Der vierfache Familienvater mit konservativem Sozialisationshintergrund soll sich „teilweise noch minderjährigen Jugendlichen sexuell genähert“ haben. „Wir, die Eltern eines Mitgliedes der Jungen Alternative, sind empört.“ Jaja, betroffen und auch ein Stück weit traurig.

Diese Fake-Anzeigen sind aber überaus effektiv: Kalbitz ist mit dem Sammeln eidesstattlicher Versicherungen und dem Stellen einer Verleumdungsklage beschäftigt, die Staatsanwaltschaften beschäftigen sich mit möglichen rechten Lustmolchen, während Rapefugees ungestört den öffentlichen Raum bewichsen, und die Wahrheitspresse kann den Dreck zum Werfen aufgreifen, ohne dabei auch nur eine einzige Fake-News ausgeheckt zu haben.

Aber ist dieses spannende Modell demokratischer Debattenkultur nicht auch für die Gegenseite nutzbar? Nein! Niedertracht und Haß sollten dort bleiben, wo sie hingehören: Bei den Heuchlern!

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Nachtrag: Unabhängig unserer Schlußfolgerungen kommt das Medienkritikboard PPQ anhand des Beispiels Trump zu einem ähnlichen Resumee neuer Medienleitlinien: „Die angeblichen Enthüllungen. Wiegen schwer“.

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Tatort Staatsfunk

Es ist unfaßbar, daß der Kopf dieser vom hl. St. Verfassungsschutz überwachten „Konträren“ unserem geliebten Staatsfunk Lügen unterstellt. Doch seht selbst und empört euch!

Aus Protest gegen die konträren Tatortleugner, alkoholisierten Muslim*innenbegrapscher, rassistischen Friseusenmörder und raffinierten Milchmädchenverführer rufen wir alle Menschen dazu auf, Zivilcourage zu zeigen und heute Abend ab 18 Uhr ARD oder ZDF einzuschalten und den Fernseher ans Fenster zu stellen, auf daß das dunkle Land in dieser Zeit hell von der Wahrheit erleuchtet werde!

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Fake Fiction

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Der neue Tatort aus Frankfurt. Wie immer innovativ. Mit dieser Folge betritt man ganz neues Genre-Terrain. In der „Fake Fiction“ besteht die Challenge darin, Ereignisse des Zeitgeschehens mit möglichst umgedrehten Vorzeichen zu inszenieren. Nicht ganz einfach, aber hier glänzend umgesetzt. Und so wird das gemacht:

Kommissar Brixens Mitbewohnerin, gespielt von der transsexuellen Schauspielerin Zazie de Paris, bietet ein paar Flüchtlingen vorübergehendes Asyl in ihrem gemeinsamen Haus, ohne des Kommissars Einverständnis einzuholen. Der findet das irgendwie blöd, also daß er jetzt auf dem Sofa schlafen muß und morgens nicht ins Bad kommt, und es passiert, was passieren muß: „Scheißflüchtlinge“ rutscht es ihm raus. Der Deutsche, und ist er auch ein cooler Kommissar, ist nah am Rassismus gebaut. Aber er merkt’s dann schon auch selber (und mit ihm die ebenfalls rassistischen Zuschauer), denn die Flüchtlinge sind damit beschäftigt, obsessiv Deutsch zu lernen, Wasserpfeife zu rauchen und richtig gut zu kochen. Sie sind nicht böse (!) und wollen niemandem, der schon länger hier lebt, etwas wegnehmen. Und so entsteht ein schönes Gruppengefühl im Lauf des Films.

Unter den Flüchtlingen ist auch eine junge Muslima. Außerhalb des Hauses trägt sie den Hijab, aber die transsexuelle Identität ihrer neuen Hausmutter stellt für sie natürlich kein Problem dar. Eigentlich würde sie gerne bei der Polizei arbeiten. Bei einem ihrer solitären, nächtlichen Patrouillen (Scharia-Police?) wird sie Zeugin eines Verbrechens. Sie verfolgt die Täterin, bis sie an ein paar richtig üble Typen gerät: Es sind, richtig geraten, Barbourjacken tragende, bayerisch sprechende blonde Deutsche. Eine allseits bekannte Problemgruppe. Und es kommt wie es kommen muß: Die Jungmänner begrabschen die Muslima ungebührlich („Was versteckst’n da? Na laß doch ma’ sehn’!“) und schlagen sie zusammen. Wir haben noch nicht so oft von solchen Vorfällen gelesen in der Presse, eher von anderen. Aber es könnte jeden verdammten Tag passieren, irgendwo da draußen. Ein mutiger Film, der inspiriert ist vom Konjunktiv, weniger vom Indikativ.

Dann ist ein neuer Abteilungschef am Start. Er hat nichts zu tun, weder als Polizist noch als Figur in dem Plot, also gibt man ihm ein Faible für Poesie. In den unpassendsten Situationen rezitiert er also Ernst Jandl. Jandl!! Mensch, wenn das mal nicht ausgefallen und skurill ist! Toll! Dabei schlägt man glatt zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Drehbuchteam beweist seinen feinen Geschmack und der denkfaule Zuschauer begreift: hier geht es um SPRACHE!!, hier geht es um IDENTITÄT!! Aber eigentlich geht’s um NIX!!

NULLKOMMANIX!! Ein ironisches Spiel. Eben Fake Fiction.

A propos Identität. Die Identitären hat man natürlich auch in petto. Über die hat man immerhin schon mal auf Spiegel-Online gelesen. Sie sind hier, Überraschung, verkappte Nazis, die vor nichts zurückschrecken. Sie mögen die Schwarzen nicht. Nicht weil sie Drogen verkaufen oder sich illegal in Frankfurt aufhalten (was in zwei Nebensätzen thematisiert wird), sondern weil sie ethnisch nicht reinpassen. Die Identitären sind in diesem Film blonde Mädchen. Das macht Sinn, weil so ziemlich alle Identitären aus der indikativen Welt der Wirklichkeit unter Frauenmangel leiden und eher dunkelhaarig sind. Jedenfalls schrecken die Kongruenten (hihi, so heißen sie im Tatort) vor nichts zurück, um ihre faschistoide Ideologie durchzusetzen. Außerdem singen sie gern im Chor. Das ist spießig, das ist peinlich, aber vor allem ist das auch ein bißchen faschistisch.

Zum Fall. Jemand hat einen Molotowcocktail in ein Friseursalon geworfen, eine junge Deutsche kam ums Leben. Gegenüberstellung, Fingerabdrücke, Motiv, alles spricht gegen einen dunkelhäutigen Migranten, den man bereits festgesetzt hat. Aber das ist Kommissarin Janneke irgendwie zu billig. Die Sorge ist auch groß, dass die Medien Wind davon bekommen. Man will ja den Haß nicht noch mehr anstacheln. Also auch, wenn es „sehr weit hergeholt scheint“, aber der Chef weist an, noch einmal in alle Richtungen zu ermitteln. Die Kommissarin geht nochmal auf Nazijagd und kommt mit einer abstrusen Theorie zurück. „Das sind doch Vermutungen“, sagt ihr Chef. Die Kommissarin insistiert, sie hat so ein Gefühl. Aber ihr spielverderbender Vorgesetzter verlangt tatsächlich nach Beweisen.

Zwischendurch belehrt die Kommissarin das von rechtem Gedankengut verführte deutsche Mädchen, mittlerweile hauptverdächtig: „Mensch, die Hautfarbe und die Nationalität haben doch gar nichts mit Gut und Böse zu tun“. Wow! Diese grandiose Einsicht fällt unangenehm auf, aber nur, weil sie einen tatsächlichen Wirklichkeitsbezug aufweist. Ich finde aber, diesen Fauxpas kann man den Autoren schon verzeihen, haben sie mit dieser Tatort-Folge ansonsten Fake Fiction vom Feinsten abgeliefert, quasi genre-definierend.

In der Umsetzung war einzig der deutsche Humor authentisch: krampfig, ein bißchen Slapstick, etliche unbeholfene Sprachspiele. Deutsche Alternativrealitäten lassen sich eben einfacher erfinden als ein guter Witz.

[Quelle, hier sprachlich leicht korrigiert]

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Therapie

CDU Kröten schlucken

Das ist Strafvollzug, wie ihn sich jeder Kriminelle wünscht: Da wird einem Mehrfachvergewaltiger Freigang und eine Reittherapie auf einem Ponyhof zugesprochen. Vorgeblich zur Hufpflege der Pferde darf er sich ein Hufpflegemesser kaufen: „Im Messerladen kaufte er statt eines Spezialmessers eines mit scharfer Klinge.“ Dann wird ihm eine junge Mutter als therapeutische Begleitung zugewiesen, die an ihrer Arbeitsstelle eigentlich schon gekündigt hatte, weil sie nicht mehr mit persönlichkeitsgestörten Tätern, sondern mit Opfern arbeiten wollte. Beide fahren allein zum Reithof … Das blutige Ende kann sich jeder an fünf Fingern abzählen.

Während dessen fordert die CDU/CSU nach der Ausstrahlung einer „Tatort“-Serie vor einigen Wochen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. In der Staatsfunksendung „hatten zwei Jugendliche einen Mann in einer U-Bahnstation angegriffen unter anderem mehrfach gegen den Kopf getreten, nachdem dieser zuvor in der Bahn einem Behinderten gegen die beiden zu Hilfe gekommen war. Das Opfer starb in Folge der Attacke. Auf die Frage des Kommissars, warum der Mann habe sterben müssen, antwortete der Haupttäter grinsend: ,Ich weiß es nicht. Einfach so, es gibt keinen Grund.’“ Die virtuellen Kopftottreter tragen die Namen Konstantin Auerbach und Achim Wozniak.

Nach der Krimi-Sendung klagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, es dürfe nicht sein, daß Straftäter erst Monate oder Jahre nach der Tat bestraft würden, nur weil kein eigener Raum für solche Verfahren an den Gerichten eingerichtet sei. Man brauche zügigere Verfahren, längere Arrestdauern und schnellere Strafverbüßungen. Das alles wolle die CDU/CSU „direkt nach der Wahl“ umsetzen.

Offensichtlich bezieht ein immer gößerer Anteil von Entscheidungsträgern seine Erkenntnisse aus Krimi-Serien und Science-Fiction-Filmen. Gefährlich wird es jedoch erst, wenn die Machthaber ihre verzerrte Wahrnehmung in Gesetze gießen oder hochdotierte Förderprogramme für den Kampf gegen irgendwelche Schimären aus Steuergeldern alimentieren.

Vor der diesjährigen Bundestrogwahl werden überproportional Plakate der AfD (wie erwartet), aber auch der Piraten abgerissen, zertrümmert, gestohlen. Da scheinen einige Pfründefresser Angst um ihre Plätze am Bundesfuttertrog zu bekommen. Dementsprechend wird seitens der Staatspresse, wie vor jeder größeren Wahl üblich, „auf den letzten Metern der Bundestagswahlkampf zum Krimistilisiert. „Fünf Tage vor der Stimmabgabe liegen Regierung und Opposition mit je 44 Prozent gleichauf.

Hui, wenn das mal das Stimmvieh nicht animiert, sich für Pest oder Cholera zu entscheiden, anstatt für kleinere Alternativen!

Verbotsvorboten

Lieber ein Abszess am After, als ein Deutscher-Burschenschafter!“ [1]
Demospruch der Braunauer Antifa

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Hin und wieder bleibt dem auf allen Fernsehkanälen von meuchelnden Schlangen- und Mondnazis heimgesuchten Publikum nichts anderes übrig, als über Burschenschaften informiert zu werden. Kürzlich berichtete deshalb auch DER SPIEGEL über Totalausfälle bei den rechten Burschenschaften, die in einem „internen Rundschreiben der Burschenschaften Alemannia und Hilaritas und der ‚Vereinigung Alter Burschenschafter’“ [2] der Mitwelt kundgetan worden sein sollen, was um so erschreckender ist, da wir uns zunächst verlasen und uns das Staunen über eine Burschenschaft Hitleritas erfaßte… Schrecklich, überall lauert der Nazi, selbst im Unterbewußtsein der Unschuldigen!

Dabei handelt es sich nicht im Geringsten um Hitleristen, im Gegenteil: Bemängelt wurde von den verwegenen Bursch_innen, daß manch andere Burschenschaften ihre „Verehrung von Personen und Gedanken der nationalsozialistischen Zeit“ indirekt durchführen und „sich in Sprache und Auftreten geschickt entlang gerade noch nicht verbotener Grenzen“ bewegten. Noch nicht verbotener, wohlgemerkt.

Der rechtschaffene Untertan sollte aber heute schon wissen, was morgen verboten ist, und sich vorbeugend den Diktionen unterwerfen. Dazu könnte auch die Konsumverweigerung kritischer Blogs gehören [3]:

Noch immer lassen sich einzelne Volksgenossen verführen, ausländische Sender abzuhören. Sie lähmen dadurch ihre Widerstandskraft und treiben damit eine geistige Selbstverstümmelung, die nicht weniger verbrecherisch ist, als die körperliche Selbstverstümmelung eines Wehrpflichtigen. Lassen sich solche Rundfunkverbrecher gar dazu verleiten, die abgehörten ausländischen Lügenmeldungen im Volke weiter zu verbreiten, so treiben sie damit eine landesverräterische Unterstützung der Feindpropaganda, die vom Gesetzgeber mit schweren Zuchthausstrafen gesühnt wird.

Im Übrigen wird von aufrechten Anti-FaschistInnen_innen hin und wieder darauf verwiesen, daß der oben zitierte Braunauer Demospruch „Lieber ein Abszeß am After, als ein deutscher Burschenschafter!“ von der Hitlerjugend erfunden wurde und daher vermieden werden müsse. Als Ersatz böte sich feministisch korrekt an: „Mensur ist Menstruationsneid“ [4].

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Der Mörder ist niemals ein Gutmensch

Der Mörder war wieder der Gärtner,
und der plant schon den nächsten Coup.
Der Mörder ist immer der Gärtner,
und der schlägt erbarmungslos zu!

Reinhard Mey, Schlagersänger


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Immer mal wieder Sonntags, Viertel nach Acht im Ersten: die ARD-Traditionsreihe TATORT. Die Fälle sind meist so spannend wie abgelatschte Schuhsohlen, dennoch ist Tatort „die älteste und derzeit auch beliebteste noch laufende Krimireihe im deutschsprachigen Raum“. [1] Das liegt vor allem daran, weil die Serien einerseits oft in bekannter Kulisse spielen und damit dem Publikum eine Ortsidentität vermitteln [2] und zweitens die „seichte Talkshow-Soziologie“ eine soziale Identifizierung zuläßt. So seien Tatort-Kommissare „schon geraume Zeit nicht mehr rollensichere Routiniers. Stattdessen sind sie unablässig abgelenkt von den Herausforderungen ihres in der Regel hochproblematischen Privatlebens.“ [3]

Sie müssen sie ihre Kinder allein erziehen, laufen als „Irre vom Dienst durch die Großstadt“, sind in psychotherapeutischer Dauerbetreuung, haben unaufgeräumte Beziehungsgeschichten, triefende Vater-Sohn-Reminiszenzen oder stehen im langen Schatten der eigenen düsteren Vergangenheit. Also typische Lebensläufe einer entbundenen Psychogesellschaft. „Psychologie überlagert die Handlung, deren Konstruktion immer abgedrehter wird. Spannung erzeugt diese Sorte von Fernsehkrimi mit Vorzug durch unsinnige Aktionen der Ermittler, die sich gern allein in tiefer Nacht in abgelegene Ruinen begeben und dort prompt überwältigt und verhauen werden. Gangster wollen sich eben nur selten auf die von kriminalistischen Weicheiern bevorzugte Habermassche Diskursethik einlassen. Den Einsatz der Schusswaffe scheuen unsere ‚Tatort’-Helden wie der Teufel das Weihwasser. … Es dominieren, mit wenigen Ausnahmen, Gutmenschen, Allesversteher und Betroffenheits-Betschwestern.

Einerseits sollen sich die Medienkonsumenten in der Flimmerkiste mit all ihren Problemen wiederfinden, andererseits werden ihnen gültige Verhaltensschemata vermittelt. So belehrt der Tatort den glotzenden Kleinbürger, wenn dieser in der Realität Opfer allseits bekannter Tätergruppen wird, per medialer Hirnmassage eines Besseren: „Bei den Tätern hat sich allerdings eine Milieuverschiebung ereignet. Die Bösen sind meist Immobilienhändler, Baulöwen, Chefärzte, renommierte Juristen, Diamantenhändler, Grossgrundbesitzer oder, ganz schlimm, Angehörige von Burschenschaften. … Sollte dennoch einmal ein Vorbestrafter, Zigeuner oder ein Angehöriger anderer Minderheiten ins Visier der Fahnder geraten, dann kann man sicher sein, dass am Ende dieser Verdacht sich als Folge schlimmer Vorurteile erweist.“ Oder anders herum: Wenn ein Nazi im „Tatort“ auftaucht, kann man sicher sein, daß er nicht unschuldig ist. Das sind die komplizierten Fälle, welche der Fernsehzuschauer gleich mitlösen kann, und bei denen sein kriminologischer Spürsinn am Ende garantiert mit Erfolg belohnt wird.

Doch liegt die cultural proximity ebenso wie die Vermittlung von Täter- und Opferprofilen in den Medien voll im Trend: „Wenn das Adolf-Grimme-Institut, das solchen Gesinnungskitsch immer wieder auszeichnet, darin eine ,spannende Verhandlung zeitkritischer Stoffe’ sieht, dann sagt das nichts über die Qualität der Krimis, wohl aber viel über das Elend einer trendigen Fernsehkritik. Bisher hat diese Entwicklung nur den ,Tatort’ ruiniert und spannende Fernsehunterhaltung durch die Langeweile ersetzt.“ Derart langweilig, daß man bestenfalls die Verabreichung politisch korrekter Klischees vermißt, wenn man eine Folge verpaßt.

Textete der deutsche Schlagersänger Reinhard Mey noch in einer Parodie auf stereotype Vorurteile in einem seiner Stücke mehrmals „Der Mörder ist immer der Gärtner, und der schlägt erbarmungslos zu!“, so war es am Ende des Liedes dann doch der Butler. – Schlagerlieder sind manchmal viel spannender als ARD-Krimiserien.

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