Fieberkurven

Wie trendy bestimmte Begriffe sind, kann man mit Google-Trends untersuchen. Man gibt den Begriff ein, definiert einen Zeitraum, grenzt ggf. geographisch ein und schwups, sieht man die Fieberkurve des Begriffes, heißt also, wie oft er in der Suchmaschine Google nachgefragt wurde. Zum Beispiel Obama (weltweit):

Es gab offensichtlich gegen Ende des Jahres 2008 einen Obama-Hype, dann verschwand Obama bis zum nächsten Wahltag wieder aus dem öffentlichen Interesse.Das ist für Politiker demokratischer Systeme aber durchaus üblich.

Anders sieht es bei dem NSU aus. Über die Jahre gab es immer mal wieder Nachfragen, was aber eher mit den namensgleichen Fahrzeugen zu tun haben dürfte. Mit der Entdeckung des skurrilen Terrortrios kam ein Hype auf 90 % und – das ist erstaunlich – erst am 1. Jahrestag der Vollausschlag. In dem Begriff steckt also noch Potential.

Interessant auch ein Blick auf die Döner-Morde. Als noch verlautbart wurde, daß diese von der türkischen Mafia begangen worden wären, interessierte sich so gut wie kein Mensch für das Verbrechen. Erst, als es hieß, der NSU wäre der Schuldige, kamen die Tat und deren Opfer zu einer echten Würdigung durch massenhafte Google-Abfragen.

Bei den eher zeitlos hysterisierenden Begriffen wie Nazi, Hitler, Zivilcourage, Rassismus, Ozonloch oder Waldsterben ist zwar ein kontinuierliches Abfrageverhalten, aber über die Jahre eine eher abnehmende Tendenz erkennbar. Das abnehmende Interesse ist vor allem beim Waldsterben markant:

Man kann mit Fug und Recht sagen, daß das Waldsterben langsam stirbt.

Auffällig ist bei den letztgenannten Begriffen das Sommerloch: ein Einbruch der Abfragenmenge in der sommerlichen Urlaubszeit. Das einzige, das im Sommerloch gut dasteht, ist – na logisch – das Sommerloch selbst.

Sommerloch

Nein, immer noch keine Erderwärmung. Gefühlt ist der Sommer so kalt, wie noch nie, allein die Statistiken der Erderwärmungstheoretiker weisen hoffnungsvoll in die Zukunft: In Hundert Jahren soll es ein halbes Grad wärmer sein. Der Juli-Hochsommer steigt bis dahin von 17,0 °C auf 17,5 °C. Dann heißt es endlich wieder, die Wollmütze abzusetzen und den Schal vorsichtig zu lockern.

Die mit der Erderwärmung einhergehende extreme Dürre, welche uns von den Klimatheologen versprochen wurde, läßt ebenso auf sich warten. Die Bauern klagen über Ernteausfälle, weil das Getreide und der Raps bei der Nässe nicht geerntet werden können. Dabei schwadronierten bereits alle Bauernregeln des Frühjahrs von einem lichtlosen Plitsch-Platsch-Sommer.

Die Urlauber fluchen, die Biergärten und Strände sind leer, wer unverfroren Baden geht, erregt erstaunte Aufmerksamkeit. Jeder dritte Deutsche glaubt nicht an Gott, und ebenso viele glauben nicht daran, daß der Sommer 2012 noch zu einem echten Sommer wird. Passend zum Sommerloch auch unsere Umfrage: „Wie wird die Erderwärmung?“  Ein Drittel meint, sie fiele aus, ein weiteres Drittel, sie werde teuer. Nur 5 bzw. 3 Prozent glauben noch daran, daß sie heiß bzw. trocken wird. Alle Zuversicht scheint verloren. So richten wir verzweifelt Hoffmann von Fallerslebens beschwörende Worte in den Himmel:

Beim Regen

Liebe Sonne, scheine wieder,
Schein’ die düstern Wolken nieder!
Komm mit deinem goldnen Strahl
Wieder über Berg und Tal!

Trockne ab auf allen Wegen
Überall den alten Regen!
Liebe Sonne, lass dich sehn,
Dass wir können spielen gehn!

Stafettenstab im Sommerloch

Internate, Klöster, Schulen oder Familie: Schwächere – meist Kinder oder Frauen -
werden sexueller Gewalt ausgesetzt. Die Fälle häufen sich.
“ [1]
Jörg Schindler, Journalist

Mißbrauch, überall Mißbrauch. Früher waren es die Juden und Zigeuner, die kleine Kinder stahlen, später die Nazis, die in Lublin unter Anleitung des pferdefüßigen Dr. Mengele Millionen von Kinderschuhen zu Bergen aufhäuften. Nach den mehr oder weniger gescheiterten Umsturzversuchen von 1968 wurde es zwar kurzzeitig Mode, sich im Namen Maos und Lenins von Kindergartenkindern den Hosenlatz öffnen zu lassen [2], doch dann besann man sich wieder darauf, daß Kinder in einer kinderlosen Gesellschaft propagandistisch dazu benutzt werden können, um politische Ziele mit der Tränendrüse zu erkämpfen.

Zuerst kamen die Familienväter an den Pranger, die ihre Töchter und Knaben penetrierten, gleich darauf die Mütter, die ihre Plattenbaukinder zwischen Pizza und Fischstäbchen einfrosteten oder kurzerhand aus dem 10. Geschoß in die Grünanlagen warfen. Dann waren die Nazis wieder an der Reihe, welche im Führerbunker kleine Kinder zu Mordbestien drillten, daraufhin die Internetnutzer, die schmutzigste Kinderpornografie betrieben. Vor kurzem wurde der Stafettenstab an die Jesuiten übergeben, die ihre anvertrauten Knaben als Anna Dunzingers benutzten, nun ist er endlich bei den Lehrern angekommen. Wem wird der Stab wohl als nächstes eingeführt?

Im Odenwald, wo schon der kühne Siegfried von Hagen dem Tronjer dahingemeuchelt wurde, sollen acht Lehrer mindestens 40 Schüler mißbraucht haben, nicht nur, indem sie die von ihren Eltern per Schulpflicht zwangsgetrennten Kinder über Jahre hinweg mit gesellschaftlichen Dogmen drangsalierten und sie zu angepaßten Bürgern uniformierten, sondern auch mit dem wichtigsten Symbol des Kapitalismus, einer Banane: „Mehrere Schüler sollen inzwischen einen Vorfall beschrieben haben, bei dem ein gefesselter Schüler von Mitschülern mit einer Banane vergewaltigt worden sei, während der verantwortliche Lehrer untätig danebengestanden haben soll.“ [1] Die Frankfurter Rundschau interviewte die Südfrucht.

Zwar hatte die Qualitätszeitung bereits im Jahr 1999 ähnliche Vorwürfe gegen Ex-Rektor Gerold Becker publiziert, „damalige Ermittlungen verliefen jedoch im Sand“. Kein Grund, es nicht noch einmal zu versuchen, auch wenn diese immer langweiligeren Kindesmißbrauchgeschichten langsam von einem neuen Medienhype abgelöst werden könnten, etwa einem brutalen Tsunami, einem suizidalen Nationalfußballer, der drohenden Erdvernässung oder einer kecken Nazibande. Ansonsten möchte man meinen, daß zum Sommerloch eigentlich nur noch das passende Wetter fehlt.

Derweil langweilt man die Medienkonsumenten mit dem Brief eines beschuldigten Lehrers vom Januar 2000 an einen Ex-Kollegen, in welchem der medial vorverurteilte Täter über seine spätere Frau schrieb, er habe sie „unter den vielen wunderschönen und gescheiten Jungfrauen in Oberhambach als die geeignetste“ ausgesucht und „quasi von der Schulbank weg“ geheiratet. Zwangsverheiratung oder Heiratsschwindelei – welcher Qualitätsjournalist übernimmt den grausigen Fall?

Der Stillendorfer Burgherr gibt
Gern Klöstern ein Geschenk,
Den Nonnen schenkt er Bilder meist,
Den Mönchen meist Getränk,

Den Schwestern der Elisabeth,
Die keusch und züchtig sind,
Verehrte er ein Heiligenbild:
Die Mutter mit dem Kind.

Als das die würd’ge Ob’rin sah,
Sie eine Ohnmacht packt;
Entseelt vor Scham, so lag sie da:
Das Kindlein war fast nackt!

»Der Geist der Sünde bleibe stets
Dem frommen Kloster fremd;
Herr Maler, bitte, malen Sie
Dem Kindlein da ein Hemd!

Vergessen Sie die Ärmel nicht,
Wir seh’n nicht gerne Fleisch.
Die Welt ist heute schrecklich schlecht,
Und wir sind schrecklich keusch!
«

Recht hat die gute Oberin!
Viel besser wär’s bestellt,
Käm’ jedes kleine Kindlein schon
Im Hemde auf die Welt.

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