Döner-Rap

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Wurzeln und Würste

Hörnchen

Es wäre heute nicht mehr schicklich, bezüglich der im letzten Jahr stattgefundenen Totschlägerei am Alexanderplatz zu formulieren, daß „in der deutschen Hauptstadt ein siamesischer Rassenmischling von Osmanen ermordet“ worden sei. Das politisch korrekte Kauderwelsch führt allerdings zu solch skurrilen Formulierungen von Nachrichtensprechern, daß seinerzeit „ein Junge mit thailändischen Wurzeln erschlagen“ wurde. Der unbefangene Radiohörer mag sich wundern, daß exotische Gehölze sogar für derartige Missetaten Verwendung finden.

Daß das ß auch heute noch durchaus seinen Sinn hat, wurde uns bei einem mitgelauschten Interview der Leipziger Scherenschnipplerin Prof. Annette Schröter einmal mehr deutlich. Auf die Frage der Moderatorin bezüglich einer Ausstellung „Zu diesen Rundgängen kommen ja tausende Kunstinteressierte, das hat so ein bißchen fast Volksfestcharakter, oder wie erleben Sie das?“ antwortet Frau Professorin in gepflegtem Sächsisch: „Joah, das ist eigentlisch, also isch find das recht schön, natürlisch, man trifft jede Menge Freunde, Begannte, man trinkt da mal’n Bier, dort’n Wein, und [lacht] ist da ein Würstchen …“.

Wir haben eine Weile darüber gegrübelt, warum sich die Honoratiorin inmitten der gunstbeflissenen Volksmenge als Würstchen empfindet, assoziierend mit „armes“ oder „kleines“. Vielleicht, weil sie zwischen den anderen „Günstlern“ nicht gebührend wahrgenommen wird? Dann aber fiel uns das ß ein, und daß Frau Professorin die armen Würstchen wohl eher zu vertilgen pflegt. Mit viel „Gädschub“ oder „Sämpf“.