Eierdiebe

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Bochum, eine der schönsten und buntesten Städte der BRD, hatte sich für seine Kinder eine besonders liebe Osterüberraschung einfallen lassen: „In einem Park hatte die Stadt Bochum 5000 Ostereier versteckt. Doch Diebe stahlen sie am frühen Morgen – alle. Zurück blieben untröstliche Kinder.“ Viele Kinder verließen weinend den Stadtpark.

Vermutet wird, daß das gesamte Eierkontingent von jenen mitgenommen wurde, die wertvoller als Gold sind, und von einigen Kommentatoren darob als „Goldhasen“ bezeichnet werden. Sicherlich, das Land hat sich verändert, aber wie würde Fräulein Göring sagen: „Das ist gut so.

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Frohe Ostern

Frohe Ostern!

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Osterhäs_innen

Wir sind heute live verbunden mit Frau Löffelsteif, Chefin der Eierlegeanstalt Rammel IV:

eulenfurz: „Guten Tag, wir freuen uns, einen Osterhasen in der Leitung zu haben.“

Osterhase: „Hallo Frau Eulenfurz, aber gleich ein Einwurf: Von Leitung kann keine Rede sein. Wir Osterhäs_innen werden auch nach Jahrhunderten noch diskriminiert! Als Geschenkebringer dominieren immer noch Männer, vor allem die Weihnachtsmänner. Sie werden als viel wichtiger wahrgenommen.“

eulenfurz: „Ist das so? Ostern dauert immerhin vier Tage mit 3 Feiertagen, Weihnachten nur zweieinhalb Tage mit 2 Feiertagen!?“

Osterhase: „Aber wir sind doch völlig unterrepräsentiert, schauen Sie sich nur die vielen Weihnachtsfilme an. Haben Sie je schon einen Osterhasenfilm gesehn, und dann noch einen, der die Osterhäsin in ihrem weiblichen Selbstverständnis würdigt?“

eulenfurz: „Nein, das stimmt. Osterhäs_innenfilme gibt es wirklich nur sehr wenige.“

Osterhase: „Und dann das Verstecken: Wieso müssen wir uns und unsere Leistung immerzu verbergen? Wir können doch stolz auf unsere Eier sein, ich meine, welches weibliche Säugetier legt sonst Eier? Und dann noch Schokoladeneier!“

eulenfurz: „Ja, das ist eine tolle Leistung. Aber ist denn die Freude glücklicher Kinder nicht Dank genug.“

Osterhase: „Wir würden es als längst überfälligen Akt der Gleichberechtigung ansehen, so wie die Weihnachtsmänner unsere Gaben offen und ehrlich verteilen zu dürfen. Wir wollen endlich aus dem Schatten der Weihnachtsmänner heraustreten!“

eulenfurz: „Was sagen die Weihnachtsmänner dazu? Haben die Angst, dann unterprivilegiert zu sein und letzten Endes wie die Pfingstochsen zu enden? Ich erinnere da an den schrecklichen Spruch: Zu Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.“

Osterhase: „Natürlich ist Gleichberechtgung nicht zum Nulltarif zu haben, aber diesen Machtverlust muß das Weihnachtspatriarchat eben hinnehmen!“

eulenfurz: „Wir hören live den Osterhasen, … eine Osterhäs_in zum Aspekt des Gendergleichstroming. Frau Osterhasi, nun aber zum für unsere Kinder wichtigsten Thema: Gibt es dieses Jahr wieder so viele Eier, wie in den letzten Jahren?“

Osterhase: „Auf jeden Fall, wir werden unser Plansoll erfüllen. Schließlich haben wir viele fleißige Arbeiter_innen in unseren Legebatterien und Versteckkolonnen. Mehr wird aber nicht verraten, schließlich soll es eine Überraschung werden.“

eulenfurz: „Es gibt Gerüchte, daß die Osterarbeit verstärkt von ausländischen Billigkarnickeln durchgeführt wird…“

Osterhase: „Das ist eine Notwendigkeit der Globalisierung, die deutschen Osterhäsinnen produzieren für’s Ausland, die Ausländischen für Deutschland. Sinn der Sache ist, die Ostereier möglichst durch die ganze Welt zu fahren, bevor sie gegessen werden. Der Bedarf an Billigware wird immer größer, schließlich soll Ostern auch zukünftig das Ramschfest für die ganze Familie bleiben.“

eulenfurz: „Vielen Dank und schöne Grüße nach Österreich!“

Osterhase: „Danke, frohe Ostern!“

Genozid der Osterhasen

Näbedra hei grad vier mitenander Schoggihase gmacht
die dunkle Hase macht me halt z Nacht.
Und wenn er au zu dir muess cho
setsch halt s Gartetürli offe loh.
“ [1]
Max Buess-Melchior über den Oschterhas


osterhase

Der Schoggihase ist eine Erfindung der Schokoladenindustrie und in der multimedialen Vermassungsgesellschaft ebensolchen gesellschaftlichen Verwerfungen unterworfen wie die ihr zugehörigen Menschen. So muß bekanntlich der Überschuß der vorweihnachtlichen Schokogußproduktion an maskulinen Weihnachtsmännchen für eine transsexuelle Operation zu femininen Schoggihasen herhalten. Die Zipfelmütze wird zum Schlappohr, der Stiefel zur Pfote und der Sack zur Kiepe.

Doch auch das Osterei entwickelte sich aus einer Überflußgesellschaft. In katholischen Gegenden hatte sich durch die Fastenzeit ein großer Bestand an Eiern angehäuft, der zu Ostern unter die Leute gebracht werden mußte. Um nicht selbst auf den faulen Eiern sitzen zu bleiben, bemalte man sie schön bunt (wie es heute nur noch die Süßwarenindustrie versteht, um die Kaufkraft farbverwirrter Karieskinder zu animieren) und schenkte sie seinen Nachbarn. Möglicherweise sortierten die Bauern auch ihre alten Eier zur Osterzeit aus, warfen die schlechtesten an den Feldrand, was dazu führte, daß die städtische Unterschicht bei ihrer ersten nachwinterlichen Landpartie angesichts der vielen Fundstücke „Ah!“ und „Oh!“ lärmte und einem verschreckt davonhoppelnden Karnickel die Schuld am übelriechenden Omelette gab.

Alle anderen Hypothesen, wie der gemeine Feldhase zu den Hühnereiern gekommen sei, klingen nicht plausibel. So soll wahlweise die Frühlingsgöttin Ostara den Meister Lampe samt Ei im Wappen tragen, der Vollmond wie ein schräg auf dem Kopf liegender Hase aussehen, der Hase anno dunnemal aus einem schlecht gezeichneten Lammbild gedeutet worden sein oder ein biblischer Übersetzungsfehler Schuld tragen, bei welcher „Klippschliefer“ mit „Hase“ verwechselt wurde. [2] Schriftlich festgehalten wird der Osterhase zum ersten Mal vom Medizinprofessor Georg Franck von Frankenau etwa um 1680 in seiner medizinischen Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eiern“, in welcher er die negativen gesundheitlichen Folgen schilderte, die der übermäßige Verzehr dieser Eier mit sich bringe.

Mit der Verbreitung der Karnickelplage, der globalen Kommerzialisierung plüschiger Riten samt Hasenfell oder Weihnachtsmannbart sowie der Ablösung des Fastens durch Freßorgien begann der Siegeszug des Osterhasen, welcher den billigen Konsumschrott der Überflußgesellschaft vor den unschuldigen Kindern versteckte, damit denen trotz des bunten Plunders wenigstens der Erfolg des Findens Freude bereite. Doch der Osterhype dauert jedes Jahr nur kurze Zeit. Spätestens, wenn Jesus auferstanden und der Alltag wieder eingekehrt ist, ist der Osterhase tot. Überfahren bei 120 km/h auf der Landstraße, erstickt an der Klimakatastrophe, verkümmert im Massenzuchtstall, verspeist als Festtagsbraten. Und jedes Jahr sterben auch 100 Millionen Schokohasen [3] einen grausamen Genozid, kollektiv und brutal, nur deswegen, weil sie Schoggihasen sind. Und niemand findet sich, der dagegen protestiert.

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