Meßweinmargot

Die Gleichberechtigung haben wir erreicht, wenn eine völlig
unfähige Frau in eine verantwortungsvolle Position aufrückt.
“ [1]
Beate Weber, Ex-Oberbürgermeisterin von Heidelberg

Nachdem Frau Bischöfin Käßmann mit ihrem VW Phaeton und 1,54 Promille durch das nächtliche Hannover rauschte, fertigte der beliebte Comiczeichner Wilhelm Busch die Bildergeschichte von der frommen Margot an. Darin wurde die Höllenpein der Seelenhirtin bildlich verarbeitet:

Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör!

Gefährlich ist des Freundes Nähe.
O Margot, Margot! Wehe, Wehe!

Doch der Zeichner stellte unmißverständlich klar, daß es kaum möglich ist, während der Fastenzeit einem erlösenden Trunk zu widerstehen, zumal, wenn man den ganzen Tag nur Wasser predigen muß. Und so nahm das Unheil seinen Lauf:

Und hilflos und mit Angstgewimmer
Verkohlt dies fromme Frauenzimmer.

Hier sieht man ihre Trümmer rauchen.
Der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.

Hier allerdings irrt der Chronist. Der Rest ist sehr wohl noch zu gebrauchen, denn dieser soll am 4. März 2011 in der Frankfurter Paulskirche den Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage der Kulturstiftung Pro Europa erhalten. Die Zivilcourage besteht laut Jury darin, daß Käßmann nach ihrer Trunkenheitsfahrt von ihrem Bischöf_innen-Amt zurückgetreten war und damit erheblichen Mut bewiesen habe. Sie sei zum Vorbild für andere Personen des öffentlichen Lebens geworden, welche nach ihren Affären oder Verbrechen nicht immer den Mut zu einem Rücktritt fänden.

Allerdings setzt dieser mutige Akt des Zeigens von Zivilcourage eine Missetat voraus, im vorliegenden Fall ist es der Alkoholmißbrauch. Sollte sich jedoch herausstellen, daß Bischöfin Käßmann sich die Trunkenheit – so wie Hakenkreuzrebecca aus Mittweida ihr Hakenkreuz – selbst zugefügt hat, kann es passieren, daß sie, ebenso wie Rebecca, ihren Zivilcouragepreis zurückgeben muß. Doch ist das unwahrscheinlich, denn Genoss_in Karl-Eduard von Schnitzler teilt mit: „Deutschland ist im Winterschlußverkauf und alles muß raus, mit 20 Prozent Rabatt, außer auf Tiernahrung. Wie in den letzten Tagen des zweiten großen Krieges, der Weltkrieg geheissen war und wo die eisernen Kreuze nur so unters Volk geworfen wurden, ist jetzt auch die Anerkennung für Zivilcourage noch billiger zu haben.“ Es wäre sogar zu überlegen, ob die Preisverleiher nicht selbst einen Zivilcouragepreis verdient hätten, nämlich für den Mut, sich öffentlich der Lächerlichkeit auszusetzen.

Es ist jedoch erstaunlich, daß nach Hakenkreuzrebecca nun mit Meßweinmargot die zweite Frau für ihre Courage geehrt wird, was den Journalisten Fritz Rumler zu der Aussage verleitete: „Ein Blick in die Runde, in Statistiken und Männermienen zeigt jeder deutschen Frau, daß der Mann entmannt ist.“ [1] Deshalb und aus Gründen der Quote wurden als nächste Anwärter auf den Rücktrittszivilcouragepreis nur Männer ausgewählt: Hosni Mubarak, Thomas Gottschalk, Horst Köhler und Adolf Hitler.

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Farbanstrich

Die Menschen in Tunesien und Ägypten haben dafür gesorgt, dass auch der Westen Farbe bekennen muss; das ist gut so, denn er hat ja durchaus etwas anzubieten.“ [1]
Braunschweiger Zeitung

Derzeit wird viel berichtet aus dem Land der Pharaonen, nur nicht darüber, welche Farbe die ägyptische Revolution haben soll. Orange hat die Ukraine schon ausgebucht, grün war sie im Iran. Die Ägypterrevolte kam offensichtlich überraschend, weder Farben noch Marionetten stehen bereit.

Auch scheinen sich die Vertreter der Qualitätsmedien im Unklaren darüber zu sein, ob sie nach Schema F auch diesen Aufstand bejubeln sollen, welcher die Machtverhältnisse im Orient destabilisiert. Hosni Mubarak zumindest, der jahrelang als legitimer Staatschef und Präsident ein wichtiger Gesprächspartner aller anderen legitimen Staatschefs und Präsidenten war, wird seit einigen Tagen in der Mediensprache auffällig häufig zum Autokraten, Despoten und Diktator. Allerdings laufen die Massenmedien immer noch konfus durcheinander, ob sie Mubarak einen Präsidenten nennen oder als Diktator disqualifizieren sollen.

Eine Begründung ist schnell gefunden. So meinte die Leipziger Volkszeitung: „Lange Zeit war Mubarak ein wichtiger Gefolgsmann des Westens. Darum geht jetzt die Angst um, dass ein neuer Mann schwerer zu kontrollieren wäre.“ Der Mannheimer Morgen entgegnet, daß es keinen Sinn mache, „wenn die alten Bündnispartner im Westen an Verhältnissen festhalten wollen, die jetzt schon Geschichte sind. … Die Welt braucht Hosni Mubarak auch deshalb nicht mehr.“ [1]

Fazit also: „Die Welt“ braucht Mubarak nicht mehr, damit ist die Revolte von „die Welt“ abgesegnet. Jetzt fehlt nur noch der Farbanstrich und ein „westlich orientierter“ Oppositionspolitiker.

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