Erdrückkühlung

Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren
wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.
“ [1]
Prof. Dr. Mojib Latif,
Klimaforscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften an der Universität Kiel


Über 15.000 Teilnehmer aus 194 Ländern der Welt, unter ihnen mehr als 100 Staats- und Regierungschefs, tausende Journalisten und zehntausende Demonstranten waren im Dezember per Flugzeug, Hubschrauber, Pkw, Bahn und Bussen für 2 Wochen nach Kopenhagen gereist, um die Erderwärmung zu beenden. Fast niemand hätte für möglich gehalten, daß die Umsetzung so schnell und so erfolgreich vonstatten gehen könnte. Doch wer jetzt noch zweifelt an dem Engagement unserer KlimakanzlerInnen und allen, die ihr bei der Erdrückkühlung helfen, der ist nun eines Besseren belehrt.

Bereits Anfang Januar wurde gemeldet, daß „im Nordosten der USA derzeit der kälteste Winter seit 1982“ [2] herrsche, dabei hatte er noch garnicht richtig begonnen. In der Mongolei wurden ganze Eisenbahnzüge von Schneewehen begraben, in Peking fiel soviel Schnee wie seit 60 Jahren nicht mehr, und es war dort seit 24 Jahren nicht mehr so so kalt gewesen. Auch „auf der koreanischen Halbinsel sorgten die stärksten Schneefälle seit mehr als 70 Jahren für Chaos.“ [3]

Zum ersten Mal seit 50 Jahren hat es auf dem ganzen Gebiet im europäischen Teil Rußlands im Monat Januar noch keine Plustemperatur gegeben. „Selbst im Sonnenland Spanien wurden Schneewarnungen ausgesprochen.“ Die letzte Kaltfront am Ende des Januars erreichte sogar Marokko und Algerien. [4] Die britische Insel erlebte den kältesten Winter seit 1981. [5]

Nicht ganz so erfolgreich ist die Erdrückkühlung in Mitteleuropa: Der Januar 2010 war in der BRD nur rund drei Grad kälter als im Durchschnitt und damit „der kälteste seit 1997. 23 Schneedeckentage gab es zuletzt im Jahre 1982.“ [6] Die Schweiz erlebte hingegen den kältesten Januar seit 23 Jahren. „Über die ganze Schweiz gemittelt war der Januar dieses Jahr bisher 1,5 Grad zu kalt. Der Januar 2009 war zwar nur geringfügig weniger kalt, kälter war es mit einem Temperaturdefizit von minus drei Grad letztmals allerdings im Januar 1987.“ [7]

Aus allen Teilen der Welt erreichen uns solch frohe Botschaften. Wichtig ist nun aber, die Nachricht über die begonnene Durchsetzung der Erdrückkühlung auch denjenigen zu melden, welche über keinen Zugang zu den staatlichen Nachrichtensendern verfügen. Das betrifft vor allem die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft. Vor allem Obdachlose legen sich in treuem Glauben an die Erderwärmung noch oft genug des Nachts zitternd auf die Erde, um sich in den eiskalten Nächten an ihr zu wärmen. Und um nimmermehr aufzuwachen.

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Verbotenes Licht

Ihr da OHM macht doch WATT ihr VOLT.
Berliner Schnauze
licht_stadt_nachts

Ab 1. September sollen keine leistungsstarken Glühbirnen mehr im Handel erhältlich sein. Aus diesem Verbot resultieren Hamsterkäufe argwöhnischer Konsumenten, die vom Konsumverweigerer nicht nur belächelt werden dürfen. Immerhin können diese Birnen auch Spekulationsobjekte sein. So kosten im Vergleich die antiquierten Kohlefadenlampen, Energiefresser der ersten Stunde, welche von den heute bekannten Glühbirnen dereinst abgelöst wurden, im Handel mittlerweile 19 Euro pro Stück.

Ob den nunmehr verbotenen, aber jetzt im Schlußspurt noch en masse auf den Markt geworfenen Glühbirnen das gleiche Schicksal droht? Zwar meinen die Kritiker der herkömmlichen Glühbirne, ihre Lichtausbeute wäre mit 5 % zu gering und ihre Wärmeabstrahlung zu hoch, doch entgegnen Glühbirnenbefürworter süffisant, daß man jetzt im Frühling, Herbst und Winter die Heizung weiter aufdrehen müsse.

Zudem entbrennen heiße Diskussionen darüber, wer oder was als nächstes vom Energieverschwendungsverbot betroffen sein könnte. Die gewöhnliche Wachskerze zum Beispiel liegt mit 0,04 % Lichtausbeute noch weit hinter der Glühbirne. Auch bei einem Lagerfeuer verpufft der größte Teil nicht nur der Lichtenergie, sondern auch jener der Wärmeenergie ungenutzt in der Atmosphäre.

Der Aufschwung durch Verbote („Umweltschutz schafft Arbeitsplätze“) wäre unverkennbar: Nach dem Verbot der von vorfreudig bastelnden Kindern selbst hergestellten Weihnachtskerzen können beispielsweise Energiesparbeleuchtungsmittel aus der Taschenlampenindustrie den Adventskranz zieren. Nach einem Lagerfeuerverbot dürfen sich Technologen über neue Arbeitsplätze freuen, wenn die Energiesparflackerfackel mit integriertem, solarbetriebenem Elektrogrill und digitalen Anschlüssen für Wärmekissen (die sich der unverbesserliche Lagerfeuerromantiker an die kühlen Körperregionen schieben kann) hergestellt wird.

Die Lichtverschmutzung vor allem in den Städten kann derweil weitergehen. Die energiesparenden Leuchtmittel bieten auch dem klimabewußten Bürger die Möglichkeit, flackernde Reklamen, strahlende Glaspaläste und sinnlose Straßenbeleuchtungen bis zur Befreiung des Menschen von der Nacht weiterzubetreiben. Die Leuchtmittelindustrie will unterdessen in Brüssel demnächst eine Petition mit der Forderung einreichen, daß auch die Sonne – Klimakiller Nummer 1 – umgehend verboten werden sollte.