Das Handwerk

Cacau

Diese Mannschaft ist wunderbar. Wir lieben uns alle so sehr. Wir sollten heiraten.
Oliver Bierhoff, Spieler der BRD-Fußballmannschaft, 1996

In den nächsten Wochen sollen in dem Schwellenland Südafrika (das an der Schwelle einer Wohlstandsgesellschaft zu einem Entwicklungsland steht) zur Belustigung des internationalen Prekariats Gladiatorenkämpfe abgehalten werden, bei welchen teuer bezahlte Laufburschen zu Gruppen erfaßt und sich mit Lederbällen duellieren werden. War es hierbei vor Jahrzehnten im Sinne des olympischen Gedankens üblich, einen friedlichen Wettstreit der Völker zu absolvieren, welche ihre Kräfte fortan nicht mehr in Kriegen, sondern in Sportwettkämpfen ihrer Besten messen sollten, so handelt es sich heute eher um eine uninteressante Werbe- und Absatzangelegenheit von Finanzstandorten.

Konsequent ist es hierbei, daß die für die BRD antretenden Legionäre uneins darüber sind, ob sie vor Kampfbeginn ein Drittel des als Staatshymne deklarierten Deutschlandliedes mitsingen sollen oder nicht. Die DFB-Laufburschen Lukas Podolski, Mesut Özil, Serdar Tasci, Oder Sami Khedira, Jerome Boateng oder Dennis Aogo etwa „verzichten auf das Singen der Hymne.“ [2]

Interessant ist, daß in der „Kaderliste“ der als DFB-Team antretenden Truppe auch eine Person aufgelistet ist, die, statt unter einem bürgerlichen Namen, nur als „Cacau“ vermerkt ist. Passend dazu fällt uns Erich Kästners Gedichtband „Gesang zwischen den Stühlen“ in die Hände, und getreu des Aphorismus: „Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!“ [3] verzichten wir auf den Konsum der Gladiatorenkämpfe und drücken lieber anderen Teams die Daumen.

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