Kein Ali im Team

Zombies Teilhabe

Keiner will einen Ali im Team haben“, zitiert das Fachblatt für behindertengerechten Nachrichtenkonsum, der Schulspiegel, einen Personalverantwortlichen der freien Wirtschaft. Für eine Studie „Diskriminierung am Arbeitsmarkt“ sollten steuergeldfressende Soziologen „herausfinden, daß bei gleicher Qualifikation der Bewerber mit typisch deutschem“ Namen gegenüber einem mit türkischem Namen gewinnen würde. „Wir haben es in Deutschland mit einem ernsthaften Diskriminierungsproblem zu tun“, meldete der Studienleiter Jan Schneider dementsprechend dienstbeflissen, dabei auf eine Vergrößerung des Forschungsbudgets und eine Verlängerung der Bezuschussung schielend.

An fast 2000 Unternehmen wurden vergleichbare Bewerbungen mit den Fiktivnamen Lukas Heumann, Ahmet Aydin, Tim Schultheiß und Hakan Yilmaz gesendet. Warum zwei türkische Namen, aber keine japanischen oder norwegischen? „Um eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu erhalten, muss ein Kandidat mit typisch deutschem Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit türkischem Namen sieben.“ Dabei deute sich sogar dort „eine Diskriminierung an“, wo sie „statistisch nicht signifikant“ ist. In der ideologisch motivierten Wissenschaft genügt es schließlich, wenn mittels esoterischer Kaffeesatzdeuterei die Planvorgaben erfüllt werden.

Eigentlich „sollten Unternehmen und Politik gerade jetzt“ Diskriminierung verhindern, so Studienautor Jan Schneider, „wo sie doch ständig über Fachkräftemangel klagen. Wo diskriminiert wird, entgehen den Ausbildungsbetrieben geeignete Bewerber.“ Blindlings Kooperationen und Allianzen zu bilden, das jedoch widerspricht allen über Jahrtausende empirisch ermittelten Erfahrungen, nach der intuitiv angewendete Diskriminierung genau dazu dient, den Frieden sozialer Gefüge zu erhalten und – in den härteren Fällen – Disziplinierungen durchzuführen, um Normstandards für die Verortung des eigenen Kollektivs zu definieren.

Statistisch signifikant ist in jedem Fall, daß Migranten krimineller resp. gewalttätiger sind, als Deutsche, und daß Araber und Türken in diesem Bereich besonders fachkräftig sind. Und nachvollziehbar ist: Je höher die Wahrscheinlichkeit, daß der einer Gruppe zuzuordnende Kandidat den Betriebsfrieden stört, desto eher wird er abgelehnt. Die Forscher hätten übrigens auch in eine von zwei ansonsten völlig identischen Bewerbungen zweier völlig identischer Personen eine NPD-Funktionärskarriere einschmuggeln können. Wir vermuten auch hier – ohne aufwendige Forschung – ein ungeheures Diskriminierungspotential.

Der Schulspiegel beklagt, daß Diskriminierung „leider nicht neu“ sei. Dicke Kinder bekämen häufiger schlechte Noten, ebenso Ronnys, Kevins und Justins. „Auch das Elternhaus der Schüler fließt in die Benotung mit ein, je gebildeter die Eltern, desto besser die Note der Schüler.“ Diese Zusammenhänge waren freilich schon vor 60 Jahren bekannt, als man die Kausalitäten noch woanders verortete: Je gebildeter die Eltern, desto tendentiell besser die weitervererbte Intelligenz und die elterliche Fürsorge. Je dümmer die Eltern hingegen, desto dümmere Vornamen für die Kinder und desto größer die Nachlässigkeit bei Ernährung und Körperertüchtigung.

Aus empirischen Erfahrungen abgeleitete Vorurteile sind eine anthropologische Konstante, welche sich seit Jahrtausenden bewährt hat, auch wenn das Ideologen und deren alimentierten Soziologen nicht in ihr synthetisches Weltbild paßt. Vorurteile sind heutzutage allerdings leichter manipulierbar, da die Anpassung menschlicher Verhaltensmuster an die moderne Technik mit ihren medial vermittelten Erfahrungswelten nicht Schritt hält. Vorurteile lassen sich also vor allem mittels audiovisueller Indoktrination leicht in beliebige Richtungen dressieren. Und das nutzen Machthaber weidlich aus.

Bild oben: Zombies kennen keine Diskriminierung. Sie lassen alle anderspigmentierten Mitzombies an der Beute teilhaben und im Team partizipieren.  Das ist vorbildlich – nun sollten sich endlich auch die letzten Menschen einer Zombie-Willkommenskultur befleißigen!

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Judenhure

Reibpartie

Als der geschätzte Blogger LePenseur die kürzlich, anläßlich des gegen den Wiener Akademikerball initiierten Gewalttäter-Aufmarsches, gegen eine Ballbesucherin geschleuderte „Nazihure“ mit der Verbalinjurie „Judenhure“ verglich, welche 76 Jahre früher an gleicher Stelle gegen mißliebige Menschen erschallt sein mag, erntete er in einem Kommentar Kritik. Man müsse nicht alles glauben, „1933 mit Judenhure und Anspucken ist (fast)auf dem Niveau wie die Blutgeysire von Baby Yar. Oder Moshe Peers sechsmalige Vergasung.

LePenseur antwortet darauf:

Man muß nicht alles glauben, da haben Sie natürlich ganz recht. Andererseits soll einen die Skepsis über somanche Geschichtsklitterung nach 1945 nicht dazu verleiten, deshalb alles in Frage zu stellen. Beispielsweise, daß es 1933 zu Beschimpfungen (und mehr) gegenüber Juden und »jüdisch Versippten« gekommen ist. Und 1938 in Wien.

Hier wollen wir einhaken: Bekannt sind die Bilder von sogenannten „Reibpartien“ im Wien des Jahres 1938, bei welchen willkürlich aufgegriffene Juden inmitten vieler Schaulustiger die nächtens auf die Straßen geschmierten kommunistischen oder separatistischen Parolen entfernen mußten. Das mag man seinerzeit als Maßnahme für die Disziplinierung von Partisanen gesehen haben, ändert aber nichts an ihrer Unrechtmäßigkeit und Willkürlichkeit. Allerdings sollte auch angemerkt werden, daß in den Jahren zuvor ortsbekannte NS-Anhänger immer wieder gezwungen wurden, die heimlich angebrachten Parolen ihrer Gesinnungsgenossen öffentlich zu beseitigen, sie die ihnen zuteil gewordenen Demütigungen nach ihrer Machtübernahme also kurzerhand delegierten.

Will man gruppendynamische Exzesse, wie etwa den letzten Antifa-Aufmarsch in Wien, sozialpsychologisch bewerten, könnte man also auch versuchen, Diskriminierungserfahrungen verantwortlich zu machen. Freilich dürfte der urbane Antifaschist in den seltensten Fällen von „Faschisten“ gedemütigt worden sein, doch genügen auch medial vermittelte, virtuelle Erlebniswelten, um selbst in eine Opferrolle schlüpfen oder den Rächer der Geschundenen spielen zu wollen.

Immer wieder satteln charakterlich labile Menschen in Massengesellschaften auf politische Bewegungen auf – vornehmlich auf solche, die einen Missionierungsgedanken verfolgen, die ein ambivalentes Verhältnis zur Gewalt aufweisen und die innerhalb der Gesamtbewegung eine soziale Wohlfühlatmosphäre vermitteln – um aus einer vermeintlich moralisch überlegenen Machtposition heraus zu diskriminieren und zu stigmatisieren, und, wo es möglich ist, Gewalt anzuwenden, und, wenn es möglich wäre, auch zu morden.

In diesem Sinne merkten wir in den Kommentaren an:

Angesichts des deutschblütigen Pöbels, der da als “Antifa” verkleidet durch die Straßen marschiert, kann man sich deren Großeltern und Urgroßeltern in brauner Uniform lebhaft vorstellen. Es gibt immer einen Teil im Volk, der den Zeitgeist zur Auslebung der eigenen niedersten Triebe zu gebrauchen weiß. Von daher ist die „Judenhure“, wenn vielleicht auch geschichtlich nicht einwandfrei belegt, eine treffende Parabel.

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Vergelt’s Gott!

WKR Ball Hofburg

Die österreichische Presse am 25. Januar 2014 zu den Ausschreitungen gegen einen Ball-Abend an der Wiener Hofburg:

„Schlagt sie nieder, schlagt sie nieder!“ … ein Paar, das offenbar zum Akademikerball, dem Auslöser der Proteste unterwegs ist, wird attackiert: Schwarz Vermummte reißen der Dame Kleidung vom Leib, bespucken sie und ihren Partner. Umstehende begleiten das Geschehen mit „Schleich di, Nazihure!“.

Der Berliner Tagesspiegel am 24. Januar 2014 in einer Danksagung:

„Danke, liebe Antifa!“ … Es ist leicht, die Leute als hirnlose Krawallmacher abzustempeln. Dabei übersieht man aber, dass es auch eine ganz andere Seite gibt. Wenn wir ehrlich sind, haben wir ihnen viel zu verdanken.

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Deutsche Diebe

Taschendieb-Rassismus

Schon wieder struktureller Rassismus in der Bundeshauptstadt: Im Berliner U-Bahn-TV zeigte die Polizei den Film „Vorsicht Diebe – so schützen Sie Ihr Weihnachtsgeld!“, in welchem vor Taschendieben gewarnt wird. Gezeigt werden „Originalaufnahmen echter Taschendiebstähle, die von Überwachungskameras gefilmt wurden“. Die Täter sind „eine Asiatin …., ein Schwarzer“ und „eine dunkelhäutige Frau mit einem Handlanger“.

Über diese Diskriminierung der Taşendiebe beschwerte sich nicht nur Hakan Taş, „innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus“, sondern auch „Canan Bayram, Sprecherin für Integration, Migration und Flüchtlinge der Berliner Grünenfraktion“ sowie „Aziz Bozkurt, Berliner Landesvorsitzender der AG Migration und Vielfalt in der SPD“.

Der Berliner Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) kündigte daraufhin an, daß der Film mit den originalen „Überwachungsbildern von dunkelhäutigen Taschendieben“ nicht mehr gezeigt werde. „Stattdessen wird ein neuer Film produziert. Darin werden die Täter von Polizisten gespielt, die keinen Migrationshintergrund haben – und außerdem die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.

Damit werde den potentiellen Opfern vermittelt, vor welchem Typus Mensch man sich vorzusehen habe, wenn man Kleinkriminellen aus dem Weg gehen möchte. Aus diesem Grund sollen die schauspielernden Polizisten während der Dreharbeiten auch ihre Polizeiuniformen anbehalten.

Emanzipation

Emanzipation

Martin Lichtmesz sezierte Theodor W. Adornos Schrift „Minima Moralia“ aus dem Jahr 1951 und stieß auf politisch unkorrekte Ansichten. So wird die Unterwerfung des Anderen (bzw. des Eigenen) unter das herrschende Idealbild des Menschen von Adorno als Diskriminierung geortet:

Attestiert man dem Neger, er sei genau wie der Weiße, während er es doch nicht ist, so tut man ihm insgeheim schon wieder Unrecht an. Man demütigt ihn freundschaftlich durch einen Maßstab, hinter dem er unter dem Druck der Systeme notwendig zurückbleiben muß, und dem zu genügen überdies ein fragwürdiges Verdienst wäre.

Sechzig Jahre später attestiert man nicht mehr nur, man zementiert mittels Quotenverordnungen, Neusprechregelungen oder Antirassismusdekreten den Duktus der Gleichschaltung (straf-)rechtlich oder gesellschaftlich. Dies betrifft unter anderem auch die sogenannte Frauengleichstellung. Hierzu deklinierten wir vor einem Jahr:

Frauenfeindlich ist, Frauen in ein Männerkorsett zu zwängen, anstatt ihre genuinen Fahigkeiten zu respektieren und zu würdigen. Wer Frauenquoten in Produktionskolonnen fordert, kämpft nicht für die Würde der Frau, sondern macht sich lediglich zum Handlanger der Frauenausbeutung.

Kinderfeindlich ist, Kinder nicht als wertvollstes Pfand für den Bestand einer Gemeinschaft anzusehen, an dem sich das gesamte Wirtschaftsleben auszurichten hat, sondern aus monetärem Kalkül den Import fertiger Arbeitskräfte für den Sklavenmarkt des Kapitalismus zu propagieren.

BRD-Kanzlerin Merkel forderte unlängst erneut die Generalmobilmachung der Frauen für die Wirtschaft, was auf Grund des „demographischen Wandels“ und damit des Fehlens von Arbeitskräften notwendig wäre. Ziel der Kanzlerin ist die kurzfristige Sicherstellung des systemrelevanten Wirtschaftswachstums; daß die Mobilisierung als solche den bevölkerungspolitischen Niedergang allerdings beschleunigen würde, ist für ihre Agenda ohne Belang.

Angeblich soll mittels Gleichstellungen eine durch traditionelle Rollenmuster bedingte Diskriminierung unterbunden werden. Die Beseitigung der Diskriminierung an sich ist aber augenscheinlich nicht das Ziel des Unterfangens, denn genau die aus traditionellen Gefügen herrührenden Sozialisierungen bzw. Forderungen nach deren Erhalt werden mittels aller zur Verfügung stehender Propagandakanäle diskreditiert und diffamiert. Offenbar geht es vielmehr um die Uniformierung der Menschen im Produktions- und Konsumtionszyklus, um deren befriedende Kollektivierung im Menschenzoo und um die bedigungslose Unterwerfung der Masse unter das Diktat der herrschenden Ideologie. Schon Adorno resümierte vor 60 Jahren: „Der melting pot war eine Einrichtung des losgelassenen Industriekapitalismus.“ Solch ein Schmelztiegel könne nicht demokratisch sein.

Menschen mußten sich im Laufe der Geschichte zum Zwecke ihrer Weiterentwicklung von überkommenen Vorstellungen lösen. Gewiefte Verführer predigen daher auch die Emanzipation als Loslösung des Individuums von allen herkömmlichen sozialen Bindungen als Fortschritt; sie predigen sowohl den Individualismus als auch den Kosmopolitismus. Sie werben mit bunter Reklame, deren Strahlkraft nicht zu unterschätzen ist. Damit gelingt ihnen die Machtergreifung über die Psyche, über das Denken und vermeintlich freie Handeln der Menschen.

Emanzipation kann allerdings nicht bedeuten, den Einflüsterungen der Propaganda zu erliegen. Emanzipiert ist heute, wer sich von dieser befreit und jene sozialen Bindungen fördert und erhält, die sich in der Erosion befinden, weil sie aus Machtkalkül und ökonomischem Interesse abgeschafft werden sollen. Die Überwindung der in unsere Köpfe eingepflanzten herrschenden Ideologie ist ein Prozeß, der Mut und Kraft erfordert!

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Jugendslang

Ihr lustigen Hannoveraner, seid ihr alle beisammen?
Aus einem Volkslied der Befreiungskriege

Früher hießen die aus aller Welt importierten Meuchelmörder, Beutelschneider, Frauenschänder und Komaschläger in Polizeiberichten noch Ausländer. Als es jedoch zu den ersten Pogromen kam und eine grassierende Ausländerfeindlichkeit auf eine zu antiquierten Vorurteilen führende falsche Medienarbeit zurückgeführt werden konnte, nannte man sie Südländer. Doch auch diese geografische Zuordnung für alle Täter_innen, welche ihrem Aussehen entsprechend den Ländereien südlich des Einzugsbereiches eines Polizeiberichtes entstammen sollen, wurde als diskriminierend eingestuft.

Offensichtlich glaubt man in der Polizeidirektion Hannover nunmehr eine den Antidiskriminierungsbeschlüssen des Parteirates entsprechende Wortwahl gefunden zu haben. Die Volkspolizisten erzählen ihren Lesern in einer Pressemeldung von zwei Frauenschändern in dieser Art und Weise: „Beide haben einen leicht gebräunten Teint und sprachen deutsch mit ’Jugendslang’.“ Diese beiden sonnenverwöhnten Muchachos sollen sich derart amüsiert haben:

Kurz vor einer Bahnunterführung sah sie zwei Männer auf sich zukommen, die sie aufforderten, stehen zu bleiben. Das Opfer kümmerte sich jedoch nicht weiter darum und bog nach rechts auf einen kleinen, zwischen der Bahnlinie und einer Schule führenden Weg ab. Die 21-Jährige hörte nun Schritte hinter sich und abermals die Aufforderung der Unbekannten, stehen zu bleiben. In Höhe eines Spielplatzes spürte sie plötzlich eine Hand an ihrer Schulter und drehte sich daraufhin um. In diesem Moment drückte einer der beiden Täter die Frau an einen Zaun. Anschließend vergewaltigten beide Männer das Opfer nacheinander und liefen danach in Richtung der Eisenbahnunterführung an der Ebellstraße davon.

Allerdings ist aus aufgeklärter Sicht an diesem Bericht einiges zu bemängeln. So ist der „leicht gebräunte Teint“ zunächst natürlich eine Diskriminierung aller Neger, welche bekanntlich einen stark gebräunten Teint besitzen und sich diesen auch nicht wegwaschen können. Eine Täter_in jedoch an dem Phänotyp festmachen zu wollen, bedient rassistische Stereotype. In der Täterbeschreibung hätte man/frau besser darauf eingehen sollen, aus welchem schwierigen sozialen Umfeld die Vergewalter_innen stammen und daß die gesamte Gesellschaft Schuld an ihrer prekären Lage trägt.

Natürlich ist auch die fehlende Gendersensibilität zu kritisieren. Daß die Täter Männer und das Opfer eine Frau gewesen sein sollen, bedient erstens typische Rollenklischees und mißachtet zweitens alternative Liebesformen wie Homosexualität oder Nekrophilie. Es kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden, daß die Täter_innen ein maskulines Lesbenpärchen waren, das Opfer aber ein geschlechtsumgewandelter Linksextremist, der früher als „Skinhead Horst“ erfolglos eine Familie suchte.

Natürlich ist die Behauptung, daß die Täter_innen „Jugendslang“ sprachen, eine Diskriminierung zunächst aller Jugendlicher und weiterhin aller Sprachbehinderter. Auch, daß die Tat in Hannover stattgefunden haben soll, darf keinerlei Anlaß bieten, die Mensch_innen einer gesamten Region unter Generalverdacht zu stellen. Kurzum: Der Zeugenaufruf ist ein linguistisches Desaster, eine diskriministische Katastrophe, eine rassistisch-genderistische Entgleisung. Korrekt würde er nämlich so lauten:

23.03.2011 | 13:16 Uhr
POL: Zeug_innenaufruf! Unbekannt_innen gesucht

One World (ots) – Zwei Unbekannt_innen haben an einem Tag vermutlich eine Straftat begangen und sind seitdem nicht mehr auffindbar. Die Polizei sucht Zeug_innen.

Bei der vermuteten Straftat dürfte es sich um ein Sexualdelikt handeln, das an jedem beliebigen Ort der Welt stattgefunden haben könnte und die Gesellschaft mahnt, sich um die soziale Lage von Benachteiligten zu kümmern. Die Ermittler_innen suchen nun dringend Zeug_innen, die Angaben zu den Unbekannt_innen machen können. Die Unbekannt_innen sind modisch gekleidet und möglicherweise gleich alt. Sie haben ein angenehmes Äußeres, scheinen einem Solariumbesuch nicht abgeneigt und bemühen sich um eine gute Aussprache. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst Hannover unter der Telefonnummer 0511 109-5555 entgegen.

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Kinderfresser

Denunziert wird in Deutschland gerne, nur die Richtung wechselt alle paar Jahrzehnte.“ [1]
Armin Holle

Sollen nicht von Muslimen erzogen werden: Kinder.

Konsequent werden unter der Führung unserer bewährten Blockwarte volksschädliche Elemente aus der Zivilgesellschaft entfernt. Eine freudige Botschaft erreicht uns aus Lügenburg [2]:

Ihren Glauben lebt sie im Alltag. Bei muslimischen Festen schenkt Burkini T. Kaffee und Kuchen aus. Nebenher führte die fünffache Mutter jahrelang eine kleine muslimische Frauengruppe, half Glaubensgenossinen in Erziehungsfragen. Und doch ist sie als Pädagogin in der Kindertagsstätte Marienplatz im niedersächsischen Lügenburg tätig. Die Leitung ist erschüttert und zieht Konsequenzen: “Sie ist vom Dienst freigestellt“, erklärt keine zwei Stunden nach der Nachfrage unserer engagierten Tageszeitung Daniel Blechmüller, Pressereferent der Stadt.

Seit dem 1. August ist T. in der städtischen Tagesstätte angestellt. Zuvor war sie bereits bei einer anderen Kindertagesstätte der Stadt beschäftigt. „Von ihrem Glauben wußten wir nichts”, sagt die Leiterin der Tagesstätte Marienplatz, die am Telefon hörbar bewegt ist. Kennt sie T. doch schon aus der Ausbildungszeit. „Nichts ist mir aufgefallen“, sagt sie. „Ganz liebevoll geht sie mit den Kindern um.“

Dabei ist dies besonders gepfärrlich. Schließlich stammt sie aus einem religiösen Familienverband in Niedersachsen. Ihr Vater sprach im Hinblick auf die zahlreichen Geschwister Burkinis von seinem „eigenen Familienclan“. Schwestern und Schwägerinnen sind Lehrerinnen. Auch in einer Nachbarstadt mußte sich der Sportverein schon gegen das ehrenamtliche Engagement T.s und weiterer Muslime wehren – aus Sorge vor einer Unterwanderung. An der Grundschule wurde Burkini T. dennoch in die Elternvertretung gewählt.

Nach 13 Jahren sei sie aus dem Mutterschutz ins Berufsleben zurückgekehrt, sagt der Lügenburger Stadt-Pressereferent Blechmüller. Einzelne Vorwürfe hätte sie im Gespräch abgestritten. „Wir überprüfen das aber alles jetzt sehr genau“, sagt er. „Wir wollen keine Muslime Kinder erziehen lassen.“ Die bildungspolitische Sprecherin der Faschistenfraktion, Christa Armfeldt, betont: „Die Träger von Kindertagesstätten und Schulen sind in den konkreten Fällen gefordert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit diese Personen nicht mehr für die Erziehung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen zuständig sind.“

Nun mögen viele Einwände gegen Denunziation und Entlassung eines „kleinen Lichtes“ kommen, doch lassen wir die Kommentatoren der Zeitung sprechen, um die Bedeutung zivilcouragierter Berufsverbote darzulegen (Rechtschreibung weitgehend korrigiert). So stellt bla fest:

Einige hier insistieren darauf, die Muslima habe ja „nichts getan“. Eine absurde Sichtweise, wenn man sich vergegenwärtigt, daß sie einen Teil ihrer Zeit dazu aufbringt, Strukturen mitzugestalten, die für den Tod von einer sechsstelligen Zahl von Menschen allein im Sudan verantwortlich sind. Selbst wenn sie also ihren Glauben aus ihrer Erwerbsarbeit hinaushält (was zumindest äußerst fragwürdig sein dürfte) ist es ja wohl unhaltbar, daß sie morgens manche Kinder betreut, deren Eltern (sollten sie Christen, Juden, Buddhisten etc. sein) nachmittags mit ihrer – zumindest ideellen – Unterstützung durch ihre Glaubensgenossen terrorisiert werden.

Die siamesischen Zwillinge Anna & Arthur verfassen ihren Leserbrief gemeinsam:

Es ist jedem anständigen Menschen klar, daß der Islam ein Verbrechen ist, und daß jemand, der sich wissentlich und freiwillig auf die Seite der Verbrecher begibt, sich das Recht erwirbt, wie ein solcher behandelt zu werden. Das fängt nicht nur dabei an, dem Arbeitgeber freundliche Hinweise darauf zu geben, wen er da beschäftigt (man kann Andrea Röpke nicht dankbar genug für ihre mutige Aufklärungsarbeit sein!), sondern muß sich in alle Rückzugsräume der Muslime erstrecken. Es muß mehr solche Menschen geben, es müssen auch Vermieter informiert werden, Nachbarn, der Kneipenwirt, die Eltern der Klassenkameraden – damit die Muslime keine Räume für die Verbreitung ihres menschenverachtenden Glaubens finden. Den Menschen in der Umgebung der Muslime muß klar sein, daß sich jeder, der sich mit ihnen einläßt, mitschuldig macht!

Frau petula ist entsetzt, schockiert und betroffen über die vielen muslimfreundlichen Kommentare:

Um ehrlich zu sein, bin ich geschockt von der Mehrzahl der obigen Kommentare. … Es ist doch jedem klar, dass man Musels rauskegeln sollte, wo man nur kann. Das wäre doch nun das falsche Signal an Ali und Konsorten, den Eindruck zu erwecken, als würde man sie mit ihrem Glauben in der Mitte der Gesellschaft dulden und ihnen auch noch erzieherische Funktionen geben. Schon der Satz, die Betroffene sei liebevoll mit den Kindern umgegangen, ist doch eine Provokation. Null Toleranz für Muslime!!!! Und vielleicht sollten die Leute, die hier auf das Grundgesetz pochen, mal in ihrer Nachbarschaft gucken, was an muslimischen Aktionen los ist. Und sich fragen, was sie konkret dagegen tun wollen, statt hier einen auf liberal zu machen.

Lüne und Stefan argumentieren:

Ist doch prima, Muselmanen im Kindergarten sind wirklich das Letzte, was wir brauchen. Gut gemacht! Demokratie muß sich eben auch manchmal zur Wehr setzen!

Daß Muslime immer stärker versuchen, in Kindergärten, Sportvereinen usw. Einfluß auf Jugendliche auszuüben, ist leider eine Tatsache. Daß die Frau nicht als Erzieherin arbeiten darf, ist eigentlich selbstverständlich. Danke der Taz für den Bericht und die Recherche.

Und wenn josse unter Allahs Tränen heult …:

Ich hoffe, die beiden Autoren und die Redaktion sind sich darüber im Klaren, dass sie hier eine Frau einschließlich ihrer “Sippe”, mit Namen und Anschrift (2 Klicks bei google genügen) an den INTERNET-PRANGER stellen. … Die taz verwendet dieses fragwürdige Pressionsmittel aber schon gegenüber Menschen, die keinerlei Straftat begangen haben, die lediglich ihre Meinung offensiv vertreten und gesellschaftlich aktiv leben. Die Autoren – wie die taz insgesamt – sollten einmal über ihr Bild von Freiheit nachdenken. Ist der PRANGER die Freiheit, die Sie meinen?!

… so bleibt für die von Berufsverbot und Diskriminierung betroffene Frau immer noch die trostreiche Möglichkeit, sich zukünftig beim Familienministerium für eine offene Stelle anonym zu bewerben.

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