Forsa-Umfragen

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Die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, kurz Forsa, ist – neben der Forschungsgruppe Wahlen, Emnid, Allensbach, infratest dimap und INSA / YouGov – eines der führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute Deutschlands“, so beginnt Wikipedia den Eintrag über das Umfrageunternehmen. Dieses geriet in der Vergangenheit wegen mysteriös abweichender Prognosen zur SPD in die Kritik; man warf dem Unternehmen politisch ambitionierte Manipulationen vor.

Seit einem Jahr jedoch hat sich Institutschef Manfred Güllner, selbst SPD-Mitglied, auf die AfD eingeschossen und wird seitdem im Internet wegen realitätsferner Wahlprognosen mit Spott und Häme übergossen. Das hat seine Gründe: Am 28.11.2015 antwortete er in einem Interview auf die Frage, wie wahrscheinlich es ist, daß die AfD den Sprung in die 2016 zu wählenden Landesparlamente schafft: „Es ist durchaus möglich, dass die AfD in Baden-Württemberg über fünf Prozent kommt. In Rheinland-Pfalz dürfte das schwieriger werden.

Knapp daneben ist auch vorbei: In Baden-Württemberg erhielt die AfD 15,1 Prozent, in Rheinland-Pfalz 12,6 Prozent. Die junge Partei war damit als dritt- resp. viertstärkste Partei sicher in beiden Landtagen. Das dürfte SPD-Güllner auch aus politischen Gründen verärgert haben, ätzte er doch am 02.01.2016 in einem weiteren Interview, AfD-Wähler seien „keine normalen Menschen“, sondern Anti-Demokraten, es handele sich um einen „braunen Bodensatz“, diese Gruppe müsse man „in die rechte Ecke stellen und ächten“.

Einen Monat später, am 03.02.2016, sah er die AfD auch zukünftig unter 10 Prozent: „Wir haben in Deutschland … einen Anteil Fremdenfeindlicher, der bei einem Zehntel aller Wahlberechtigten liegt. Die AfD wird dieses Potential nie ganz ausschöpfen, insofern hat sie ihre Schallmauer erreicht. Viel mehr ist nicht drin.“ Eine Festlegung, welche das ehemalige Forschungsinstitut seitdem strikt befolgt: Im Gegensatz zu den Prognosen renommierter Umfrageinstitute kommt die AfD bei den Forsa-Prognosen bundesweit kaum über die Zehnprozentmarke.

Wiederum einen Monat später, am 09.03.2016, orakelte das Umfrageinstitut kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt der AfD 18 Prozent. Tatsächlich erhielt diese drei Tage später 24,3 Prozent, eine stolze Abweichung von 35 Prozent. Seine SPD vermutete Güllner übrigens bei 17 Prozent – sie wurde aber lediglich von 10,6 Prozent der Wähler für gut befunden, eine Abweichung von sagenhaften 38 Prozent, diesmal in die andere Richtung.

Selbst der Staatsfunk warnte bereits 2013 in seinem ARD-Hauptstadtstudio: „Umfragen von Forsa sind mit äußerster Vorsicht zu genießen.

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Künast twittert

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Reutlingen

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Entsetzen lähmt das Land. Tränen fließen, kullern die Wangen hinab und benetzen die bebende Brust. Fassungslos schauen wir auf diese widerwärtige Tat. Wie oft soll sich das noch wiederholen? Wann werden die Verantwortlichen endlich zur Rechenschaft gezogen? Wie lange wollen wir es noch zulassen, daß diese rechtspopulistische AfD immer wieder derart abscheuliche Meldungen absetzt, um politisches Kapital zu schlagen? Und auch diesmal wieder, nur weil ein traumatisierter Flüchtling einen Hilferuf an die rassistische Mehrheitsgesellschaft sendete. Wie lange noch, o verehrte Twittergemeinde, wollt ihr diesen Hatespeech unwidersprochen dulden?

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Rasant

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Zeitungssterben und soziale Netzwerke:

Printmedien verlieren zunehmend Leser, gleichzeitig informieren sich immer mehr Menschen über soziale Netzwerke – 2015 sollen es 31 Prozent der Bevölkerung gewesen sein, ein Zuwachs von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. … Das Tempo ist rasant: Gegenüber dem Vorjahr gaben von den Befragten nur noch 29 Prozent an, Zeitungen zu lesen – das sind neun Prozentpunkte weniger.

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Sprachverrohung

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Nach der Kölner Silvesterparty mit über 1000 Sexismus-Opfern und den gewalttätigen Ausschreitungen in der Berliner Rigaer Straße 94 mit 123 verletzten Polizisten hat das Bundeskriminalamt nun endlich mit voller Härte durchgegriffen und 60 Hausdurchsuchungen bei Personen durchgeführt, die „im Zeitraum zwischen Juli und November 2015“ in „einer geheimen, also nichtöffentlichen Facebook-Gruppe“ Haßkommentare abgegeben hatten. BKA-Präsident Holger Münch betonte nach diesem großangelegten Einsatz in 14 Bundesländern, man müsse „einer Verrohung der Sprache Einhalt gebieten“.

Die rechtsmotivierten Haßkommentare sind im letzten Jahr stark angestiegen. Gab es im Jahr 2014 noch 160.000 Gewalttaten durch „nichtdeutsche Tatverdächtige“ und nur 945 größtenteils fremden- und politikerfeindlich konnotierte Haßpostings im Internet, so verdreifachten sich die Haßtiraden im Jahr 2015. Im letzten Jahr erfolgte also nach bereits etwa 50 Gewalttaten durch Ausländer ein vor Haß und Hetze triefender rechtsmotivierter Internetkommentar. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung!

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Xenophobe Gesellschaft

Daß das Internet böse ist, das ist eine Binsenweisheit der Meinungsmonopolisten: Überall breiten sich darin Informationen aus, die mit den offiziell verlautbarten Meinungen nicht konform sind. So beklagt ein Schreiber des E-Mail-Portals GMX: „Gewalt gegen Flüchtlinge: Im Internet sucht man die Täter und findet die Opfer“.

Der Skribent Michael Wollny stellt empört fest, daß – obwohl es einen alarmierenden Bericht des BKA zu „Gewalt gegen Flüchtlinge“ gäbe – die Suchmaschine Google in ihrer Eingabemaske bei dem Begriff „Gewalt“ immer noch „von Flüchtlingen“, „durch Flüchtlinge“, „von Asylanten“ und „durch Ausländer“ vorschlagen würde, bis endlich „gegen Flüchtlinge“ aufgelistet wird. Da Google aus der Häufigkeit der Suchanfragen generiert, habe das „den Anschein, als demaskierten diese Suchbegriffe das andere Gesicht eines weltoffenen Deutschlands, die Fratze einer erschreckend xenophoben Gesellschaft.

Dabei wisse, „wer sich täglich bildet und auf dem Laufenden hält“ durch die gleichgeschaltete Wahrheitspresse, daß sich die „Gewalt gegen Schutzsuchende“ (damit meint er Asylanten) „in Deutschland nahezu vervierfacht“ habe, und zwar von 28 registrierten Vorfällen im gesamten Jahr 2014 auf spektakuläre 104 im laufenden Jahr 2015. „Googeln muss man das eigentlich nicht.“ (Natürlich nicht, gerade deswegen wird Google auch nicht nach solchen Informationen abgefragt.) Demgegenüber gab es im Jahr 2014 lediglich etwa 60.000 schwere Gewalttaten durch „Nichtdeutsche“, also Ein- und Durchwanderer ohne BRD-Personalausweis.

Auf 2000 nichtfremdenfeindliche Gewalttaten durch Nichtdeutsche kam im Jahr 2014 eine fremdenfeindliche Gewalttat*. Für 2015 liegt das Verhältnis bei etwa 500:1, gemäß Wollny ein eindeutiger Beweis für eine „xenophobe Gesellschaft“. „In der digitalen Welt werden Opfer zu Tätern gemacht“, schlußfolgert der GMX-Meldungenverfasser, der in der Grundschule das Fach Mathematik abwählen durfte. Die Wortkombinationen in der Google-Eingabemaske „spiegeln die krampfhafte Suche nach Argumenten für eine Täter-Opfer-Verkehrung. Das ist beängstigend.“ Beängstigend ist eher die dümmliche Chuzpe von Hanswürsten, welche bei GMX publizieren dürfen.

Dort werden weitere Kausalitäten gesponnen: „Gewalttaten von und durch Flüchtlinge? Wer dazu im Internet eine Bestätigung sucht, kann sie im wahren Leben wohl einfach nicht finden.“ Denn „Gewalt durch Flüchtlinge bietet anhand von Tatsachen und Fakten schließlich keinen Grund zur Sorge – die Fakten und Tatsachen des BKA hingegen schon.

Aber auch beim BKA ist, wer lesen kann, klar im Vorteil: Dieses selbst hat die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik für 2014 veröffentlicht und läßt (noch), zumindest versteckt, die Option offen, Gewalt durch „Nichtdeutsche“ relativ treffgenau abschätzen zu können.

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* Weitere Fakten:

Deliktquote 6.000 zu 1: Es ist nicht ersichtlich, ob bei den 28 Fällen der „Politisch motivierten Kriminalität – Rechts“ (PMK-R) mit fremdenfeindlichem Hintergrund 2014 (bei denen es übrigens 21 Opfer, aber kein Todesopfer und keinen einzigen Haftbefehl gab) auch die „leichte Körperverletzung“ mitgezählt wurde. Falls ja, dann steht die Quote sogar bei 6000:1. Das heißt: Auf 6.000 Gewalttaten und Übergriffe durch Nichtdeutsche (Fremde) im Jahr 2014 folgte eine fremdenfeindliche Gewalttat.

0,023 Promille Opfer der Fremdenfeindlichkeit: Für das Jahr 2014 wurden bundesweit insgesamt 883.973 Opfer von Gewalt- und Sexualdelikten gezählt, demnach sind 0,0023 Prozent (sind gleich 0,023 Promille) aller Opfer einer fremdenfeindlichen Attacke anheim gefallen.

Opferquote 12.000 zu 1: Unter der Annahme, daß 30 % aller Gewalttäter „Nichtdeutsche“ sind, stand im Jahr 2014 über 12.000 Opfern durch nichtdeutsche Fremde ein einziges Opfer durch Fremdenfeinde gegenüber.

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Nazis im Netz

Internet entdecken

Vor fast genau einem Jahr, im letzten Sommerloch, berichteten wir in unserem Beitrag „Internet entdeckt!“, daß gemäß einer Alarmmeldung des schutzgeldfinanzierten Deutschlandradios Rechtsextremisten das Internet entdeckt hätten, 24 Jahre nach dessen Erfindung.

Mittlerweile sind 25 Jahre ins Land gegangen, und auch die besonders ewiggestrigen Neonazis aus Frankfurt/Main, welche bislang immer in verrauchten Hinterzimmern bluttriefende Baseballkeulen schwangen, häßliche Stammtischparolen grölten und Hetzplakate mit Schreibmaschinen erstellten, haben laut der inhaltlich und ökonomisch insolventen Frankfurter Rundschau nun endlich das Internet entdeckt.

Kaum sind sie drinnen, schon „werden Jugendliche geködert mit modernen, poppigen, fetzigen Kampagnen bei Facebook, You-Tube und Co.“ Aber auch der „blanke Hass“ käme nicht zu kurz, „professionell gelayoutet, jugendlich aufbereitet und hip präsentiert“.

Und wenn der Alarmismus nicht gestorben ist und die Frankfurter Rundschau ihr unsägliches Siechendasein weiterfristet, anstatt endlich den Sargdeckel zuzumachen, werden wir wohl auch in den nächsten Sommerlöchern an ihrem Qualitätsjournalismus partizipieren dürfen.

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