Hetze

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Internet-Stasi

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Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin war es Kay Nerstheimer, der mit 26 % das erste Mandat für die AfD in einem Wahlkreis des Bezirks Lichtenberg gewann. Und sogleich durchleuchtete die Internet-Stasi sein Fakebook-Profil nach diskreditierendem Material.

Um über „die fragwürdigen Vorlieben von Kay Nerstheimer“ zu schlagzeilen, wurden vor allem „die von ihm in den letzten Jahren gelikten Fotos“ durchforstet. Das Bums- und Busenmagazin STERN fand wohl auch eine Menge obszöner Dinge, die der AfD-Wahlsieger vom heimischen PC im vermeintlichen Schutze gefühlter Privatheit irgendwann einmal mit „Gefällt mir!“ bewertet hatte: „Sieht man sich seine Facebook-Vorlieben an, stößt man vor allem auf große Brüste, Soldaten und einen höchst bedenklichen Like. … Unter Nerstheimers Likes befinden sich jede Menge Postings von Panzern, Soldaten und halbnackten Frauen“. Das Boulevardblatt, das zum Beweis einige Fakebook-Screenshots dieser halbnackten Frauen mit großen Brüsten gleich mitliefert, konnte unter den Likes sogar „ein Bild entdecken, das den ehemaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker, beim Handschlag mit Soldaten offenbar der Nationalen Volksarmee (NVA) zeigt“.

Das alles ist tatsächlich empörend. Um nacktes Frauenfleisch zu sehen, hätte dieser Nerstheimer auch den STERN abonnieren können. Diese frivol bedruckte Gazette hat es im Konkurrenzkampf mit der Bilderwelt des Internets schließlich auch nicht einfach:

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Propagandaschlacht

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Das Besondere an AfD-Wählern wären laut dem „Experten“ Erik Flügge deren „sehr seltsame“ Quellen aus dem Internet, die ihre Meinung verwirren. Die Partei selbst versuche „mit dem Lügenpressen-Vorwurf“ ihre Anhänger „von seriösen Informationsquellen abzuschneiden“. Welche wiederum fast durchweg AfD-Bashing betreiben.

Vor dem Internetzeitalter gab es in der Gesamtgesellschaft nur eine medial vermittelte Faktenlage: „Die Leute haben in der Zeitung, im Fernsehen und im Radio mitbekommen, was passiert. Und dann gab es im nächsten Schritt unterschiedliche Interpretationen und Bewertungen dieses Geschehens, und die konnten durchaus weit auseinandergehen.

Die Leute hatten in der Zeitung, im Fernsehen und im Radio allerdings nicht immer mitbekommen, ob und was Wichtiges in der Realität passiert: Die Kölner Sexpogrome durch Asylanten und Migranten bspw. wurden durch die gesamte Wahrheitspresse verschwiegen, bis das Thema im Internet überkochte. Tendenziöse Berichterstattungen mit Freund-Feind-Schemata steigerten sich in den letzten Jahrzehnten, es wurde stigmatisiert und diskreditiert, wer nach Ansicht der herrschenden Klasse weggebissen werden sollte. Nachrichten wurden verschwiegen, andere aufgebauscht oder gleich inszeniert (Mittweida-Rebecca, Sebnitz-Abdullah, usw.).

Aber früher wäre alles besser gewesen, es gab nur „seriöse“ Quellen, eben die Presseagenturen, den Staatsfunk und die Wahrheitspresse – was für debile Meinungsempfänger völlig ausreichend gewesen sei:

Ich glaube, dass genau dieses Problem, dass Menschen Quellen noch nie oder vielleicht auch heute weniger als früher, aber ich glaube, im Kern noch nie so richtig kritisieren konnten in der Masse, nicht wussten, was ist seriös und was nicht. Aber es gab eben fast nur seriöse Quellen. … Es muss einen Unterschied machen, ob ich „Russia Today“ konsumiere oder die „Süddeutsche Zeitung“ lese. Dass ich verstehe, welche Agenda hinter welchem Medium steht, und dass ich der „Süddeutschen Zeitung“ mehr glauben kann.

Daß die Vorherrschaft des Meinungsmacherkartells aufgebrochen wurde, ist sicherlich einer der Vorteile des Internets. Jeder kann zum Beispiel die Einstufung der „Identitären Bewegung“ durch parteinahe Behörden als „verfassungsfeindlich“ mit deren eigenen Äußerungen und Auftritten hautnah abgleichen und seine Schlußfolgerungen ziehen. Jeder kann nach einem ätzenden Medienbericht über eine Gruppe oder eine Person deren Internetauftritt besuchen und ihre Meinung dazu hören. Derartiges bricht zweifelsohne das Wirklichkeitsdeutungsmonopol der Machthaber und ihrer Propagandaorgane, gerade und insbesondere bei politisch interessierten und kritikfähigen Schichten.

„Experte“ Flügge empfiehlt daher einen Vorstoß auf mehreren Ebenen. Zunächst will er den Printjournalismus auf lokaler Ebene stärken, um seiner Meinung nach „bessere, seriöse Quellen“ anzubieten. Wie das gehen soll, angesichts strudelartig sinkender Absatzzahlen selbst der überregionalen etablierten Printmedien und immer prekäreren Beschäftigungsverhältnissen ihrer Skribenten, bleibt offen. Naheliegend wäre eine Zwangsabgabe wie beim „öffentlich-rechtlichen“ Staatsfunk und die Grundversorgung mit regierungsnaher Printpropaganda frei Haus.

Flügge fordert aber auch „mehr Websites, Blogs und Videos, die einfach und zum Teil auch polemisch“ Altparteienpropaganda betreiben. So solle der bestehenden „Propagandaschlacht der AfD“ (Vorsicht: Verschwörungstheorie) mit einer eigenen Propagandaschlacht begegnet werden können. Bürgerkriegsvokabular par excellence.

Zudem meint Flügge, bei „politischer Bildung“ nicht mehr nur auf das objektive Vermitteln der politischen Strukturen zu setzen, sondern auch auf „Medienkompetenz und Quellenkritik“. Heißt also: die Befähigung der Meinungskonsumenten zu schulen, in unseriöse Quellen (obrigkeitskritisch) und seriöse Quellen (etabliertes Nachrichtenkartell) differenzieren zu können. Doch derartige mehr oder minder klägliche Versuche gibt es bereits zuhauf, so versuchte bspw. die intellektuell insolvente Frankfurter Rundschau einen Beitrag des Nischenblogs eulenfurz zu zerreißen, wurde dabei aber sogleich einer Falschbehauptung überführt.

Und drittens will der „Experte“ juristische Möglichkeiten schaffen, viel leichter gegen sogenannte „Falschmeldungen“ vorgehen zu können. Darauf dürften sich die Hakenkreuz-Rebeccas, Geheimdienst-Terroristen, Hitler-Tagebüchschreiber, Potsdam-Ermyas, Irak-Massenvernichtungspropheten, von-Pegida-Ermordeten, Ku-Klux-Klan-Imitatoren, Freibad-Abdullahs und Mannichl-Zersäbler besonders freuen.

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Forsa-Umfragen

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Die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, kurz Forsa, ist – neben der Forschungsgruppe Wahlen, Emnid, Allensbach, infratest dimap und INSA / YouGov – eines der führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute Deutschlands“, so beginnt Wikipedia den Eintrag über das Umfrageunternehmen. Dieses geriet in der Vergangenheit wegen mysteriös abweichender Prognosen zur SPD in die Kritik; man warf dem Unternehmen politisch ambitionierte Manipulationen vor.

Seit einem Jahr jedoch hat sich Institutschef Manfred Güllner, selbst SPD-Mitglied, auf die AfD eingeschossen und wird seitdem im Internet wegen realitätsferner Wahlprognosen mit Spott und Häme übergossen. Das hat seine Gründe: Am 28.11.2015 antwortete er in einem Interview auf die Frage, wie wahrscheinlich es ist, daß die AfD den Sprung in die 2016 zu wählenden Landesparlamente schafft: „Es ist durchaus möglich, dass die AfD in Baden-Württemberg über fünf Prozent kommt. In Rheinland-Pfalz dürfte das schwieriger werden.

Knapp daneben ist auch vorbei: In Baden-Württemberg erhielt die AfD 15,1 Prozent, in Rheinland-Pfalz 12,6 Prozent. Die junge Partei war damit als dritt- resp. viertstärkste Partei sicher in beiden Landtagen. Das dürfte SPD-Güllner auch aus politischen Gründen verärgert haben, ätzte er doch am 02.01.2016 in einem weiteren Interview, AfD-Wähler seien „keine normalen Menschen“, sondern Anti-Demokraten, es handele sich um einen „braunen Bodensatz“, diese Gruppe müsse man „in die rechte Ecke stellen und ächten“.

Einen Monat später, am 03.02.2016, sah er die AfD auch zukünftig unter 10 Prozent: „Wir haben in Deutschland … einen Anteil Fremdenfeindlicher, der bei einem Zehntel aller Wahlberechtigten liegt. Die AfD wird dieses Potential nie ganz ausschöpfen, insofern hat sie ihre Schallmauer erreicht. Viel mehr ist nicht drin.“ Eine Festlegung, welche das ehemalige Forschungsinstitut seitdem strikt befolgt: Im Gegensatz zu den Prognosen renommierter Umfrageinstitute kommt die AfD bei den Forsa-Prognosen bundesweit kaum über die Zehnprozentmarke.

Wiederum einen Monat später, am 09.03.2016, orakelte das Umfrageinstitut kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt der AfD 18 Prozent. Tatsächlich erhielt diese drei Tage später 24,3 Prozent, eine stolze Abweichung von 35 Prozent. Seine SPD vermutete Güllner übrigens bei 17 Prozent – sie wurde aber lediglich von 10,6 Prozent der Wähler für gut befunden, eine Abweichung von sagenhaften 38 Prozent, diesmal in die andere Richtung.

Selbst der Staatsfunk warnte bereits 2013 in seinem ARD-Hauptstadtstudio: „Umfragen von Forsa sind mit äußerster Vorsicht zu genießen.

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Künast twittert

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Reutlingen

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Entsetzen lähmt das Land. Tränen fließen, kullern die Wangen hinab und benetzen die bebende Brust. Fassungslos schauen wir auf diese widerwärtige Tat. Wie oft soll sich das noch wiederholen? Wann werden die Verantwortlichen endlich zur Rechenschaft gezogen? Wie lange wollen wir es noch zulassen, daß diese rechtspopulistische AfD immer wieder derart abscheuliche Meldungen absetzt, um politisches Kapital zu schlagen? Und auch diesmal wieder, nur weil ein traumatisierter Flüchtling einen Hilferuf an die rassistische Mehrheitsgesellschaft sendete. Wie lange noch, o verehrte Twittergemeinde, wollt ihr diesen Hatespeech unwidersprochen dulden?

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Rasant

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Zeitungssterben und soziale Netzwerke:

Printmedien verlieren zunehmend Leser, gleichzeitig informieren sich immer mehr Menschen über soziale Netzwerke – 2015 sollen es 31 Prozent der Bevölkerung gewesen sein, ein Zuwachs von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. … Das Tempo ist rasant: Gegenüber dem Vorjahr gaben von den Befragten nur noch 29 Prozent an, Zeitungen zu lesen – das sind neun Prozentpunkte weniger.

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