Reinoldikirche

Sie sind laut Verfassungsschutzbericht üble Rechtsextremisten und Neonazis und machen ganz fürchterliche Sachen: Die Rechte. Am Freitag Abend stürmten sie nach Bezahlung des Eintrittsgeldes von zwei Euro pro Nase den Turm der Dortmunder Reinoldikirche, hißten ein Banner mit der Aufschrift „Islamisierung stoppen“, zündeten Feuerwerkskörper und warfen megafonverstärkte Parolen von oben herab auf die überraschten Weihnachtsmarktbesucher.

Soweit so böse. Einen Film der Aktion stellten die Faschos ins Internet; die qualitätsjournalistische Nachbereitung waberte empörend durch die Wahrheitspresse. So schreibt das Qualitätsjournal Der Spiegel: „Mit Unterstützung der Feuerwehr musste die historische Tür am Turm mit schwerem Gerät zerstört werden, damit die Extremisten von der Plattform geholt werden konnten.“ Schließlich waren es diesmal nicht illegale Scheinasylanten, welche wegen drohender Abschiebung eine Kirche besetzten, sondern reguläre Bundesbürger.

Die Zerstörung der historischen Tür aber ist offenbar eine Fake-News. „Das war keine historische Tür, wie oft geschrieben wurde, sondern eine ganz normale Holztür“, sagt zumindest die zuständige Pfarrerin Susanne Karmeier.

Doch keine gute Story ohne Helden und Männermut vor Königsthronen. Der Spiegel meint weiter: „Um die skandierten Parolen der Rechtsradikalen zu übertönen, läuteten die Hausherren die Glocken der Reinoldikirche. Dagegen kamen die Rufe der Rechtsextremen nicht an.

Es fällt auf, daß das Qualitätsblatt die gendergerechte Sprache mißachtet: „Hausherren“ – wo bleiben da die Hausfrauen oder wenigstens die Hausherr*innen? Tatsächlich war es die 47-jährige Pfarrerin Karmeier, die als Hausfrau „einfach die Glocken eingeschaltet hatte“ und damit den Neonazis noch mehr Aufmerksamkeit bescherte. Da der einstündige Radau aber „nicht der Läuteordnung entsprach“, erwartet die Pfarrerin nun eine saftige Strafe.

supergegen-Reaktion.jpg

Die Besetzer hatten sich Hakenkreuze auf die Stirn gemalt“, sebnitzt das etablierte Qualitätsjournal weiter. Auf dem Bekennervideo (siehe oben ab Minute 4:34) sind die Stirn-Hakenkreuze jedoch nur dann zu erkennen, wenn man in der Wahrnehmungsblase des deutschen Qualitätsjournalismus sitzt, auf Recherche verzichtet und Fake-News produziert. Die Skinheads selbst schreiben dazu auf ihrer Seite DortmundEcho:

Das Gerücht entstand … durch linke Twitter-Nutzer, die über Flugblattverteiler am Boden berichteten, die auf ihren Mützen das Logo der griechischen Partei „Golden Dawn“ trugen, das zwar nicht wirklich an ein Hakenkreuz erinnert, von sachunkundigen Personen … aus der Entfernung aber scheinbar dafür gehalten wird. Aus den Flugblattverteilern wurden … die Besetzer und aus Mützen später aufgemalte Hakenkreuze.

Auch der Superintendent der Stadtkirche, Ulf Schlüter, verurteilte die Aktion mit scharfen Worten: „Hier ist kein Platz für Rassismus.“ Laut Schlüter setzt die evangelische Kirchenarbeit in Dortmund seit Jahren ein klares Zeichen gegen rechts und werde das auch weiterhin tun. Allerdings sollte der Christenhirte bei Gelegenheit darüber aufgeklärt werden, daß der Islam gar keine Rasse ist.

Der Dortmunder Sonderbeauftragte für Toleranz und Demokratie, Hartmut Anders-Hoepgen, witterte sogleich Morgenluft und forderte deutlich mehr Bundesmittel für das Neonazi-Aussteigerprogramm „Comeback“. Das Geld der Stadt, die jährlich 50.000 Euro bereitstellt, reiche nicht mehr aus.

Einen Tag nach der Aktion bewiesen mehrere tausend Orientalen bei einer Demonstration in der Dortmunder Innenstadt unter Predigten auf arabisch und „Allahu akhbar“-Gebrüll, daß die angebliche Islamisierung lediglich ein dumpfes Hirngespinst randständiger Extremisten ist.

Filme oben und unten: Zur Dokumentation ohne Parteinahme für Die Rechte oder Die Islamisten.

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4 Antworten

  1. Der Veranstalter des Dortmunder Islamistenaufzuges hieß Milli Görüs. Diese Gruppierung „wurde in den vergangenen Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Seit 2015 scheint sich die Sicht des Verfassungsschutzes auf die Gemeinschaft zu ändern. … Inzwischen haben fünf Bundesländer im Westen die Beobachtung eingestellt. Neben den Stadtstaaten Hamburg und Bremen gehören dazu auch Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und das Saarland.

    • Die BZ schreibt dazu am 10. Mai 2013:

      „Bei einer Koranlesung der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs saß der Grüne Özcan Mutlu vorn. B.Z. fragte nach.

      Sie gilt als antidemokratisch und judenfeindlich, wird vom Verfassungsschutz beobachtet: die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Doch das sehen manche Berliner Politiker nicht so eng…

      Ende April organisierte Milli Görüs (rund 30.000 Mitglieder in Deutschland) eine Koranlesung im Tempodrom. Über 3000 Menschen folgten der Einladung. Unter ihnen auch Özcan Mutlu (45), bildungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion…“

      http://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/was-tut-mutlu-in-dieser-dubiosen-gemeinschaft

      Zwo Jahre später sind sie plötzlich völlig harmlos:

      „Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen stellte auf Nachfrage sogar in Aussicht, dass die IGMG nach Jahren aus der Beobachtung durch seine Behörde herausfallen könnte: „Wir nehmen den Wandel bei einigen Organisationen des legalistischen Islamismus wahr“, sagte Maaßen.“

      http://www.tagesspiegel.de/politik/verfassungsschutz-milli-goerues-koennte-aus-der-beobachtung-herausfallen/11990882.html

      Entweder wird da eine Oppositionspartei gegen Erdogan gepuscht oder Milli Görüs agiert im Sinne Erdogans und wir haben Order bekommen sie gewähren zu lassen und sie aus dem VS-Bericht zu streichen. Aber vermutlich wird es wohl daran liegen, daß die Bundesländer in denen Milli Görus nicht überwacht wird, von der SPD regiert werden. Und die brauchen Wähler, notfalls schariatreue Judenfeinde. Zum Ausgleich bestrafen die SPD Leute israel- und geschichtskritische Deutsche um so härter.

    • passt auch zu dieser pro-Aleppo-Demo:

      Der russische Botschafter in der türkischen Hauptstadt Ankara, Andrej Karlow, ist am Montagabend bei einem bewaffneten Angriff erschossen worden. Karlow sei bei einer Kunstausstellung von einem türkischen Polizisten attackiert worden, berichteten die türkischen Fernsehsender NTV und CNN-Türk. Laut einem Augenzeugen habe der Angreifer „Rache für Aleppo“ gefordert und „Allahu Akbar“ sowie „Wir sind diejenigen, die dem Propheten Mohammed Treue und dem Dschihad Treue schwören“ gerufen.

  2. Zu Filmbeginn heißt es anklägerisch: „Kein Wort auf deutsch.“ Ja, wie denn nun? Ich denke, sie wollen keine Islamisierung der Deutschen?

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