Reichsbürger

reichsbrief

Die Reichsbürgerbewegung durchschüttert die Medien. Ein Phänomen, das bislang kaum jemand wahrgenommen hatte, schockiert die ganze Bundesrepublik und vor allem die vielen Millionen an ihre Fernsehapparate angeschlossenen Menschen. Eine Gruppe, die am Betroffendsten ist, sollte allerdings nicht aus dem Blickfeld geraten: Die Anarchisten. Anarchistenführer Carlos Nagler von der Hamburger APPD (Anarchistische Pogo Partei Deutschlands) meint zerknirscht: „Unglaublich, die haben uns die Show gestohlen!

Bislang seien die Anarchisten, welche als links und punkig gelten, als die radikalsten Staatsverneiner bekannt, doch so extrem wie die Reichsbürger hätten sie es nie getrieben. „Wir wären nie auf die Idee gekommen, unseren Personalausweis abzugeben, schließlich haben wir den immer gebraucht, um Bier in der Kaufhalle zu bekommen.“ Auch der Gedanke, sich selbst Pässe eines Phantasiereiches auszustellen, sich als König, Kaiser oder Minister und den Kleingarten als Staatsterritorium, als selbstverwaltete, von der BRD autonome Kommune zu deklarieren, war ihnen völlig fremd. „Wir sind schon auch immer abhängig von den Almosen des Staates, also der arbeitenden Spießer. Die haben uns sogar die Hafenstraße geschenkt.“ Von daher gäbe es für revolutionäre Anarchisten seit Urgedenken eine Symbiose mit dem ansonsten verhaßten System.

Daß die Reichsbürger als „rechtsextrem“ gelten, ist für Carlos Nagler irritierend. „Das sind eigentlich Autonome, und die werden ja von den BRD-Medien sonst auch immer ,Aktivisten‘ genannt, selbst wenn sie militant sind.“ Trotzig fügt er hinzu: „Und im übrigen darf man nie vergessen, daß August Bebel, Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Ernst Thälmann auch Reichsbürger waren.“ Zudem sei die Zerschlagung von Staat und Nation Kernanliegen des Neomarxismus. Aber so pfiffig, sich selbst als Staat zu deklarieren und damit in radikale Konfrontationsstellung zum „machthabenden Verwaltungsapparat und dessen Personal“ zu gehen, die BRD mit Hinweis auf höchstrichterliche Urteile und das Völkerrecht für illegitim zu erklären, war bislang niemand aus der bundesweiten Anarchistenszene. „Da galt immer nur: Wer am meisten säuft und eine Frisur wie Claudia Roth hat, ist am Radikalsten.

Für Carlos Nagler steht nun fest: „Der Personalausweis kommt weg – mir fällt erst jetzt auf, daß ich mit diesem als ,Personal‘ ausgewiesen werde.“ Er will jetzt den Freien Stadtstaat Hamburg (FSSH) ausrufen, Stadtbürgerpässe für seine Mitstreiter drucken lassen, keine Steuern mehr an die „BRD GmbH“, wie er sie nennt, zahlen sowie eine richtige Verfassung formulieren, die sich doch auch schon am Grundgesetz orientiert. „Wichtig aber ist uns der geänderte Passus der Menschenwürde, für uns gehört da zwingend ,Freibier für alle‘ mit dazu. In der Präambel soll auch stehen, daß Arbeit scheiße ist.“ Damit hofft er, die rechtsextreme Reichsbürgerbewegung weit links zu überholen. Schließlich gab es auch zu früheren Zeiten nicht nur rechtsextreme Reichsbürger.

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Eine Antwort

  1. Veränderung auf Kosten anderer ist nicht (mehr).
    Die „Reichsbürger“ lassen sich sehr gut unter dem Begriff
    EIGENVERANTWORTLICHKEIT
    Zusammenfassen.
    Ein Albtraum für den Nanny-State!

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