Provokationen

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Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert hatte mit deutlichen Worten die Proteste gegen die Staatsführung am Tag der Republik 2016 verurteilt:

Einige hundert Menschen haben die Feierlichkeiten genutzt, um ihren Frust und ihre Wut in unglaublicher Art und Weise abzulassen. Nicht nur an der Frauenkirche und dem Theaterplatz, sondern auch am Rathaus und auf der Straße. Nicht die 450000 Festbesucherinnen und -besucher standen mehr im Mittelpunkt des Interesses, sondern die Pöbler und Krakeeler.

Die Leipziger Volkszeitung präsentierte in ihrem Beitrag „Der wahre Ruf aus Leipzig“ am 12. September 1989 „zahlenmäßige Tatsachen“:

… nachdem sie am Montag mit den Rufen und Sprüchen einiger hundert Leute, die die öffentliche Ordnung zu stören versuchten, ihre Story im Block und das Klagelied auf Band hatten. Weil sie es nicht original erlebten, seien ihnen zunächst mal die zahlenmäßigen Tatsachen vom Wochenende nachgereicht. Über 250000 Bürger und Gäste der Stadt vereinten sich mit den Leipziger Journalisten am Sonnabend zu tätiger internationaler Solidarität. Und 100000 Einwohner kamen zur Großkundgebung am traditionellen Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und Krieg. An beiden Tagen also traf sich die überwältigende Mehrheit der Bürger unserer Stadt zu einem machtvollen Ruf aus Leipzig …

Elisabeth Ehninger vom Bündnis für ein offenes Dresden pflichtete ihrem Stadtoberhaupt bei:

… Ich weiß, dass wir in der Mehrheit sind und das bestärkt uns natürlich. Wir lassen uns nicht unterkriegen, denn eine Minderheit darf nicht alles kaputtmachen, was in Dresden über 20 Jahre aufgebaut worden ist.

Am 10. Oktober 1989 schrieb die Berliner Zeitung in ihrem Beitrag „Nachgeholfen vor surrender Kamera“ zur Niederschlagung ähnlicher Bürgerproteste:

… Gut, daß denen deutlich eine Grenze gezeigt wurde. Das lassen wir uns nicht kaputtmachen von randalierenden Trittbrettfahrern, die weder „DAS VOLK“ sind, noch der Grund, in Gang Gekommenes aufzugeben.

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5 Antworten

  1. Den DDR-Bürgern sollte man zugute halten, daß sie vom Staat nicht organisierte Proteste gar nicht kannten und zu Recht schockiert waren. Die Heute Lebenden hatten aber seit 1989 Zeit zur Eingewöhnung.

    An einem Feiertag, wo jedermann nach Zerstreuung, Zuckerwatte und Limonade sucht, herumzukrakelen, ne, das geht ja gar nicht. Kennen die keine Rücksichtnahme? UNd wo waren die Kampfgruppen der Arbeiterklasse, wenn man sie braucht?

  2. Hauptsache Macht! Um nichts anderes geht es. Um Deutschland geht’s schon lange nicht mehr.

  3. 03.10.2016 ?

    Tag der Einheit?

    Großes Bonzen-Bimborium in der auf Steuerzahlerkosten für Millionensummen renovierten und nun wieder gülden glänzenden Semperoper aus absolutistischen Herrscherzeiten?

    Hab‘ nicht so genau hingeschaut und dachte, die helldeutschen Eliten hätten da den zufällig aufs selbe Datum fallenden Tag der offenen Musel-Moschee gefeiert.

    So leicht kann man sich heutzutage täuschen.

    Nun ja, alle noch die hochglanzpolierten Schuhe anne Mauken hätte mich stutzig machen sollen.

    Mal sehen wann die Lackaffen zu deutschen Feiertagen im Nobel-Kaftan aufmarschieren.

    Ich will jedoch nicht nur gehässig sein und empfehle als integrative Lektüre zur Erbauung einfach mal Mullah Nasruddin.

    • Jetzt mal langsam: Solche Feste sind an sich legitim und kommen in allen Staaten vor, eben unter den jeweiligen Regime-Bedingungen.

      Die Ehrungen „verdienter Personen“ auch. In Frankfurt war Hitler Ehrenbürger, am Sonntag wurde das eine bekannte j. Zeitzeugin, 95, der aber zu A. seltsamerweise das Gedächtnis aussetzt.

      Es sind jeweils die gleichen verlogen-schmierigen Verhältnisse der Regime-Inhaber und ihres Milieus, nur unter umgekehrten Vorzeichen!!

  4. Öfters lese ich Zeitungen nach, die liegengeblieben sind wegen der vielen Lektüre.

    Heute bekam ich da die BZ vom 4.10.16 in die Hand, und was sehe ich da:

    Laut Kolumne von US-Fan Georg Gafron gab es 1992 in Hamburg eine weit schlimmere Randale (was meinten wohl damals PDS und GRÜNE dazu?) als jetzt in Dresden. Die Rotfaschisten der Antifa-Gewaltszene beschimpften Kohl und Konsorten übel und wüteten in den Straßen, warfen Stände um u.ä. !!

    PS.
    Und auch mal wieder erinnern an den Mord an dem REP-Politiker Gerhard Kaindl um 1993 in einem Berliner Lokal durch 5 hereinstürmende Türkenjungens, hinterrücks gemessert!!

    Strafen wie erwartet dann milde!!

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