Berichterstattung

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Wenn allein Politjournalisten den Bundestag wählen könnten, hätte die BRD eine grün-rote Zweidrittelmehrheit. Angesichts dessen ist verständlich, daß Abweichler streng sanktioniert werden und bspw. der Redakteur der Tageszeitung Die Welt, Günther Lachmann, am Anfang des Jahres seinen Hut nehmen mußte, als sich seine „mangelnde Distanz“ zur oppositionellen AfD offenbarte:

Auf „sehr zweifelhafte Weise“ habe er sich mit Politikern der AfD eingelassen, schrieb Stefan Aust damals. Und dass so etwas, fügte er an, „weder geduldet, noch vertuscht oder beschönigt“ werde bei der „Welt“. Es bleibe deshalb nichts anderes übrig, „als den Fall lückenlos aufzuklären und die Vorgänge so offenzulegen, wie es arbeitsrechtlich irgend möglich ist.“ … Lachmann hatte mit seiner Klage gegen die Kündigung keinen Erfolg; sie endete mit einem Vergleich.

„Welt“-Herausgeber Aust kündigte an, „Lachmanns Berichterstattung über die AfD nachträglich“ auswerten zu wollen, nachdem der linksradikale Langzeitstudent Andreas Kemper behauptete, die Tageszeitung habe mit Lachmann „die wohlwollendsten Artikel über die AfD veröffentlicht, und Lachmann habe die Partei protegiert“. Die interne Auswertung ist mittlerweile abgeschlossen, aber die breitere Öffentlichkeit soll das Ergebnis nicht erfahren.

„Um die 100 Artikel“ hat „WeltN24“ untersucht, alles Beiträge, die Lachmann seit Oktober 2012 über die AfD und deren Vorgänger-Organisation getippt hat. Zum Vergleich habe man die AfD-Berichterstattung anderer „Welt“-Kollegen und weiterer überregionaler Medien herangezogen. Bei der Auswertung ging es dann unter anderem darum, inwieweit die Partei oder „bestimmte führende Figuren“ eher positiv, negativ oder neutral dargestellt wurden.

Lachmanns Berichterstattung wurde also nicht etwa mit der Berichterstattung anderer „Leitmedien“ über Parteien wie SPD oder Grüne verglichen, sondern mit der allgemeinen Berichterstattungstendenz einer Presselandschaft, welche von einem großen Bevölkerungsteil als „gleichgeschaltet“ und des „AfD-Bashings“ bezichtigt wird. Dennoch stellte sich nun heraus, daß sich Lachmanns Darstellungen „im Spektrum dessen, was auch andere Medien über die Partei veröffentlicht haben“, befunden hätten.

An Lachmanns Ausschluß aus dem Propagandakollektiv ändert das freilich nichts. Interessant ist bestenfalls noch das Fazit, daß sich „die redaktionellen Abläufe und Kontrollmechanismen – also Redigatur, Prüfung durch Ressortleitungen, finale Abnahme etc. – für die Qualität der Gesamtberichterstattung der WELT zur AfD bewährt“ hätten. Auch diese Tageszeitung bewegt sich also in ihrer Berichterstattung über die AfD im Fahrwasser anderer (überregionaler) Leitmedien und prüft die redaktionellen Beiträge über diese Partei eingehend. Ein Grund mehr, an einer pluralistischen und unabhängigen Presse zweifeln zu dürfen.

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