Tat-Elite

Die Geisterfahrerin und Ex-Bischöfin Margot Käßmann hat wieder Käse abgesondert, diesmal im Leib- und Magenblatt tittenglotzender Christ_innen, der BILD-Zeitung.

Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke spricht von seiner Partei als „Tat-Elite“ gegenüber einer „durchgeknallten Pseudoelite“, die dominiert werde von „Maulhelden mit Untertanengeist“, das seien „Niedergangsgewinnler“. Er knüpft damit bewusst an die Sprache der Nationalsozialisten an. Die SS sah sich als „Tat-Elite“ an. Als „Kriegsgewinnler“ wurden nach 1945 Männer bezeichnet, die nicht fürs Vaterland gekämpft, sondern sich gedrückt und vom Krieg profitiert hatten.

Käßmann bezieht sich bei der Kausalverkettelung ihrer Naziverschwörungsphantasien auf einen polemischen Artikel des linksradikalen Portals publikative.org, das Höcke derart zitiert:

Taten sind nix für unsere Pseudo-Elite. Ich hab das vor ein paar Wochen mal in einem Onlineinterview mit der Sezession klar­gestellt. Diese Pseudo-Elite die ist ja im Windschatten der Weltgeschichte entstanden. Sie war ja niemals Tat-Elite und musste ja auch niemals Tat-Elite sein.

Nun findet man im weltweiten Internet nicht viele Schriften der SS, in welchen sich diese selbst als „Tat-Elite“ bezeichnet, um genau zu sein: gar keine. Erst (und allein?) die 2012 von Bastian Hein publizierte Habilitationsschrift „Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925-1945“, welche auch von publikative.org als Beleg angeführt wird, verquickt den Begriff „Tat-Elite“ mit der SS folgendermaßen:

tat-elite.jpg

Für den Begriff „Tat-Elite“ wird vom Autor also keine historische Quelle explizit angegeben; dieser wird von ihm im Jahr 2012 offenbar zusammenfassend für Sätze wie: „Die SS huldigt dem Grundsatz der Tat, nicht dem des Wortes“ zugewiesen. Genauso gut aber hätte irgendein dahergelaufener Autor auch behaupten können, daß sich Christen aufgrund des Jesus-Ausspruches: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein“ als „Tat-Elite“ verstünden, woraufhin sich gemäß trunksüchtiger Käseschwätzer_innen fortan jeder Benutzer dieses Begriffes einer „Christen-Sprache“ befleißigen würde.

Aber selbst wenn ein hochrangiger SS-Funktionär den bösen Begriff tatsächlich verwendet haben sollte – wieso sollte dieser tabu sein oder für antifaschistoide Verschwörungsszenarien herhalten müssen? Schließlich hatte SS-Wittje auch „Grundsatz“, „Wesen“ oder „Tag und Nacht“ gesagt, ohne daß aufrechte Demokraten diese Begrifflichkeiten seitdem strikt meiden würden.

Und weil „nach 1945“ der Begriff „Kriegsgewinnler“ benutzt wurde, gehört einige Jahrzehnte später der Begriff „Niedergangsgewinnler“ zur Nazi-Sprache? Eine sehr dadaistische Deutung! Auch aus Begriffen wie Maulhelden, Untertanen, Lügenpresse und Dissidenten folgende Käse-Schlußfolgerung zu ziehen: „Will da eine ,Tat-Elite‘ die Würde anderer Menschen wieder erst durch Sprache, dann durch Ausweisung, schließlich durch Ghettoisierung und Mord außer Kraft setzen?“, das ist wohl nicht allein durchgeknallten Synapsen nach alkoholischen Exzessen geschuldet.

Warum sich die Ex-Bischöf_in nicht Begriffen wie „Pack“ (S. Gabriel), „Mischpoke“ (C. Özdemir) oder „Inzucht“ (W. Schäuble) widmet, sei dahingestellt. Daß sie ihre BILD-Predigt mit den Worten schließt: „Wie heißt es in der Bibel: Seid wachsam“, ist besonders witzig, singt ein bekannter Schlagersänger doch in einem gleichnamigen Lied: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, – ich halt‘ sie arm!

luegenpresse

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3 Antworten

  1. Oh wei, und alfa-Chef Bernd Lucke fordert im staatlichen Pay-TV, dass Deutschland als „Führungsmacht des Kontinents“ ernst machen sollte, hier:
    https://www.tagesschau.de/inland/interview-lucke-101.html

    FÜHRUNGSMACHT DEUTSCHLAND!
    Wo bleibt der #aufschrei?

  2. Eule stellt knallhart und lapidar klar:

    Für den Begriff „Tat-Elite“ wird vom Autor also keine historische Quelle explizit angegeben; dieser wird von ihm im Jahr 2012 offenbar zusammenfassend für Sätze wie: „Die SS huldigt dem Grundsatz der Tat, nicht dem des Wortes“ zugewiesen. Genauso gut aber hätte irgendein dahergelaufener Autor auch behaupten können, daß sich Christen aufgrund des Jesus-Ausspruches: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein“ als „Tat-Elite“ verstünden, woraufhin sich gemäß trunksüchtiger Käseschwätzer_innen fortan jeder Benutzer dieses Begriffes einer „Christen-Sprache“ befleißigen würde.

    Brillant, werte Eule! Chapeau!

    So sollten wir alle nach Kräften aufklären und richtigstellen. Den – leider all zu oft – trunksüchtigen Käseschwätzer_innen ihren Käse unter ihr Näschen halten und je nach Bedarf in die Poren und Bohren (Löcher) desselben einmassieren 😀

  3. Sie hat tatsächlich „fürs Vaterland gekämpft“ gesagt. Das habe ich gelesen, steht da oben! Damit nimmt sie eindeutig Bezug auf … ach, lassen wir das.

    Gruß von Gernot, (gerne) tittenglotzender Heide

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