Patriarchat

ausgeworfene

Ein Brief, den auch andere lesen dürfen:

Liebe ***,

„ich glaube, ich habe dich wirklich völlig falsch verstanden, weil ich all deine Worte für bare Münze genommen habe“

Das ist schön, sie sind auch bare Münze, wenn auch manche Beispiele zur bildlichen Verdeutlichung vielleicht überspitzt wurden. Es ging aber nirgendwo darum, die Frauen zu übervorteilen, oder darum, daß sich Männer auf ihrem Fleiß und einer ihnen zugedachten Unterdrückung ausruhen.

Das fälschlicherweise so dargestellte „Patriarchat“ wurde und wird zu Zeiten mit natürlicheren Lebensbedingungen – und das weltumspannend – auch von Frauen anstands- und widerspruchslos angenommen, ohne sich dabei „geknechtet“ zu fühlen. Wohl deswegen, weil Männer auch schwierige Rollen zu übernehmen hatten. Nicht zuletzt waren sie ebenso Untertanen und Ansprechpartner für ihre Herren, mußten Abgaben erschuften oder in Kriege ziehen.

Erst die sogenannte Industrialisierung und die mit ihr einhergehende Demokratisierung (Nivellierung) sowie der organisierte Arbeitskräftebedarf im Zuge eines immer währenden, ständig beschworenen „Wachstums“ führte zur Erosion jahrtausendealter Strukturen, zur „Emanzipation“ von Männern und Frauen aus ihren Rollen. Das aber zersetzt die organischen Gemeinschaften und führt im dekadenten Endstadium dazu, daß alle Unterschiede quasi verordnet eingeebnet werden („Genderismus“). Das System benötigt allseits funktionierende androgyne Wesen, die in Produktion und Konsumtion beliebig auswechselbar sind. Der Arbeitskräftenachwuchs wird importiert oder aus der Retorte gezogen, Kultur eingeebnet und das kulturelle Bedürfnis durch triviale Massenunterhaltung oder sauren Kitsch (sog. „Moderne Kunst“) befriedigt.

Man kann sich nun diesen gesellschaftlichen Zwängen anpassen und in die systemisch vorgegebene Rolle als zeitangepaßtes, ökonomisch optimiertes Lebewesen schlüpfen (also doch wieder Rollen bedienen) oder Auswege aus dem Zeitstrom suchen. Dazu gehört, all jenes auf seine Lebenswirklichkeit abzuklopfen, was Jahrtausende währte und Bestand hatte – und jenes, das hingegen in einer psychotischen Gesellschaft erst seit Jahrzehnten gärt und offenbar unfruchtbar ist. Das bedeutet aber auch nicht, sich einen Hörnerhelm aufzusetzen und den Metbecher zu bedienen, sondern in seiner Zeit und für seine Zeit Lösungen zu suchen für das eigene Überleben und das seiner Gemeinschaft, in welche man eingebettet ist.

Es ist durchaus spannend, sich geistig in die Lebenswirklichkeiten anderer Völker und Kulturen sowie früherer Gesellschaften zu begeben, zu begreifen, wie sie lebten und leben, was sie dabei fühlten und dachten, was für sie selbstverständlich und absurd war. Das eröffnet auch einen objektiveren Blick auf die derzeitigen Zustände, ihre Vorteile und ihre Beschädigungen am Menschen.

Es gibt aber auch rudimentäre Dinge, die zum eigenen Überleben notwendig sind – wobei das „Eigene“ nicht nur als das räumlich und zeitlich entkoppelte Individuum verstanden werden sollte (es erfordert eine grundlegende Änderung der Weltanschauung, sich von der herrschenden Ideologie des Individualismus zu lösen, und es ist notgedrungen ein überaus individueller Prozeß, die Lebensgrundlagen in einer auf Zerstreuung ausgerichteten „westlichen Welt“ erspüren und die Rückgewinnung des Bestandes gegen alle Widerstände und Widrigkeiten bis zur eigenen Selbstaufopferung erstreben zu wollen).

Das „Eigene“ ist auch und vor allem die in die Tiefe (die Zeit, also Ahnen und Enkel) und die Breite (also das den Einzelnen umgebende, sich mit der Entfernung des biologischen und kulturellen Verwandtschaftsgrades abstufende soziale Gefüge) gehende Gemeinschaft der Vergangenen, Bestehenden und Werdenden. Überhaupt auch all die anderen in das Eigene einzubeziehen, ermöglicht einen demütigen und natürlicheren Umgang mit der Schöpfung.

Um zum sogenannten Patriarchat zurückzukommen: Es gab und gibt keine herrschaftsfreien Verhältnisse, dazu sind Gruppen und Individuen (von Natur aus) zu unterschiedlich. Man kann sich in Rollen fügen und – so man diese als richtig erkannt hat – in Demut und Tatkraft ausfüllen. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Und es erfordert derweil für uns in die Umstände des gemeinschaftlichen Auflösens Geworfenen einen Akt der Selbstbefreiung, sich aus dem seinem trostlosen Niedergang entgegen taumelnden System zu lösen.

***

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5 Antworten

  1. Sehr gut. Dem Schreiber ein Chapeau! (Auch wenn ER weiblich ist 😀 )

  2. ‚Patriarchat brechen – aber bitte nur bei Deutschen, nicht beim Islam. Das Kopftuch steht bekanntlich für die vom Patriarchat befreite Frau.‘

  3. Es ist einer ausgesprochenen Lebenslüge des Feminismus, mit dem Anspruch für die Gesamtheit der Frauen zu sprechen. Es gibt selten emanzipatorische Programme für Niedriglohn- und Facharbeiterjobs. Die Emanzipations- Darsteller fordern eine Frauenquote für Vorstände; politische Forderungen für Arbeiterinnen, alleinerziehende Mütter oder Hartz-IV-Empfängerinnen sucht man vergebens. Eine Emanzipationsbewegung für die unteren Schichten gibt es praktisch nicht. Unterem Strich hat der Feminismus mehr Misere für Frauen (ebenso Männer) hervorgerufen als Erfüllung und Glück.

  4. Bei all den wahren Weisheiten des Briefs fällt mir dennoch ein, dass, und zwar m.W. auschließlich, in Europa und rings ums Mittelmeer bis nach Kleinasien, also dem weißen Siedlungsgebiet, früher eben jahrtausendelang eher das Matriarchat als das Patriarchat bestand.

    • Der Begriff „Patriarchat“ ist eher auch Qual denn Wahl, es ist ein linkes Schlagwort aus der Ideologie-Kiste. Es waren schon immer die Mütter und fürsorgenden Frauen, welche still und leise die wirklichen Fäden der Welt weben, mochten sich die Männer noch so sehr gegenseitig die Köpfe einschlagen und lautstark um Throne fechten.

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