Flüchtige Retter

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Der Gießener Anzeiger outet sich im Wald der von sich selbst abschreibenden Wahrheitspresse als außergewöhnlich investigatives Organ und greift die Vorfälle um die Zeitungsente der Frankfurter Rundschau á la „Syrische Flüchtlinge retten NPD-Mann“ wegen der offensichtlichen Ungereimtheiten noch einmal auf.

Der Erstvermelder der Story war der Nazijäger Hanning Voigts, der sich schon vor Jahren um das nunmehrige Unfallopfer Stefan Jagsch bekümmerte: „Vor allem aber hatte ich im Mai 2014 aufgedeckt, dass Jagsch unerkannt am Empfang des Jobcenters in Höchst arbeitete. Eine Kündigung durch die Stadt Frankfurt und ein langer Rechtsstreit waren die Folge, erst vor kurzem wurde entschieden, dass der Rausschmiss durch die Stadt rechtswidrig war.

Auftragsschreiber Voigts verließ sich bei der syrische-Retter-Geschichte offenbar auf Aussagen des Büdinger Stadtbrandinspektors Jürgen Kraus, welcher allerdings „erst nach Abtransport des Verletzten“ am Unfallort eingetroffen war. Daß syrische Flüchtlinge Jagsch gerettet haben sollen, hatte Kraus wiederum „lediglich von einem anderen Feuerwehrmann gehört“. Nichts desto trotz übernahmen „Spiegelonline, die Süddeutsche Zeitung, dpa, afp, AP, The Guardian, The Telegraph, De Telegraaf, Ouest France, Corriere Quotidiano, Russia Today, der Hesssiche Rundfunk, Fox News, The times of Israel und und und …“ ungeprüft die Meldung des bislang nur Belanglosigkeiten klecksenden Schreiberlings, der damit den ersten beruflichen Clou seines Lebens gemacht zu haben glaubte.

So werden Nachrichten für die Welt gebastelt: Die Sau wurde durch das Dorf getrieben, die Botschaft in die flachen Hirne der Massenmedienkonsumenten gepflanzt, die Medienkarawane zieht weiter und eine Handvoll Zweifler stochert nach, bis irgendwann die Wahrheit aufgedeckt wird, für die sich kaum jemand mehr interessiert.

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Wir kommentierten gestern angesichts dessen, daß die Namen der Retter verschwiegen werden: „Man kann sich’s kaum vorstellen: Zwei Busfahrer halten an, helfen aber nicht, lassen dafür zwei Asylanten aussteigen, die helfen. Genau klären wird den Vorfall wohl niemand mehr, und während sonst derartige Helfer und Retter (in Zeitungen) auch namentlich genannt und geehrt werden, werden hier Datenschutzgründe angeführt.

Der Gießener Anzeiger zeitigt aber nun journalistische Qualitäten und recherchiert nach:

Nun müssten doch zumindest die beiden Busfahrer klären können, was sich wirklich an jenem Morgen auf der B521 abgespielt hat. Die Polizei versichert glaubhaft, dass sie nicht wisse, welches Busunternehmen am 16. März die Flüchtlinge transportiert habe, da die ermittelnden Beamten erst später am Unfallort eintrafen und die Busse als nicht Unfallbeteiligte im Protokoll auch nicht auftauchten.

Aber zumindest das Regierungspräsidium sollte doch wissen, wer in seinem Auftrag Menschen transportiert. Eine Antwort auf die Anfrage dieser Zeitung wird für den nächsten Tag in Aussicht gestellt. Genug Zeit also, um selbst einmal bei jenem Busunternehmen nachzufragen, das laut Polizei wahrscheinlich an diesem Tag die Flüchtlinge von Büdingen nach Gießen gefahren hat. Doch dort wird versichert, dass man diese beiden Transporte am 16. März nicht durchgeführt habe. Auch weitere Anrufe bei rund einem Dutzend weiterer Busunternehmen führen zu keinem Ergebnis, aber zu einem interessanten Widerspruch. Ein Busunternehmen im Lahn-Dill-Kreis, das am 16. März eigentlich die Flüchtlinge aus Büdingen holen sollte, aber an diesem Tag alle Fahrzeuge im Einsatz hatte, versichert, dass dieser Auftrag dann an jenes Busunternehmen gegangen sei, das der Anzeiger als erstes kontaktiert hatte.

Auch sonst sind die zahlreichen Anrufe bei den Busunternehmen durchaus aufschlussreich. Immer wieder ist an diesem Tag zu hören, dass bei einem Unfall üblicherweise nicht die Passagiere, sondern die Busfahrer Erste Hilfe leisten, die seien dafür schließlich ausgebildet. Im Falle von Flüchtlingsfahrten seien Busfahrer sogar angehalten, den Bus von außen abzuschließen, damit Flüchtlinge an einer Unfallstelle nicht selbst in Gefahr geraten. Das sei eine Vorgabe des Regierungspräsidiums.

Ach ja, das Regierungspräsidium, das teilt tags drauf zunächst mit, dass man nicht mehr herausfinden könne, wer am 16. März die Flüchtlinge gefahren habe, um sich kurz darauf auf den Datenschutz zu berufen und deshalb jede weitere Aussage zu verweigern. Eine Viertelstunde später ändert man in der Pressestelle dann doch noch einmal seine Meinung und schickt folgende – ungekürzte – Pressemitteilung: „Auf Ihre Anfrage teilt die Pressestelle des Regierungspräsidiums Gießen nach Rücksprache mit dem Busunternehmen (das anonym bleiben möchte) Folgendes mit: Ein Busfahrer und ein syrischer Flüchtling leisteten gemeinsam erste Hilfe bei dem Verunfallten.“

Das ist spannend, schrieb Hanning Voigts in seiner Frankfurter Rundschau doch bereits am 24. März: „Die Identität der Flüchtlinge, die den hessischen NPD-Politiker Stefan Jagsch in der vergangenen Woche nach seinem schweren Autounfall aus dem Wagen gezogen haben, ist geklärt. Wie Gabriele Fischer, die Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen, der Frankfurter Rundschau mitteilte, handele es sich um zwei Asylsuchende aus Syrien und dem Sudan, die in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Büdingen (Wetteraukreis) untergebracht waren. Das habe der Leiter der Einrichtung bestätigt.

NPD-Mann Jagsch, der sich bei „den beiden Flüchtlingen, die ihm nach seinem schweren Autounfall in der Nähe von Altenstadt (Wetteraukreis) geholfen haben“, nach eigener Aussagegerne persönlich bedanken“ möchte, wird es schwer haben, seinen beiden flüchtlingisch-flüchtigen Rettern gegenüberzutreten. Dieses ominöse Duett dürfte auch weiterhin in sagenhafter Bescheidenheit schwelgen, nur anonym Leben retten zu wollen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Heldensage aber nur der Unfall eines journalistischen Tölpels der ihrer Leserschaft verlustig gewordenen Frankfurter Insolvenzschau sowie ein Wunschgespinst der weltweiten Refugee-Welcome-Propaganda.

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13 Antworten

  1. Da entscheidet das Präsidium vorerst, den Schaden für sich selbst möglichst gering zu halten, indem es sich auf den Datenschutz beruft (ausgerechnet ein Regierunspräsidium beruft sich suf Datenschutz!), um dann dieses dämliche Märchen in geänderter Fassung neu aufzutischen. Oh Mann!
    In meiner (sehr kleinen) Stadt gabs letztes Jahr am helllichten Tage einen Einbruch in ein leerstehendes Wohnhaus. Polizeird gerufen, es kommt zum Schusswechsel. Ein Täter wird gefasst, dem Anderen gelingt die Flucht. Der Polizeihubschrauber kreist stundenlang über der Stadt, findet den Täter aber nicht.
    Am Folgetag stand in den Lokalblättern…
    …nichts.
    Auch keine Radiomeldung. Auch in den nächsten Tagen nicht.
    Ein Ereignis, von dem entschieden wurde, dasd es nicht stattgefunden hat.
    Was das mit der obigen Geschichte zu tun hat?
    Na, da passierte nichts und die ganze Welt schrieb darüber!
    Wesentliche Gehirnregionen müssen ganz offensichtlich dem zeitgenössischen Menschen westlicher Prägung verödet worden sein; wie sonst lässt sich erklären, dass wir weder Amok laufen oder schlicht überschnappen Angesichts solcher Zustände?

    • „Wesentliche Gehirnregionen müssen ganz offensichtlich dem zeitgenössischen Menschen westlicher Prägung verödet worden sein“

      Ein allenthalben zu beobachtendes Phänomen.

      Abhilfe kaum in Sicht, solange der nächste Urlaub auf Mallorca gebongt ist.

  2. […] Quelle: Flüchtige Retter | eulenfurz […]

  3. Hanning Voigts verdünnisiert sich lieber – ihm wird die Ente wohl zu brenzlig:

    hanning-voigts-ist-raus

    Nochmal:
    Am 24. März
    Wie Gabriele Fischer, die Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen, der Frankfurter Rundschau mitteilte, handele es sich um zwei Asylsuchende aus Syrien und dem Sudan, die in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Büdingen (Wetteraukreis) untergebracht waren.

    Am 31. März
    Auf Ihre Anfrage teilt die Pressestelle des Regierungspräsidiums Gießen nach Rücksprache mit dem Busunternehmen (das anonym bleiben möchte) Folgendes mit: Ein Busfahrer und ein syrischer Flüchtling leisteten gemeinsam erste Hilfe bei dem Verunfallten.

    … irre, wie schwer es ist, die Identität von zwei Lebensrettern zu verifizieren und weshalb man diese anonym belassen möchte. Wir haben zwar schon zig faule Braten gerochen, aber der hier stinkt förmlich zum Himmel!
    .

  4. Naja, eigentlich ist Herr Jagsch gar nicht verunfallt, sondern nur zum Pinkeln ausgestiegen. Er war auch nicht mit dem Auto unterwegs, sondern mit dem Hund. Und es war auch nicht Herr Jagsch sondern Luise Müller, Melkerin, auf dem Weg zur Schicht. Aber der Rest stimmt.

    • Ganz gelogen ist die Geschichte natürlich nicht. Aber sie ist ein Paradebeispiel für den Zustand der Presse:
      – Überlieferungen vom Hörensagen als Tatsachen darstellen,
      – schlecht nachrecherchieren,
      – Unstimmigkeiten ignorieren,
      – einen Popanz aufblasen,
      – voneinander abschreiben,
      – auf Häme und Diskreditierung abzielen.

  5. Dumm gelaufen – aber das ist eben #BaehDR.

  6. „… hatte ich im Mai 2014 aufgedeckt, dass Jagsch unerkannt am Empfang des Jobcenters in Höchst arbeitete …“

    Wie, aufgedeckt?,
    „UNERKANNT“?
    Hat er unter falscher Identität gearbeitet? Wer hat dann sein Gehalt empfangen?
    Oder ist das einfach nur KRANK?
    Was gäbe es da aufzudecken?

    Natürlich ist es subtil (?) verabreichte Konditionierung, man könnte auch sagen, Hass. „Unerkannt“ fungieren Verbrecher und Terroristen – und natürlich NPD-Funktionäre, die dann schon mal zu „Politikern“ avancieren.
    Wahrscheinlich haben sie auch keine Parteifreunde oder -kameraden, sondern -Komplizen …

  7. Bin ich eigentlich der Einzige, der sich für die „Unfall“-Ursache interessiert???

    Pöhse „Rechte“, Naaaziiis und deren Sympathisanten bilden offenbar von Natur aus eine „Risikogruppe“, deren Mitglieder überproportional häufig Opfer von „Autounfällen“ werden – insbesondere von solchen mit Todesfolge, als da bspw. wären: George S. Patton, Ian Stuart Donaldson, Jörg Haider, Günther Schwemmer, … – selbst wenn sie gar nicht selber am Steuer sitzen oder Fahrlehrer von Beruf sind, wie Uwe Leichsenring (Ach ja … Im Übrigen waren es besagte Medienmaden von der Krankfurter Buntschau, die damals ein sehr eindrucksvolles Zeugnis geistig-moralischen Untermenschentums ablegten, als sie sich auf das Opfer unter Weglassung des „s“ in seinem Namen einen runterholten!).

    Insofern hat Stefan Jagsch, dem die Junta z. Zt. schon die berufliche Existenz zu vernichten sucht, noch „Glück im Unglück“ gehabt, daß diese es sich in seinem Fall offenbar anders überlegt und ihn statt dessen lieber zum Gegenstand einer antideutschen, pseudo-ironischen Hohn- und Spott-Agitprop-Inszenierung von internationaler Tragweite auserkoren hat.

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