Clausnitz

Darf man, fragt der Bekannte eines Journalisten kummervoll, nach Clausnitz noch Gedichte schreiben? Clausnitz, der Inbegriff des unautorisierten Bürgerzorns gegen die Zwangsansiedlung der von der Führerin herbeigerufenen anderspigmentierten Glücksritter, das Pogrom der bösen Worte gegen die von Schleppern und Neppern herangekarrten Zöglinge der Asylindustrie inmitten einer dunklen und kalten Nacht des ostdeutschen Winters. Doch, man darf. Elegien auf den Tod der Willkommenskultur etwa:

O düst’rer Gau im Ost des Reichs / erstand inmitten deiner Bürger / als Bösnis keines and’ren gleich‘s / zähnfletschend der Refugeewürger / …

Und natürlich untertänigste Lobhymnen auf die Kanzlerin:

Welch Flor auf deinem Hosenkleid / dein Glanz strahlt durch die Ewigkeit / dein Mitgefühl so welterfüllt / dein Herz dir aus dem Schoße quillt / …

In Clausnitz haben auch AfD-Mitglieder mitgerufen, das gestand die Chefin dieser verruchten Partei vor dem Tribunal der Wahrheitspresse. Diese weiß so kurz vor einigen Landtagswahlen viel Schlechtes zu berichten über diese miese Parteienkarikatur, welche einige Darbieter der herrschenden Nomenklatura von den Futtertrögen des Parlamentbetriebs zu drängeln sich anschickt. Sie mache in anderen Landtagen schlechte Arbeit, sacke in Umfragen wieder ab, benutze böses Vokabular und teile die Gesellschaft, sei quasi ein fauler, gefährlicher und unbedeutender Volksschädling.

Jetzt will die AfD gegen ihre Mitglieder vorgehen, die in Clausnitz mitgerufen haben: „Wir glauben, dass Protest notwendig ist, aber nicht gegen Personen, die nach Deutschland einreisen, sondern gegen diejenigen, die diese Migrationspolitik zu verantworten haben.“ Ein schlichtes Gemüt leistet aber erst dann gegen Symptome Widerstand, wenn diese es persönlich betreffen, und verantwortliche Politiker sind vor der Haustür leider nicht immer greifbar.

Aber auch geopolitisch betrachtet könnte man sich die Frage stellen, ob die in die Dritte Welt ausgestrahlten „häßlichen Bilder von Clausnitz“ ein kleines Korrektiv zu den „schönen Willkommensbildern“ auf den Hauptbahnhöfen deutscher Großstädte vom letzten Sommer sind, welche quasi dazu führen, daß die illegal eingereisten Refugees sich aus den düsteren Ostkäffern schleunigst wieder freiwillig entfernen, um sich an westdeutschen Hauptbahnhöfen, wie etwa dem Kölner, dafür umso sauwohler zu fühlen.

Parallelgesellschaften entstehen, und daran haben gemäß Herrschaftsduktus nicht die Machthaber Schuld, sondern die Kritiker der realpolitischen Verhältnisse. Es ist also Gebot der Stunde, unsere Führerin weiterhin zu lobpreisen:

… ein Sonnenschein dich stets umgibt / der Goldstaub aus den Stapfen stiebt / weil du den graden Schritt nur läufst / und kelcheweise Weisheit säufst / …

Weiterlesen auf der Sachse des Bösen

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4 Antworten

  1. In Schland ist vieles Zwang, ob Schornsteinfeger, GEZ, TÜV, oder Bevölkerungsaustausch. Zwang ist eben in und macht Politiker froh.

  2. Klasse, mal wieder!

  3. Die Poesie-Einstreuungen erinnern mich stark an Vogonische Dichtkunst. Sehr lustig.

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