Weihnachtsansprache

bamberger-dom

Irgendwo wurde sie gehalten, oder auch nicht, diese kurze Weihnachtsansprache. Wir dokumentieren sie kommentarlos als Zeugnis ihrer Zeit und distanzieren uns vorsorglich von allem, auch von uns selbst:

Als hätte irgendwo in fernen Gestaden die Hölle ihren Schlund geöffnet, durchströmt milde Luft das endende Jahr 2015. Eines der folgenreichsten und düstersten Jahre der deutschen Geschichte und des Abendlandes, soviel dürfte für jeden feststehen, der in Geschichte und Zukunft bewandert ist und dessen Blick weiter schweift, als nur bis zum Tellerrand von McDonalds.

Die Deutschen hatten seit ihrer Volkwerdung vor mehr als tausend Jahren oft genug gelitten: Reiterstürme aus dem Osten, Hungersnöte, Seuchen, stammesfürstliche Partikularinteressen, ein auf seinem Boden ausgetragener Dreißigjähriger Krieg, der letzten Endes auch zur verspäteten Nationenbildung führte, zu dem Wunsch an kolonisatorischer Weltteilhabe und zum Haß der anderen auf den sich herbeidrängenden Emporkömmling.

Land der Mitte zu heißen war Ruch und Segen.

Deutschland aber war auch ein Land der Musen und der großen Erwecker, Land der philosophischen Visionäre und gründlichen Verwaltungsbeamten, Land der blauäugigen Naivität und der unerschütterlichen Treue, Heimat der Tüftler und Landsknechte. Selbst ihren eigenen Untergang vollziehen die Deutschen fanatisch und gehorsam, in Gläubigkeit an die gerechte Sache und mit bürokratischer Pedanterie.

Es ist ein Untergang, der vor Dekaden schon begann, auf leisen Schritten kam mit der Schulpflicht, der Verstädterung, der Sozialgesetzgebung, der Industrialisierung, mit der ausufernden Technokratie und allem, das zu Entfremdung zwischen Menschen, zur Entwurzelung von einer Heimat, zur Entgöttlichung und Entwertung aller Dinge führte – hin zu einer kulturzersetzenden Zivilisationsmaschinerie.

Im Endstadium des Verfalls bilden die anonymen Miet- und Arbeitsnomaden, die Triebverirrten und Genderperversen, die gesichtslosen Karrieremacher in den Hamsterrädern des Marktes, die anmaßenden Faulpelze in den sozialen Hängematten, die Fernsehglotzer und Rauschsüchtigen und Partygänger, die konsumgeilen Humanoiden, die infantilen Männer und fruchtlosen Frauen, … im verflochtenen Zivilisationsgewebe als miteinander lebensunwirklich vernetzte Einzelteile eine buntgemengte Biomasse, der nicht bewußt ist, als Gemeinschaft etwas Eigenes zu sein, das zu verteidigen wert sei.

Das Eigene speist sich aus den Tiefen der Seele und wird hervorgerufen durch das Eintauchen in die Welt der Ahnen, das Verwobensein in deren Leben, und durch Erlebnisse, die Verbundenheiten schaffen. Demut vor der Vergangenheit führt zu Verantwortung für die Zukunft! Wer festgefügt ist auf seinem Platz in Raum und Zeit, der ist nicht beliebig auswechselbar. Solch ein Mensch hat Würde!

Der Individualismus triumphiert. Erschütternd trostlose Kreaturen am Tropf der Moden werden durch gleichgeschaltete Unterhaltung konditioniert und abgelenkt. Dem großen Austausch stehen sie beglückt bis fassungslos gegenüber, ohne dessen tieferen Gründe und Bedeutungen verinnerlichen zu können. Es bilden sich bestenfalls kleine Schicksalsgemeinschaften divergierender Interessenlagen: bei Studenten etwa, welche glauben – da ihnen ein wohlbehütetes Dasein ohne Gegenleistung gewährt wird – es wäre genug für jeden da, der teilhaben wolle; bei Kleinbürgern, die sich ängstlich hinter ihren flimmernden Propagandaüberträgern verstecken und auf Beruhigungspillen warten, während die Pfründe schwinden; bei den Kapitalisten, die verwertbares Menschenmaterial unter den Millionen Invasoren erwarten; bei Priestern, die Seelenheil dank ihrer Aufopferung erhoffen und bei rassistischen Gleichheitsfanatikern, die revolutionäre Zustände herbeisehnen durch einen fordernden Pöbel, an dessen Spitze sie sich zu stellen gedenken. Sie alle haben gemein, daß sie sich den aufoktroyierten Zuständen ergeben oder diese gar noch befördern.

Aus dem Chaos ragen plötzlich einige wenige Beherzte, Menschen der Stunde, vom Schicksal wachgeküßt, und stellen sich offen gegen die Pläne der Machthaber, müssen unsägliche Mengen an Sudel und Haß über sich ergehen lassen. Ihnen wird die spätere Geschichtsschreibung die Hochachtung nicht verwehren können. Und mit ihnen den kleinen Gefolgschaften, die dem vernichtungswütigen System seelisch noch nicht völlig verfallen sind. Sie sind das Volk, sein erbärmlicher Rest, aber sie stehen gegen eine zahlenmäßig übermächtige und von einem gewaltigen Psychoapparat aufgehetzte Biomasse.

Ein Familienvater sagte kürzlich lapidar: „Dieses Volk hat fertig“ und deutete auf den überaus geringen und handzahmen Widerstand gegen die Invasorenflut. Sicherlich ist das Jahr 2015 ein Markstein des Niedergangs. Jedem, der dennoch voller Hoffnung für eine Wiedererweckung ist, sei diese nicht genommen. Es darf aber die Frage gestellt werden: Wiedererweckung wofür und in welchen Zustand?

Es ist Zeit für Neues, für neue Gemeinschaften und Gemeinschaftsformen, die es aus der allumfassenden Erosion unserer Jahrtausende alten Welt herauszuschälen gilt!

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Eine Antwort

  1. Amen.
    Möge der rettende Umschwung, möge die Notwende bald kommen!

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