Graf Öderland

unsterbliche

Während die hilflosen Pegida-Demonstranten nur kleines Straßentheater machen, etwa mittels eines braunen (Wisch-)Mobs oder mit Merkel-als-Hampelmann-Schildern und phantasievollen Titulierungen als „Mutter Terrorosia“, hat der von Steuerzahlern alimentierte staatsnahe Bühnenklamauk mit Max Frischs halb vergessenem Drama „Graf Öderland“ (1951/1956) nun zum professionellen Gegenschlag ausgeholt.

Das Stück, offenbar ein Plagiat des Kleist’schen „Michael Kohlhaas“, wurde mit einer stigmatisierenden Verwurstung der regierungskritischen Pegida-Bewegung aufgepeppt und darf sich darob freuen, von der Wahrheitspresse wohlwollend goutiert zu werden:

Der Aufstand der Anständigen steht gegen den Aufstand der Unanständigen …  die Hasstiraden der Pegida-Demos zum einen und der aufklärerische Impuls, der Zorn, die Verzweiflung angesichts der Lethargie und die selbstkritische Reflexion der anderen.

Eine „selbstkritische Reflexion der anderen“ – das klingt zunächst nach Satire. Intendant Volker Lösch meint es jedoch offenbar Ernst, wenn er auf die staatlichen Zuwendungen aus der Theaterförderung für dilettantische Inszenierungen schielt, zumal derartige Aufführungen für gewöhnlich vom Publikumspack mit ostentativem Desinteresse gestraft werden. Da dürfte selbst die mit plumpesten Darbietungen Oppositionelle ins Groteske verzerrende „Heute-Show“ unterhaltsamer sein, wenn auch auf ebenso niedrigem Niveau.

Die Geschichte ist schnell erzählt:

Aus seinem Kadaver steigen bösere Geister. Derer, die von blinder Angst („der Kitt unserer Gesellschaft“, wie es in der Aufführung heißt) und blankem Hass getrieben sind, deren Parolen, teils namentlich identifizierbar, vom Chor wiederholt werden. Es ist der gesammelte kleinbürgerlich-xenophobe Stur- und Eigensinn, der sich am „Wir“ berauscht und den niederen Instinkt von der Leine lässt. Diese Masse Unmensch zeigt sich in den zweieinviertel Stunden immer rabiater und blutrünstiger. Zunächst im Freizeitlook, dann in Tarnuniform lassen sie Zigaretten im Dunkeln glimmen, sind Veitstänzer, singen das Deutschlandlied, bewaffnen sich in Nachahmung ihres Anführers Öderland mit Äxten. Im Hintergrund lodern Flammen.

Das hat natürlich nichts mit der Realität zu tun, aber eben dafür gibt es schließlich Theater: Der blutrünstige Terror von Paris durch (teilweise) „Flüchtlinge“, der andressierte Haß auf „Nazis“ oder die zu welchen erklärt werden, die eigenen (linksextremen) Gewalttaten am Rande von Pegida-Demonstrationen, die lodernden Flammen aus den Autos derer Teilnehmer, das fanatische „Wir“ im „Wir schaffen das“ bis zum dramatischen Endsieg – all das kann mittels einer abstrusen Inszenierung auf die bislang erstaunlich friedfertige Pegida-Bewegung projiziert werden.

Waren es früher die unsäglichen Glatzen, gegen die sich der Zorn der „anständigen“ Kleinbürger wenden sollte, so ist dieses Kleinbürgertum heute selbst Objekt der Stigmatisierung. Und die da einem Sakko mit polierter Birne applaudieren, aus ihren Komfortzonen und Wohlfühlinseln der Bionade-Reihenhaussiedlungen, würden sich selbst nie zu einem Kleinbürgermob zählen, sondern wähnen sich als merkeltreue Avantgarde einer humanistischen Revolution.

Beim Lesen der Beschreibung fällt fürderhin auf, daß zu einer Diskreditierung „dieser rabiaten und blutrünstigen Masse Unmensch“ als „Untermensch“ nicht mehr viel fehlt. Aber vielleicht ist diese Wortwahl auch so gewollt, steht doch der „Unmensch“ als völlig entmenschtes Wesen sogar noch unter dem Untermenschen.

Erinnern wir uns: Auch vor 80 Jahren sollte der „böse Weltfeind“ überwunden werden, wofür die politischen und kulturellen Bühnen den gesellschaftlichen Nährboden des „guten Gewissens“ bereiteten. Am besten verfolgt und vernichtet es sich schließlich im Glauben an eine humanistische Ideologie und bei der Vorstellung, widerwärtige Un(ter)menschen beseitigen zu dürfen.

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9 Antworten

  1. Ich habe Graf Öderland nicht gelesen, weil Max Frisch ist bei mir unten durch seit ich erfahren habe, daß er sich an Wilhelm Tell vergriffen hat. Denn Wilhelm Tell habe ich gelesen. Genau wie Michael Koolhaas.
    Wenn einer mit Michael Koolhaas verglichen wird, dann ist das die höchste Ehre. Koolhaas ist ein gesetzestreuer Bürger, der um sein Recht zu bekommen erst das letzte gesetzeskonforme Mittel ausreizt, bevor er sein Recht schließlich mithilfe der Mordbrennerei erfolgreich einfordert.

  2. Och, Captain, „Wilhelm Tell für die Schule“ ist gar kurzweilig zu lesen, fast so gut wie Felix Dahn.
    Michael Koh(!)lhaas ist eine literarische Figur, so wie Amon Göth, oder Schweinchen Dick.
    Was Graf Öderland angeht:
    Für eyn Turney zu Ernste gibt es Besseres als Handäxte, Sturm&Ruger seien mir Zeuge.

    • Normalerweise mache ich Rechtschreibfehler absicht. Dieser hier aber, der hat sich irgendwann bei mir eingebrannt und wenn ich in ein paar Monaten oder Jahren an anderer Stelle wieder über Kohlhaas schreiben werde, dann werde ich ihn wieder machen.

      Wilhelm Tell ist natürlich keine von Schiller erdachte, sondern eine historische Figur. Von daher ist grundsätzlich natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Frisch die Geschichte aus einer anderen Perspektive schreibt. Die Selbstgefälligkeit aber, mit der er sein Werk „Wilhelm Tell für die Schule“ nennt, das werte ich als Affront gegen Schiller. Es impliziert doch, daß Frisch Schillers Original für die Schüler ungeeignet hält. Welch Anmaßung.

      Dabei geht es meiner Ansicht nicht darum, die von Schiller positiv beschriebenen Charaktereigenschaften Tells zu hinterfragen. Tell ist ein eigentlich unpolitischer Bürger, der sich aber entschlossen und ohne zu zögern zur Wehr setzt, als man die elementarste menschliche Gemeinschaft, seine Familie bedroht. Gewissermaßen hat Tell damit Ähnlichkeit zu den heutigen Spießern, die Probleme nur vor der eigenen Haustür sehen. Ich habe zu Frischs Version zwar nur eine grobe Inhaltsangabe gelesen, aber damit scheint sich Frisch nicht zu befassen.
      Vielmehr stellt er die Bürger als fremdenfeindliche Hinterwäldler à la Hollywood-Redneck dar und Geßler als lieben Kerl, der von ihnen mißverstanden wird. Die Schweizer sind eben die bösen, weil sie nicht verstehen daß Tyrannei, Willkür und Schikane eben zu Geßlers Kultur gehören, und die Ablehnung selbiger Geßlers kulturelle Gefühle verletzt. Kommt das jemandem bekannt vor?

      Ob es Frisch nun bezwecken wollte oder nicht, er verunglimpft damit ein Stück deutsches Erbe (Die Schweiz gehört zu Deutschland, zumindest kulturell). Was edel und gut war, macht er schlecht und umgekehrt.
      Max Frisch, selbst Schweizer, läßt sich somit in eine Reihe mit Hannes Heer und Jan-Philipp Reemtsma stellen, welche ebenso Wegbereiter sind für die Verleugnung von edlem und gutem deutschen Erbe. Das führt unter anderem zu Aussagen wie „Die Moslems haben Kultur und Zivilisation nach Europa gebracht“, „Die Türken haben Deutschland wieder aufgebaut“ oder „Die Nazis haben die Frauenkirche zerstört“ und mündet letztendlich im reinen Selbsthaß in Form von „Ausdünnung der deutschen Volkssubstanz“, „Laßt es krachen, laßt es knallen, Deutschland in den Rücken fallen“, „Nie, nie, nie wieder Deutschland“ oder „Deutschland verrecke“. Oder ganz extrem „Für mehr Zwangsvergewaltigung von Volksdeutschen! Für die Vernichtung rein-deutschen Erbgutes! Still <3'ing Volkstod" by Die Antifa e.V., leider kein eingetragener Verein.

  3. Die Indianer, also die ehemaligen Einwohner Amerikas, wissen was wirklicher Terror ist. Genozid zum Beispiel. Und wäre das ganze ein Theaterstück, dann wäre die BRD die Bühne, Merkel die Re­gis­seu­rin und wir, das Volk, Schauspieler und Publikum zugleich, die Finanziers halten sich vornehm im Hintergrund und warten auf die Gewinnausschüttung.


    One Word – Episode 25: Christopher Columbus (Native Americans)

  4. Das Stück, offenbar ein Plagiat des Kleist’schen „Michael Kohlhaas“

    Könnte sein. Habe mir bei youtube einen kurzen Trailer angeschaut.
    Wie aber spannen die einen Bogen von diesem Stück zu Pegida? Verstehe ich nicht ganz.
    Ich würde auch nicht verstehen wie man eine Verbindung von Kohlhaas zur doch sehr biederen Pegida konstruieren könnte.

    • Ganz einfach, das nennt sich Verleumdung. Die Verleumdung soll, bzw. darf sogar nicht verstanden werden, sondern soll nur funktionieren.

      Zunächst ist das Stück an Graf Öderland angelehnt und nicht an Michael Kohlhaas. Eine Verbindung von Kohlhaas zu Pegida wird nicht konstruiert und auch keinenfalls beabsichtigt. Zwar verliert Kohlhaas irgendwann die Kontrolle über seinen wütenden Haufen, und primitive Plünderer machen sich selbständig, aber trotzdem würde man der geistigen Führung von Pegida edle Ambitionen bestätigen durch einen Vergleich mit Kohlhaas. Außerdem ist jeder, der MIchael Kohlhaas gelesen hat, danach entweder zu einem Braunen konvertiert oder zu dumm um das Buch zu verstehen.

      Graf Öderland habe ich nicht gelesen und weiß daher nichts über die Motive des Staatsanwalts und seines Haufens.
      Aber für die pegidiale Verleumdung ist das Werk sicherlich geeignet, sonst hätte man es nicht benutzt.

      • Die Verbindung zwischen dem „fast vergessenen“ Graf Öderland und dem unvergeßlichen Michael Kohlhaas haben wir gezogen, weil die kurze inhaltliche Wiedergabe des Stückes an einen Kohlhaas für Arme erinnerte.

  5. Ein Beitrag darüber kam heute auch in der 3Sat-Sendung „Kulturzeit“, deren Sendetitel wohl andeuten will, wir lebten noch in einer Zeit mit Kultur, womöglich sogar einer eigenen Kultur.

    Das Machwerk ist übelstes Regietheater.

    Ein anderer Beitrag aus derselben heutigen Sendung….Performance !!!!

    http://urbanshit.de/aktionskuenstler-andrey-kuzkin-graebt-sich-kopfueber-nackt-als-baum-die-erde-ein/

    Der Kunst. Dem Guten. Dem Wahren. Dem Schönen.

    Brenne, Rom !

  6. Fernsehbeitrag „Pegida auf der Theaterbühne“:

    In Diesem wird deutlich dass diese Theatermenschen in einer Art parallelem Universum leben. Also faktisch unerreichbar für den durchschnittlichen Erdenmenschen.

    Der Moderator bei 4:40: „Von nun an kann sich Pegida selbst ins Gesicht schauen. Ausgestellt auf der Bühne in Dresden als seltsam groteske Masse“

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