Gewaltverleugnung

massenschlagerei

Einige denkwürdige Aussprüche des Historikers Jörg Baberowski, die wir gern in der Chronik ablegen:

Zu Deutschland als„Reich der Tugendwächter“

In Deutschland wird gern nach der Gesinnung dessen gefragt, der einen Vorschlag macht. Man stigmatisiert ihn, und schon ist er für das Gespräch nicht mehr zu gebrauchen.

Zur Kommunikationshoheit

Es gibt keine Instanz, die den Wortgebrauch festlegt, aber es gibt eine Atmosphäre, in der jene, die das wollen, anderen vorschreiben können, wie sie zu reden haben. Und zwar jene, die die Hoheit über die Kommunikation im politischen Raum haben. Sie können in Deutschland nur noch in einer verordneten Sprache sprechen, wenn Sie sich nicht selbst vom Gespräch ausschließen wollen.

Zur Einwanderung

Wenn die Notlage von Menschen der einzige Grund soll sein, der zur Einwanderung berechtigt, dann müsste Deutschland jeden aufnehmen, der sein Land verlässt und zu uns will. Das kann aber nicht die Grundlage politischer Entscheidungen sein.

Über zukünftige Konflikte

In einer Gesellschaft der vielen, die wenig miteinander verbindet, sind die Chancen gering, das sich Konflikte in Zeiten der Krise friedlich bewältigen lassen.

Zur Gewalttätigkeit von Ideologien

Ich glaube, dass Ideen überhaupt keine Handlungspotenziale haben. Mit Ideen kann man Gewalt rechtfertigen, aber die Tat als solche wird ja nicht von den Vorstellungen, die man von der Welt hat, motiviert, sondern durch Aggressionen, durch Befehle, die jemand bekommen hat, durch die Tatsache, dass man Gewaltopfer ist und sich wehren muss.

Zur Gewaltverleugnung

Wir leben nicht mehr in einer Gesellschaft von Helden. Das hat viele Vorteile. Aber wir sind dadurch zu Gewaltverleugnern geworden, die auf den Ernstfall nicht vorbereitet sind.

[Quelle]

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3 Antworten

  1. Ein ziemlich intelligenter Typ. Seine kommunistischen Jugendsünden seien ihm verziehen. Jeder macht in seiner Jugend irgendwelche Dummheiten. Da hat man auch noch gar nicht so die geistige Reife.

    Es ist eine traurige Wahrheit, daß das was gesagt wird weniger wert ist als die Person die sie ausspricht. Ich selbst erwische mich dabei, wie ich mich als redlich arbeitende Person irgendwelchen Schülern und Studenten überlegen fühle und mir bei anderen überlege, daß sie doch erstmal vor der eigenen Tür fegen sollen.
    Ich verleugne auch nicht die Schadensfreude, die ich empfunden habe, als der Moralapostel Michel Friedman mit Zwangsprostitution und Kokain, der* Moral*apostel* Alice* Schwarzer* mit Steuerhinterziehung, und der Nazijäger Sebastian Edathiparambil mit unlasziven Bilder von nackten kleinen Jungs in Verbindung gebracht wurden. Letzterer hat diese Bilder sogar noch verteidigt, weil sie ja nicht illegal sind, sondern grau.
    Einen Geniestreich gelang dem deutschen Musiker und Philosophen Daniel Giese mit einem Coveralbum. Das heißt ja soviel, daß man das Original Wort für Wort nachsingt. Was beim Original als gesellschaftskritische Satire galt, daraus wollte man Giese einen Strick drehen mit Aufruf zur Gewalt und Hetze. Mit diesem Meisterstück hat Giese die gesellschaftliche Heuchelei und Doppelmoral bloßgestellt.

    Auch mit seiner Kritik an der Kommunikationshoheit hat er recht. Ich selbst lege ja einen großen Fokus auf die bewußte Wahrnehmung der Sprache und den Umgang damit in der Diskussion. Ohne dieses Bewußtsein und einem geschulten Gehör wird einem das nicht gelingen. Es ist wie mit dem Führerschein, nach dessen erhalt man beim fahren eine ganz andere Wahrnehmung hat als Leute, die nie einen Führerschein gemacht haben.

    Besonders gut finde ich auch, daß er sich für eine klare Trennung von Asyl und Einwanderung einsetzt, wenngleich er auch keine Position zu Einwanderung und Asyl selbst bezieht. Falls man zu dem Entschluß gekommen ist, man brauche qualifizierte Einwanderer, dann mag es pragmatisch richtig sein, wenn man diese aus den Asylanten rekrutieren kann, aber man setzte damit falsche Anreize und der qualifizierte Facharbeiter, der zuhause geblieben ist, der hat von vornherein keine Chance angeworben zu werden.

    Beim Thema Gewalt macht er sich es etwas zu einfach, aber das bringt mich auf die Idee für einen guten Artikel.
    Gewalt kann als Selbstzweck erfolgen, wie in Fightclubs, bei Hooligans oder auch dem ganz normalen Kampfsport, aber auch bei den primitiven Schlägern, die Gewalt eben nicht in gegenseitigem Einverständnis anwenden.
    Dann kann Gewalt noch als Mittel zum Zweck erfolgen. Bei schlechter Ambition, erfolgt sie meistens in Form von Eigentumskriminalität und Machtsicherung. Bei kleinen Dieben, Räubern und Einbrechern ebenso wie in der organisierten Kriminalität mit mafiösen Strukturen.
    Dann gibt es noch die Gewalt aus edler Ambition. Eine Form davon ist natürlich der Schutz vor sinnloser und niederträchtiger Gewalt. Die kompliziertere Anwendung, die Baberowski jedoch nicht zu sehen scheint, ist die Gewalt als Ultima Ratio, wenn elde Ambitionen aufeinanderprallen und sich gegenseitig im Weg stehen. Diese Situationen sind es, die die Nothwendigkeit eines staatlichen Gewaltmonopols in erster Linie rechtfertigen.

    Daß Baberowski als Historiker keine Prognosen machen will, ist vollkommen in Ordnung. Denn ich sehe nicht die Armut als kennzeichnend für die Verlierer einer Krise, sondern die Brauchbarkeit. Unbrauchbare sind zum Beispiel Arbeitsscheue, Unqualifizierte, aber auch Menschen, die in ich nenne sie mal naturfremden und hochzivilisierten Berufen arbeiten.
    Diese Unbrauchbaren, zu denen auch so gut wie alle Asylbewerber gehören, haben in einer Krise folgende Wahl: Entweder sie verhungern, oder sie versuchen sich als Plünderer. Von diesen Plünderern werden einige erfolgreich und professionell werden, während es die meisten nicht schaffen. Aber nunja, auch die verhungern nicht von heute auf Morgen. Als Gegenmaßnahme wird das bei der produktiven Bevölkerung hauptberufliche Wächter hervorrufen.
    Aber er hat natürlich recht damit wenn er sagt, daß eine entwurzelte und multikulturelle Gesellschaft (hat er toll umschrieben) gewalttätige Ausschreitungen in derartigen Szenarien begünstigt.

    • Abstrus in diesem Zusammenhang die immer wieder lancierte „Gewaltbereitschaft“ bestimmter Gruppen: „Bei Pegida liefen auch 20 Gewaltbereite mit“. In bestimmten Situationen greift jeder zu Gewalt, ist ergo gewaltbereit, und sei es auch nur, wenn er nach der Mücke schlägt, die gerade Blut saugt.

      • Guter Einwand. Dazu habe ich eine Meinung.
        Als Gewalt kann man schon eine grundsätzliche Methode zur Problembewältigung bezeichnen, z.B. gegen eine klemmende Tür.

        Viel interessanter ist natürlich die, sagen wir mal „böse“ Gewalt. Diese richtet sich meiner Meinung nach gegen Artikel 2, 13 und 14 im Grundgesetz. Diese umfassen die Rechte auf freie Entfaltung, Leben, körperliche Unversehrtheit, Wohnung und Eigentum. Nahezu alle Straftaten, die im normalen Sprachgebrauch als gewalttätig gelten, dürften davon abgedeckt sein.

        Mündige Menschen können grundsätzlich ihr Einvernehmen aussprechen bezüglich Gewalt gegen sich selbst und ihr Eigentum. Davon ausgenommen sind im Eigentum befindliche Tiere und die Verletzung möglicher Verpflichtungen, die aus Eigentum enstehen.

        „Böse“ Gewalt sind ebenso Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, insbesondere die in §17 behandelten Verstöße. Allerdings werden vom Tierschutzgesetz nur Wirbeltiere geschützt. Schließlich muß man irgendwo eine sinnvolle Grenze ziehen. Ich will nicht wissen, wieviele tierische Organismen ich jede Minute ganz nebenbei zerstöre. Was unterhalb der Wirbeltiere muß jeder ethisch für sich ausmachen.
        Das töten von Blutsaugern und anderen Parasiten erkenne ich ausnahmslos als vernünftigen Grund an, auch präventiv.

        Ein Sonderfall ist die Kindererziehung. Seit 2000 haben Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Hoffentlich sagt denen das keiner, weil vollkommene Gewaltfreiheit auch vollkommen praxisuntauglich ist.
        Es gibt schmerzende Gewalt und zwingende Gewalt, mit fließenden Übergängen, und diese können beide als Erziehungsmaßnahme oder zum Schutz, auch hier wieder mit fließenden Übergängen, eingesetzt werden.

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