Hunnensturm

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An der kosmopolitischen Fortgeschrittenheit und moralintriefenden Gescheitheit der heutigen Gut- und Buntmenschen könnten sich unsere unverbesserlichen Altvorderen eine Scheibe abschneiden. Wären sie so queerintelligent wie unsere Studenten und Journalisten und anderen Geisterwissenschafter, denen die Bundesregierung aus Kostengründen die Bildung klauen mußte, dann könnten die Chroniken heute berichten:

Es war die Zeit, als Zehntausende hungrige Hunnen an die Türen der europäischen Stämme klopften, um teilzuhaben am Reichtum und um dem Terror zuhause zu entfliehen (die hunnischen Ehefrauen waren für ihr hartes Reglement bekannt). Leider verlief die Inbesitznahme Nord- und Westeuropas nicht ganz reibungslos, immer noch gab es Ewiggestrige, welche die Vorteile durch die Bereicherungen hunnischer Kultur rigoros ablehnten und die kalten Herzens meinten, daß selbst ein wohlschmeckender hunnischer Ziegenbraten die Nachteile der Eingliederung hunderttausender arbeitsscheuer, gewalttätiger und primitiver Steppensöhne in die germanischen Stämme nicht aufwiegen könne. Ein Irrglaube, wie die demokratisch legitimierten Stammesfürsten durch ihre Boten und Anschläge landauf, landab verkünden ließen. Denn denen mangelte es bekanntlich mehr und mehr an treuen Untertanen und willigen Abgabenleistenden.

Doch auch viel Gutes war zu tun, das mit dem Zehnten der fleißigen Bauern bezahlt werden konnte, auf daß die Obrigkeit und ihre Vasallen im Lichte hochgleißender Demütigkeit erstrahlen durften, so wie der heilige Martin, der seinen Mantel mit den Bedürftigen teilte, selbst wenn ihm danach fror. Aber hier war es zum Glück nicht der Mantel der Obrigkeit, sondern der fronenden Untertanen, der zerlegt und den halberfrorenen Barbaren zugeworfen wurde.

 „Hunnen brauchen Freunde“, postulierte ein sofort einberufenes Bündnis, das sich  vor allem darum Sorgen machte, daß sich eine proklamierte (auch noch militante!) Hunnenfeindlichkeit auf der ganzen Welt herumsprechen könne, auf daß jedem Mongolen oder Ägypter oder Eskimo oder sonstwem die Lust vergehen könnte, am europäischen Reichtum teilzuhaben. Dabei war immer noch genug für alle da, denn die Bauern hatten Überschüsse erwirtschaftet und es sah nicht so aus, als wollten sie von ihrem Arbeitseifer lassen, selbst wenn sie vor der Abgabenlast stöhnten und aus Zeitmangel ihre wenigen versehentlich gezeugten Bälger in den Sümpfen rechtzeitig ersäuften.

„Jeder Mensch ist Hunne“, unterstützte Bischof Bonzus Pissolatius das ehrwürdige Anliegen aus religiöser Sicht, denn auch Jesus ging schließlich über Wasser und in andere Länder, ohne seinen Reisepaß vorzeigen zu müssen und wurde dennoch überall als Refugee welcome geheißen. Es sei ein Gebot der Nächstenliebe, nicht an den Nächsten zu denken, sondern an den Entfernten, der auch das Bedürfnis habe, an den Brüsten europäischer Frauen zu nuckeln, so wie deren weggeworfene Babys, welche aber nur lästig waren, weil ihre Aufzucht Mühe machte und frische Fronsklaven für die niederen Dienste bereits in arbeitsfähigem Zustand in den Hunnenkasernen interniert waren. „Liebe den Entferntesten, so wie Dich selbst“, stünde schließlich in der Bibel, welche zu diesem Zwecke von den Stammesweisen neu ausgelegt wurde.

Die Hunnen bereichern unsere germanische Gemeinschaft, meinte auch der überaus geachtete staufische Reichsvogt Brutus Schlawiner beim Blick in die leeren Kassen der Stammesführer. Er hatte eine geniale Idee, wie mit den goldgierigen Eindringlingen zu verfahren sei und wie den doch etwas verwirrten Untertanen der Hunnenansturm schmackhaft gemacht werden könne: Die vielen jungen Hunnenmänner müßten zukünftig auf den Feldern arbeiten und würden somit den älteren Germanen das Altenteil auf ihren wohlverdienten Bärenfellen beim Metsaufen versüßen, so ließ er verlautbaren. Bis dahin hieße es aber für die Bauern leider, den Gürtel etwas enger zu schnallen und die zukünftigen Fronsklaven zu beherbergen und zu verköstigen.

Die Hunnen freilich wurden nicht gefragt, was sie zu diesem Vorhaben meinten. „Money, money“, so hörte man hin und wieder grimmig, wenn man ihnen überhaupt ein Ohr schenkte. Die Fälle häuften sich, in denen sie sich den Besitz der Alteingesessenen ungefragt aneigneten, ebenso die Weiber, welche freilich auch etwas spitz auf die Barbaren waren und ihnen willig ihren Schoß entgegenreckten, da die eigenen Männer sich derweil lieber rosa Kostüme anzogen und gegenseitig die Hinterteile ausleckten.

… Was aus dem Land geworden ist, das dem Hunnenansturm so lüstern-lustlos begegnete? Die Chronik bricht hier ab, es wird vermutet, daß der Chronist seine verbliebene Habe packte, ein Drachenboot bestieg und davonsegelte, woraufhin er nie wieder gesehen wurde.

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3 Antworten

  1. …nur kurz wurde die antike Mediengesellschaft vom Ableben ihres alten Kaisers Helmutian Nikotinius Mogadischus I. von der Hunnenkrise abgelenkt, um danach nur umso stärker wieder in den Arenen und Theatern des langsam verfallenden Reiches in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs einzusteigen. Dieser blieb aber wie immer völlig ergebnislos. Eine wichtige Rolle bei den damaligen tragischen Ereignisse spielte dabei wohl auch die Kaiserin, die sich als Göttin verehren ließ und im auf den Hunnenansturm folgenden „Drei-Kaiser-Jahr“ von ihrem Stellvertreter Feistos I. mit einem Docht erdolcht wurde ( vgl. das bekannte Zitat „Et tu quoque, Sigmar ?“). Dieser aber erlitt im Folgejahr gegen die vereinigten Pegidianerheere der Markomannen, Angeln, Sueben, Friesen, Langobarden, Bajuwaren, Chauken und Cherusker aufgrund katastrophaler taktischer Fehler eine verheerende Niederlage und wurde darauf von seinem eigenen Heerführer, einem einfachen Kreisverbandsvorsitzendem namens Manfred ( später : Kaiser Manfred der I. ) abgesetzt. Über ihn finden sich noch nicht einmal Aufzeichnungen. Die späte römische Republik war damit zum Scheitern verurteilt, Wahlen fanden nicht mehr statt. Die Hunnen blieben zwar unbesiegt, konnten das Trauerspiel aber nicht mehr mitansehen und zogen nach einigen Jahren genervt wieder ab.

    Noch heute ist Ungarn ( engl. „Hungary“ ) nach dem Hunnensturm benannt, wo sie nach diesen Ereignissen eine zeitlang siedelten….

    • Klugscheißmodus an: Die Markomannen und Bajuwaren sind durchaus dieselben. Und bitte nicht die edlen Hermunduren einfach in den Skat drücken. K~ aus.

  2. Reden wir nicht von den damaligen Hunnen, näheres bei Felix Dahn – mit den heutigen Hunnen seit den 70ern, habe ich fast nur Gutes erlebt.

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