Xenophobe Gesellschaft

Daß das Internet böse ist, das ist eine Binsenweisheit der Meinungsmonopolisten: Überall breiten sich darin Informationen aus, die mit den offiziell verlautbarten Meinungen nicht konform sind. So beklagt ein Schreiber des E-Mail-Portals GMX: „Gewalt gegen Flüchtlinge: Im Internet sucht man die Täter und findet die Opfer“.

Der Skribent Michael Wollny stellt empört fest, daß – obwohl es einen alarmierenden Bericht des BKA zu „Gewalt gegen Flüchtlinge“ gäbe – die Suchmaschine Google in ihrer Eingabemaske bei dem Begriff „Gewalt“ immer noch „von Flüchtlingen“, „durch Flüchtlinge“, „von Asylanten“ und „durch Ausländer“ vorschlagen würde, bis endlich „gegen Flüchtlinge“ aufgelistet wird. Da Google aus der Häufigkeit der Suchanfragen generiert, habe das „den Anschein, als demaskierten diese Suchbegriffe das andere Gesicht eines weltoffenen Deutschlands, die Fratze einer erschreckend xenophoben Gesellschaft.

Dabei wisse, „wer sich täglich bildet und auf dem Laufenden hält“ durch die gleichgeschaltete Wahrheitspresse, daß sich die „Gewalt gegen Schutzsuchende“ (damit meint er Asylanten) „in Deutschland nahezu vervierfacht“ habe, und zwar von 28 registrierten Vorfällen im gesamten Jahr 2014 auf spektakuläre 104 im laufenden Jahr 2015. „Googeln muss man das eigentlich nicht.“ (Natürlich nicht, gerade deswegen wird Google auch nicht nach solchen Informationen abgefragt.) Demgegenüber gab es im Jahr 2014 lediglich etwa 60.000 schwere Gewalttaten durch „Nichtdeutsche“, also Ein- und Durchwanderer ohne BRD-Personalausweis.

Auf 2000 nichtfremdenfeindliche Gewalttaten durch Nichtdeutsche kam im Jahr 2014 eine fremdenfeindliche Gewalttat*. Für 2015 liegt das Verhältnis bei etwa 500:1, gemäß Wollny ein eindeutiger Beweis für eine „xenophobe Gesellschaft“. „In der digitalen Welt werden Opfer zu Tätern gemacht“, schlußfolgert der GMX-Meldungenverfasser, der in der Grundschule das Fach Mathematik abwählen durfte. Die Wortkombinationen in der Google-Eingabemaske „spiegeln die krampfhafte Suche nach Argumenten für eine Täter-Opfer-Verkehrung. Das ist beängstigend.“ Beängstigend ist eher die dümmliche Chuzpe von Hanswürsten, welche bei GMX publizieren dürfen.

Dort werden weitere Kausalitäten gesponnen: „Gewalttaten von und durch Flüchtlinge? Wer dazu im Internet eine Bestätigung sucht, kann sie im wahren Leben wohl einfach nicht finden.“ Denn „Gewalt durch Flüchtlinge bietet anhand von Tatsachen und Fakten schließlich keinen Grund zur Sorge – die Fakten und Tatsachen des BKA hingegen schon.

Aber auch beim BKA ist, wer lesen kann, klar im Vorteil: Dieses selbst hat die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik für 2014 veröffentlicht und läßt (noch), zumindest versteckt, die Option offen, Gewalt durch „Nichtdeutsche“ relativ treffgenau abschätzen zu können.

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* Weitere Fakten:

Deliktquote 6.000 zu 1: Es ist nicht ersichtlich, ob bei den 28 Fällen der „Politisch motivierten Kriminalität – Rechts“ (PMK-R) mit fremdenfeindlichem Hintergrund 2014 (bei denen es übrigens 21 Opfer, aber kein Todesopfer und keinen einzigen Haftbefehl gab) auch die „leichte Körperverletzung“ mitgezählt wurde. Falls ja, dann steht die Quote sogar bei 6000:1. Das heißt: Auf 6.000 Gewalttaten und Übergriffe durch Nichtdeutsche (Fremde) im Jahr 2014 folgte eine fremdenfeindliche Gewalttat.

0,023 Promille Opfer der Fremdenfeindlichkeit: Für das Jahr 2014 wurden bundesweit insgesamt 883.973 Opfer von Gewalt- und Sexualdelikten gezählt, demnach sind 0,0023 Prozent (sind gleich 0,023 Promille) aller Opfer einer fremdenfeindlichen Attacke anheim gefallen.

Opferquote 12.000 zu 1: Unter der Annahme, daß 30 % aller Gewalttäter „Nichtdeutsche“ sind, stand im Jahr 2014 über 12.000 Opfern durch nichtdeutsche Fremde ein einziges Opfer durch Fremdenfeinde gegenüber.

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9 Antworten

  1. Morbus langstrumpf – schon davon gehört? Nein? Seltsam. Früher sprach man auch von Wolkenkuckucksheimeritis.
    Immerhin grassiert diese Krankheit in Deutschland (aber auch in Österreich) in zunehmendem Maße.
    Das Haupterkennungsmerkmal ist das totale Ablehnen der Wirklichkeit, das Fehlen von Objektivität, gepaart mit einem phänomenalen Dogmatismus, von dem Mao Tse Tung nur träumen hätte können. Streckenweise grassiert diese Krankheit derart, dass sie schon vor Jahren sogar in die kindliche Folklore Einzug gehalten hat:
    „[…] ich mache mir die Welt,
    Wiediewiedie sie mir gefällt!“
    Singt da die ProtagonistIn, deren Vater ein bekannter „Südseekönig“ ist.

    • Das Gefährliche ist ja nicht, daß es dumme Menschen gibt, die gab es immer. Gefährlich ist, daß diese eine Gefahr vorgaukeln, wo keine ist, und dort Gefährdung leugnen, wo sie immanent ist. Das schafft falsche resp. fehlende Vorurteile und kann im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein.

      • Aber wem vermitteln sie dann diese Irrrführungen? Wer glaubt ihnen dann? Wohl hauptsächlich jene Zeitgenossen, die es immer noch schaffen, ihre Augen vor den Tatsachen zu verschließen bzw. es vorziehen, lieber alles durch die vielbenutzte rosa Sonnenbrille zu sehen.

        • Keine Ahnung, wer noch auf derart plumpe Propagandalügen hereinfällt, welche selbst die absurdesten Zeitungsenten kurz vor dem Ende der DDR in den Schatten stellen. … Wahrscheinlich die 50 Prozent am unteren Ende der IQ-Skala.

          • Das eben zehrt ein wenig an meiner Kampfmoral: Die Diskrepanz zwischen dem staatsoffiziell verkündeten Blödsinn einerseits, und der schnöden Realität andererseits, ist doch deutlich größer, als in der Endphase der Zone, und dennoch finden sich immer noch reichlich Verstrahlte, denen eingeredet wurde, Exkremente mit dem Teelöffel gefressen, wären ein Leckerbissen.
            Aber sei’s drum, noch habe ich Fett um die Herzwurzeln.

    • „Hennes pappa var en negerkung“ – stand noch vor zehn Jahren in Langenscheidts (Långslidans, kleiner Kalauer von mir) Schwedisch für Anfänger.

  2. Zu den Verweisen oben: Die können sich ja untereinander schon nicht ausstehen, Afghanen gegen Syrer, Araber gegen Türken etc. Bald alle gegen uns? Wenn ich auch nur in die lokalen Polizei-Pressemeldungen sehe, dann ist das bereits vielfach schon der Fall. Selbst wenn sie überwiegend friedlich bleiben, es sind um Größenordnungen zu viele! Man versucht uns gleichsam aufzulösen. Noch ein Video von „Billy Six“ dazu: https://www.youtube.com/watch?v=SOCxUXi-e-k

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