Heerlager (I)

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Gestern das „Heerlager der Heiligen“ angefangen zu lesen. Keine blumige Prosa, eher ein hölzerner Zustandsbericht, der in den 1970ern freilich noch als Science Fiction gedacht war. Der französische Schriftsteller Jean Raspail berichtet über die Anlandung von Millionen verhärmter, halbverhungerter Inder an der Südküste Frankreichs. In der Vorhersehung sind insbesondere die exemplarischen Charaktere interessant, welche die Psychodynamik der heuer handelnden Protagonisten in frappanter Übereinstimmung widerspiegeln.

Der Text beginnt sogleich mit dem Blickwinkel eines Literaturprofessors, welcher in einem ehrwürdigen Haus an der Küste zwischen angehäuften Requisiten lebt und die Anlandung der Invasoren direkt miterlebt. Interessiert, aber emotional teilnahmslos. Er ist ein Vertreter des alten Europas, also jenes der Kultur, der Ästhetik, des Feingefühls für tiefere Fäden zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er läßt die Augen in seinem dreihundertjährigen Hause umherschweifen:

… Dafür brauchte er viel Zeit, denn er verweilte lange bei jedem Gegenstand. Jeder Blick war für ihn wie ein Liebesakt. Manchmal kamen ihm die Tränen, Tränen der Freude. Jeder Winkel dieses Hauses erzählte von der Würde derer, die es bewohnt hatten, von ihrer Lebensart, ihrer Weisheit, ihrer Bescheidenheit und ihrem Geschmack für Traditionen, deren Segen sich nur dann entfalten kann, wenn man nicht aufhört, sie zu respektieren. Die Seele des alten Herrn, wohnte in den Bucheinbänden, den bäuerlichen Möbeln, in der Madonna aus Holz, in den großen, geflochtenen Stühlen, in den Keramikfliesen, in den Deckenbalken, in dem elfenbeinernen Kruzifix, das in einer Kiste aus getrocknetem Buchsbaumholz aufbewahrt wurde, und in hundert anderen schönen Dingen. Gegenstände erziehen den Menschen besser als Ideen. Die Ideen waren es, die den Menschen des Abendlandes dazu gebracht hatten, sich selbst zu verachten. … wobei er [der abendländische Mensch; sic!] dumpf ahnte, daß seine Selbstaufgabe bereits mit dem von ihm verschuldeten Ausfluß all der Häßlichkeiten begonnen hatte, die es nicht wert waren, verteidigt zu werden. Vielleicht war das eine Erklärung?

Fixe Ideen waren es, die im Ausklingen der kulturellen Sinnstiftung Europas hin zu einer funktionistischen Euro-Technokratie monetär alimentiert wurden, zwischen visionären Hippies, die das Erbe ihrer Eltern verkifften, und sozial engagierten Linksextremisten, die Staats(steuergelds)knete kassierten und verteilten. Zwischendrin Partys, Discos, Festivals, Gendermainstreaming, Weltreisen, Öko, Yoga, Antirassismus, Jubel, Trubel, Heiterkeit – ein verlottertes Wohlfühlumfeld, grell, aber hinter den bunten Kulissen umso hohler.

Die höheren Weihen der Lebensumstände der letzten Bewahrer, wie jenen des Literaturprofessors, sind den Vielzuvielen unbegreiflich; diese Selbstverständlichkeit, tief in einer Vergangenheit langsam fließend leben und sich auf einen ewig-wahren Kristallisationspunkt berufen zu können, in der hektischen Momentaufnahme urbaner Schnellebigkeit abseitig und vergessen zu sein, umso tiefer aber auch in die Zukunft greifend. Verdächtig, wer über solch eine Bastion des Eigenen verfügt, die den Entwurzelten fremd, ja ungeheuerlich erscheinen muß, eben weil sie spüren, nie in ihren Genuß zu kommen, entweder aus Unfähigkeit oder Faulheit oder anderen angeborenen und sozialen Defekten.

Sich auf ein eigenes Refugium zu berufen, das ist für die Refugee-Welcome-Schreihälse bereits ein Verbrechen in toto, denn „Heimat ist scheiße!“ Und so ist es verständlich, daß die in der Erosion des Abendlandes immer weniger werdenden feinfühligen Menschen ihre Bezüge außerhalb des Greifbaren suchen, zuletzt der Dramatiker Botho Strauß in der Traditionslinie „von Empfindungs- und Sinnierweisen, die seit der Romantik eine spezifisch deutsche Literatur hervorbrachten“.  Dabeierneuert er einen Gedanken, mit dem sich große Geister oft über ihre dürftige Zeit hinweggetröstet haben: daß ihre eigentliche Gegenwart all die Geistesverwandten der vergangenen Jahrhunderte seien, mit denen man so etwas wie einen überzeitlichen Geheimbund geschlossen hat.

Doch zurück zum Zitat: Davon einmal abgesehen, daß das elfenbeinerne Kruzifix, in einer Kiste aufbewahrt, auch ein Wink auf Herkunft und Gegenwert ist (Kolonialismus und Mißachtung), so ist der verteidigungsunwürdige Ausfluß an Häßlichkeiten und Einfältigkeiten gewiß eine Erklärung für die Niedertracht der herrschenden Zustände. Uns fiel bereits angesichts der letztjährigen Negeraufmärsche in Hamburg auf, wie ähnlich in Kleidung und Gebaren sich der Schwarzen hellhäutige Butler und Dirnen gerierten: Jeans, buntbedruckte Kleidung aus ostasiatischer Textilausbeuterei, ausdruckslose Gesichter: Niemandsseelen. Typen, die mit Recht grölen: „Wir sind alle gleich!“ Und genau eine solche Type taucht, in freudiger Erwartung der Invasoren, bei dem Literaturprofessor im Roman auf:

… Er hatte lange Haare, blond und schmutzig, trug Jeans und abgenutzte Turnschuhe. Sein Blick verriet eine schlappgewordene Seele. Damit war er ein ziemlich typisches Exemplar jener randständigen Parasiten, die Europa heute zu Hunderttausenden absondert und die in seiner Brust zum Krebsgeschwür einer Art dritter Welt von innen herangewachsen sind.

Dieses Furunkel, seines Ausgeschlossenseins aus allem Ehrwürdigen, Sinnlichen und Heroischen und damit seiner Minderwertigkeit bewußt, erwartet die Ankunft „einer Million Christusse, die morgen auferstehen werden“ mit heißer Erregung. Denn: „Morgen wird man das Land nicht mehr wiedererkennen. Es wird wie neu geboren sein.

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Dieser Erlösungsgedanke ist auch in der institutionell und medial hofierten Refugee-Welcome-Sekte virulent: Wir selbst trafen in einer bundesrepublikanischen Großstadt vor einigen Wochen eine kinderlose Lehrerin in den besten Wechseljahren, welche während eines längeren Zwiegesprächs meinte: „Das sind Engel, die zu uns geschickt werden.

Das schmutzige Exemplar aus dem Roman hofft, seine zur Unerträglichkeit gesteigerte, gefühlte oder indoktrinierte Minderwertigkeit kompensieren zu können: „Mit der ersten, die sich anbietet, werde ich ein Kind machen, ein dunkelhäutiges Kind. Dann bin ich ihresgleichen“ und begründet sein sehnsüchtiges Wollen mit miefigen Instinkten: „Weil ich dies alles hasse. Weil das Weltgewissen verlangt, daß man dies alles haßt.“ Er meint das Abendland, allerdings jenes der ihm bekannten Verfaßtheit, in welche er selbst ein- und ausgespült wurde und die er mitverursacht, und dem tiefer nachzuspüren ihm nie eine Gnade zuteil wurde.

Und auch das wirft ein Abbild auf die Refugee-Welcome-Industrie, welche mit Moralin und Mitleid hausiert, die Aufnahme aller Milliarden Hungernder nach Deutschland fordert, um sie – in was eigentlich? – zu integrieren, aber die handfesten Kosten und Probleme auf die Allgemeinheit abwälzt: In großzügiger Verteilungsmentalität schwadroniert das im Auflösungschaos plötzlich an der Oberfläche schwimmende parasitäre Exemplar: „… außerdem gehört jetzt alles mir. Ich bin sozusagen ein König und werde ihnen mein Königreich schenken.“ So, wie die realexistierenden Fluchthelfer & Co. den Gierenden dieser Welt Deutschland und Europa schenken, ohne zu diesem selbst etwas wirklich Wertstiftendes beigetragen zu haben.

Aber es gibt im Roman auch welche, die sich tatsächlich in Bescheidenheit üben. So veräußert der amtierende Papst all die von der katholischen Kirche über Jahrhunderte angehäuften Schätze zugunsten der Bedürftigen der Dritten Welt. Aber:

Moralisch gesehen hatte er bloß seinen Reichtum aufgedeckt. … Die Dritte Welt machte ihm daher auch schnell Vorwürfe, und er verlor jede Glaubwürdigkeit. Seitdem war seine Heiligkeit infolge selbstgewählter Mittellosigkeit in ihrem öden, schäbigen Palast herumgeirrt und schließlich in einer leeren Wohnung wie ein armer Landpfarrer gestorben. Auf einem eisernen Bettgestell … leider nicht am Kreuz vor dem versammelten Volk, wie er es gern gehabt hätte.

Aber wir greifen mit dem letzten Absatz voraus auf die realexistierende Geschichte. Die Fortsetzung folgt, wir sind in dem Buch erst auf Seite 38 von 413.

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4 Antworten

  1. Hat dies auf diwini's blog rebloggt.

  2. tatsachen sollten fuer sich sprechen…aber gerade darum dreht sich der kreisel! tatsachen werden vermieden und mit nationalsozialistischem hass entgegengetreten! nur dass sich die farben geaendert haben!

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