Ressentiments

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Das sind nachvollziehbare Überlegungen, welche der Journalist und Lügenpresse-Kritiker Michael Klonovsky in sein Tagebuch diktierte:

Der Souveränitätsmangel, mit welchem diejenigen unserer Medienvertreter auf den „Lügenpresse“-Plakatismus reagieren, die sich offenbar angesprochen fühlen, hat weniger mit dessen allmählich recht klotzigem Wahrheitskern zu tun, als vielmehr mit dem Auflagen- und Bedeutungsschwund sämtlicher in ihrer Selbstwahrnehmung immer noch hochbedeutender Zeitungen und Magazine dieses Landes. Die Wahrscheinlichkeit, dass in zehn Jahren noch ein einziges der großen BRD-Blätter existiert, würde ich nicht höher veranschlagen als die, dass Borussia Dortmund in diesem Jahr absteigt und zugleich die Champions League gewinnt – es sei denn, sie werden alimentiert. Auf den aus vielerlei Gründen sinkenden Schiffen der sogenannten Qualitätspresse suchen viele aufgescheuchte Redakteure und Redaktricen nach Rettungsbooten, weshalb sie sich mit ihren Beiträgen immer williger bei Parteien und Verbänden (und in der Wirtschaft) andienen und deren Positionen immer aggressiver ins Leserland tröten. Die Insel, von der sie inzwischen träumen – sofern sie sich nicht rechtzeitig aufs Altenteil retten können –, ist der von den Bürgern zwangsalimentierte Staatsfunk; andere mögen hoffen, dass eine oder zwei Gazetten im Moment des Konkurses verstaatlicht und die Redakteure verbeamtet werden, weil die Bundesregierung nach dem Zusammenbruch des Journalismus am Markt wenigstens pro forma so etwas wie einen potemkinschen Medienpluralismus aufrechterhalten will.

Zum blöden Gefühl, die Deutungshoheit über das Tagesgeschehen an das basisdemokratische Internet verloren zu haben, gesellt sich bei vielen Journalisten die schiere Existenzangst. Kleinbürger mit Abstiegsängsten suchen bekanntlich Sündenböcke und neigen zu aggressivem Verhalten; in Krisensituationen schlagen sie sich sofort und umstandlos auf die Seite des je Stärkeren. Man muss die Ängste dieser Menschen und ihre dumpfen Ressentiments ernstnehmen.

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Eine Antwort

  1. Selbst wenn der Staat einzelne Altmedien finanzieren würde, wäre es
    nutzlos. Meinungslenkung braucht ja – wie Werbung auch – Adressaten in ausreichender Menge

    Ohne Adressaten kein Erfolg.

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