Haß von Leipzig

Es war ein halbstaatlich organisiertes Großaufgebot: Aus Grimma karrten Sonderbusse die Menschenmassen nach Leipzig, aus Halle kam gar ein Sonderzug mit Studierenden_innen, wie einst zu den Weltfestspielen der DDR-Jugend. Die mit Steuergeldern gefütterten Theatermacher der Stadt gaben ihren Angestellten frei, damit sich diese prekär bezahlten „Mitarbeiter in den Legida-Gegenprotest einreihen“ können. Regionalfunk und -presse peitschten seit Tagen ihre Leser und Hörer auf, die Bezirks- und Kreisleiter der SED gaben Verhaltensanweisungen: Auf der Demonstrationsstrecke des Leipziger Pegida-Ablegers LEGIDA sollten die Anwohner das Licht ausmachen und die von der Obrigkeit mißbilligten Demonstranten lautstark mit Beethovens „Ode an die Freude“ beschallen.

Die staatlich organisierten oder zumindest alimentierten Gegendemonstrierer zogen von mehreren Stationen aus in Richtung Zentralstadion. Bei einigen der Aufmärsche herrschte eher Langeweile; die Islamisierungsbefürworter trotteten Fahrzeugen mit Musikbeschallung oder einigen Bongotrommeln unfröhlich hinterher. Hysterischer war hingegen die Stimmung bei den radikaleren Linksextremisten. Eine aufgedrehte Frauenstimme heizte dem vielleicht achthundert Personen umfassenden Auflauf am Zentralstadion agitatorisch ein, kreischte über Menschenhaß und Rassismus.

Die Zugänge zum Legida-Treffpunkt aus Richtung Innenstadt waren großräumig versperrt, so daß sich Interessierte entweder durch den dicken Gürtel an Gegendemonstrationen hindurch drängeln oder den weitläufigeren und bewaldeten nördlichen Zugang wählen mußten. Dort aber wüteten später die Linksextremisten, behelligten mutmaßliche Teilnehmer der Legida-Demonstration und entglasten abgestellte Pkw. Auch eine „Nobelkarosse“ soll laut Polizeibericht „in Flammen aufgegangen“ sein.

Irgendwann waren fast alle Zugänge zu den Islamisierungskritikern durch krakeelende und randalierende Linksextremisten versperrt. Frauen und Kinder seien aus diesen im Vorfeld absehbaren Sicherheitsdefiziten zu Hause geblieben, berichten mehrere der überwiegend männlichen Legida-Teilnehmer. Ein Presseorgan wird das später lapidar kommentieren: „Was soll man dazu sagen, wenn Redner behaupten, der Staat würde bezahlte Schlägertrupps aufstellen, um die Menschen vom Demonstrieren abzuhalten?

Daß sich angesichts derartiger Umstände dennoch knapp 5000 Menschen auf dem Platz vor dem Zentralstadion sammelten, dürfte nicht nur die regionalen Macht-Clans verwundert haben, sondern auch den Veranstalter selbst. Dieser war mit seiner Lautsprechertechnik offenbar überfordert: Die Reden waren schwer verständlich, vielleicht auch zu langatmig, mit Ausnahme des die Menge begeisternden und einbeziehenden Grußwortes des französischen Schriftstellers Richard Millet. Höhepunkt für die Teilnehmer der ansonsten ohne nennenswerte Einschränkungen oder Zwischenfälle verlaufenen Veranstaltung wird wohl der eigentliche Spaziergang gewesen sein.

Aus vielleicht einem Dutzend von Tausenden wunderbar sanierten Häusern (von denen einige frisch mit „Nolegida“ besprüht waren) hingen provokante Transparente, einige von denen hatte bereits der Wind bis zur Unlesbarkeit zugerichtet. Aus ebenso vielen Fenstern schallte tatsächlich mehr oder weniger laut der Auszug aus Beethovens Neunter, welcher von Demonstranten mitgesungen oder mitdirigiert wurde. Der Spaziergang erhielt dadurch einen festlichen, fröhlichen und friedvollen Charakter. Dort, wo daraufhin die Musik pikiert ausgeschalten wurde, riefen die Spaziergänger in Sprechchören „Wir woll’n Musik“ oder „Zugabe“.

Die haßerfüllten „Nazis raus!“-Rufe der in Seitenstraßen oder am Straßenrand postierten Unterworfenen wurden mit „Nazis raus!“-Rufen in deren Richtung beantwortet, so daß Legida und NoLegida zwar ein gemeinsames Feindbild konsultierten, mit diesem jedoch jeweils die Gegenseite bedachten. Die Demonstranten forderten mehrstimmig auch die an den Fenstern hockenden Anwohner zum „Reiht euch ein!“ und „Schließt euch an!“ auf, sprachen sie aber auch persönlich an.

Ein Zentralorgan titelt nun: „Der Hass von Leipzig“, meint jedoch nicht den Haß auf LEGIDA, der dazu führte, daß die Demonstration nur unter widrigen Umständen stattfinden konnte, daß Teilnehmer bedrängt und Autos zerschlagen wurden, sondern den „Haß“ der friedlichen Islamisierungskritiker, welche auch den Polizisten in Sprechchören „Eins – zwei – drei – Danke an die Polizei“ für deren neutralen und sicherlich nicht angenehmen Einsatz dankten.

Die Zeitung stellt resigniert fest, daß die kritische Menge an Islamisierungskritikern in Leipzig wohl schon beim ersten Anlauf überschritten sei, ab welcher sich Demonstranten im „Inneren des Legida-Demonstrationszuges … einer ganz anderen Welt“ – anstatt sich von Gegendemonstranten einschüchtern zu lassen – dem Rausch ihrer eigenen unüberschaubaren Menge hingeben können:

Es wäre naiv, anzunehmen, dass die sich von den Gegendemonstranten haben verunsichern lassen. Oder dass das einfach wieder einschlafen wird. Hier ist heute frische Begeisterung ausgebrochen. „Nächstes Mal bringt jeder einen mit“, beendet der Redner die Veranstaltung. Und die Menge johlt ein letztes Mal. Für heute.

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7 Antworten

  1. Der SPIEGEL:

    In Leipzig protestierten am Montagnachmittag nach Angaben des Stadtsprechers rund 30.000 Menschen gegen den ersten Aufmarsch von Legida. Mit ihren Sprechchören übertönten sie die mehreren hundert Legida-Anhänger. Der Aufmarsch des islamfeindlichen Bündnisses wurde laut Polizei so massiv von Gegendemonstranten blockiert, dass er zunächst nicht starten konnte.

    Seltsam, daß – so wie bei der Staatsdemonstration vor der Dresdner Frauenkirche – von der Presse die vom Veranstalter genannten Teilnehmerzahlen weiterverbreitet werden, während bei den islamisierungskritischen Demonstrationen bestenfalls polizeiliche Zählungen herangezogen werden.

    „Mehrere hundert“ Legida-Anhänger waren nach polizeilicher Zählung 48-hundert. Die wurden von keinen Sprechchören übertönt. Gestartet wurde jeweils pünktlich und ohne Verzögerungen.

    Und das vom selbsternannten Qualitätsblatt SPIEGEL. Das ist einfach nur peinliche Desinformation!

    • Zum Auszug aus dem Spiegel, ich finde die Redakteure sollte sich langsam Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Für solche „Artikel“ wird in nächster Zeit leistungsfähige Software auf den Markt kommen, die die Arbeit dann den Rechner erledigen lässt. Obwohl diese Sätze mir so vorkommen als sei dies bereits der Fall.

  2. Der SPIEGEL schafft sich schon lange selbst ab; Stückchen für Stückchen hat er sich in der Vergangenheit vom selbsternannten Qualitätsblatt verabschiedet. Die sogenannten „Qualitätsmedien“ unterliegen einem einzigen Fehler: Zu glauben, dass man ewig so schreiben kann, wie es selbst gefällt. Die Abkehr von Wahrheit und Klarheit werden sie meines Erachtens alle in die Knie zwingen, weil immer weniger solche Zeitschriften kaufen.

  3. Es gibt auch eine lesenswerte Lagebeschreibung von Ellen Kositza, in dem Artikel ist ein Verweis zu dem Grußwort des französischen Schriftstellers Richard Millet enthalten.

    http://www.sezession.de/47982/legida-zum-ersten.html

  4. Das Unwort des Jahres benutze ich ausnamsweise nicht, aber dass die Presse manipuliert ist unabstreitbar:

    Doch keine Anführer von Millionen?

    Staats- und Regierungschef demonstrierten am Sonntag in Paris – entgegen den bisher verbreiteten Eindrücken – abgeschottet von den Millionen.
    http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4636907/Doch-keine-Anfuhrer-von-Millionen?xtor=CS1-15

    Schöner Artikel zum Unwort:
    http://sciencefiles.org/2015/01/13/von-der-lugenpresse/

  5. Angesichts derart unverfrorener Lügen kann man nur noch den Kopf schütteln:

    Besonders schlimm scheint es in Leipzig gewesen zu sein, wo fast 5000 Menschen Ausländerfeinden zujubelten.

    O-Ton in Leipzig (sinngemäß): „Wir haben nichts gegen Ausländer ….“ (Tausendfacher Beifall) … „Wir haben nichts gegen echte Flüchtlinge ….“ (Tausendfacher Beifall)

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