Cui bono

NSU-Phantome

„Wann gab es schon einmal einen Fall, in dem die Beweislast gegen die vermutlichen Täter gleichzeitig so klar und so widersprüchlich erscheint?“, fragt ein Journalist der Gleichstrompresse. Die Auflösung ist denkbar einfach: Die offiziell verkündete Wahrheit korreliert nicht mit der Realität.

Man muß schon ziemlich schräg drauf sein, um in der „Vertuschung der Mitverantwortung staatlicher Behörden“ erkennen zu wollen, daß „der Staat“ aus ausländerfeindlichen Beweggründen, oder um eine rechte Szene zu goutieren, Morde an Dönerbudenbesitzern förderte. Dies würde nur Sinn machen, wenn machthabende Eliten derartige Vorfälle als totalen, also „ernstzunehmenden Widerstand der Bevölkerung“ gegen Einwanderung propagandistisch ausschlachteten, um als Konsequenz zu rigorosen Maßnahmen gegen die von den Terroristen postulierte „Überfremdung“ zu greifen.

Das Gegenteil aber ist der Fall: Der NSU-Komplex wird in der medialen Propaganda gegen jene verwendet, welche laut offizieller Lesart die „perfiden Mordanschläge“ auf die wahrscheinlich gesellschaftlich anerkanntesten der Einwanderer ausgeübt haben sollen (eine große Mehrheit der Bundesbürger speist Döner und hat somit auch Bezug zu Dönerverkäufern). In größter Eile wurden von höchster Stelle Schweigeminuten zelebriert und Schweigegelder an die Opfer gezahlt, welche ihnen freilich nur dann zustehen, wenn der „NSU“ Täter ist und bleibt. Lange vor der Aktendurchsicht durch NGO’s wurde somit die Schuldfrage zementiert.

Die Frage nach dem Cui bono steht im Raum. Für die Rechtsextremisten jedenfalls dürfte der Weg in einen militanten Widerstand, welcher möglicherweise nach Jahren gefühlter Repression und der aus ihrer nationalistischen Sicht katastrophalen Zustände überlegenswert erschiene, für die nahe Zukunft diskreditiert sein. Ein Widerstand, der den Tod Unschuldiger tunlichst vermeidet, weil er um Zustimmung in der Bevölkerung buhlt, ist nach dem so dargestellten wahllosen und heimtückischen Abgeballere ausländischer Kleinunternehmer jedenfalls nicht mehr möglich.

Die Karten liegen offen, wenn man den Impetus des inszenierten NSU mit der „Staatsräson“ abgleicht (die in Wahrheit nur die Räson des politisch-medialen Komplexes ist, welcher den Staat für seine Zwecke korrumpiert hat), mit den migrantophilen Sonntagsreden der Bundespräsidenten oder der fortdauernden Propagierung eines ökonomischen Bedarfs an importiertem Menschenfleisch. Jede Kritik kann mit Verweis auf den NSU diskreditiert, jede repressive Maßnahme gegen eine sich formierende Opposition legitimiert werden.

Der Verfassungsschutz ist in der Rechtsextremistenszene derart gut vernetzt, daß die Behauptung, ihm wäre da eine mordende Terrorgruppe entgangen, vollkommen absurd ist. Erst mit der umfassenden Überwachung des über die Jahre spießig gewordenen Ex-Nazi-Trios aus Jena macht die Aktenschredderei beim bundesdeutschen Geheimdienst Sinn.

Daß die „harmlosen Ostsee-Urlauber“ für eine „größere Sache“ benutzt wurden, liegt angesichts der ausgelegten roten Heringe auf der Hand: auf dubiosen Wegen verteilte „Bekenner-DVD’s“ ohne direktes Täter-Bekenntnis, ausgeschlagene Waffennummern auf DER im Brandschutt drapierten Tatwaffe (hey Uwes, wozu das denn?), der auf Islamismus angesetzte VS-Bedienstete Andreas T. bei einem Dönermord, bei welchem die „Täter“-Uwes definitiv nicht anwesend waren, die Rußlungenlüge der höchsten Ermittlungsbeamten und so weiter und so fort.

Aber warum schweigen die Angeklagten und Zeugen im NSU-Showprozeß? Etwa, weil sie das Schicksal der mysteriös dahingeschiedenen „Haupttäter“ oder der beiden plötzlich verstorbenen Zeugen Heilig und Corelli nicht teilen wollen?

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4 Antworten

  1. Zitiert von einem TAZ Kommentar:

    Nach Beate Zschäpes freiwilligem Stellen bei der Polizei war zu vernehmen, dass die Verdächtige die Ankündigung machte, beim Gerichtsverfahren auszusagen. Ihre Anwälte rieten ihr davon jedoch ab, so las ich das irgendwann mal.

    Bei Zschäpe frage ich mich jedoch: Wenn sie die Wohnung in Brand gesetzt hat, um alle Beweismittel und Spuren zu vernichten, warum hat sie dann die DVDs mit den Bekennervideos verschickt, womit sie alle Morde, Anschläge und Überfälle zugegeben hat? Macht doch die Brandaktion völlig sinnlos.

    Die offizielle Version der Anklage hat so einige Logiklöcher. Die Staatsanwaltschaft kann von Glück sagen, dass die beiden Uwes tot sind. Denn eine Tatbeteiligung ist kriminalistisch beiden nicht nachzuweisen. Die Anklage stützt sich alleine auf die Waffenfunde, welche das Trio durch in Brandsetzung des Wohnmobils und der Wohnung eigentlich zu vernichten suchte. Gleichzeitg lieferte das Trio sein Geständnis durch die Bekennervideos der Staatsanwaltschaft auf dem Silbertablett. Paradox! Damit hat Beate Zschäpe zugegeben, von den vermeintlichen Taten der Uwes gewusst zu haben, sowie an Planung und Durchführung dabeigewesen zu sein. Wozu also noch ihre Aussageverweigerung?

    Was passiert aber, wenn Beate Zschäpe irgendwann doch noch aussagt und damit die Version der Staatsanwaltschaft ins Wanken bringt? Letztendlich lebt die Anklage mit der Aussageverweigerung Zschäpes eindeutig besser – und die Verteidiger wahrscheinlich auch. Und vor allem die Politik, die weit vor Abschluss des Gerichtsverfahrens Entschädigungszahlungen und Straßenumbenennungen angeordnet haben – einmalig in der deutschen Rechtsgeschichte. Für mich ein deutliches politisches Zeichen an die Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren jetzt auf keinen Fall mehr vom vorgezeichneten Kurs abweichen darf. Daher überrascht es mich nicht wirklich, dass der Wunsch auf Verteidigerwechsel abgelehnt wurde.

  2. Zschäpe wollte aussagen, und die Kronzeugenregelung, es ging um ihre V-Frau Rolle, so wurde spekuliert.

    Man hat es ihr auftragsgemäss ausgeredet. Zu gefährlich, nicht für Zschäpe, sondern für den Tiefen Staat, den es gar nicht gibt 😉

    Findest Du im Blog…

    ______________________________

    Es sind 2 einfach verständliche Sachstandsberichte im Blog, ganz neu, die die Fakten zusammenfassen und genau das benennen, was ermittelt werden muss, aber bisher nicht ermittelt wurde.

    Einmal zur Vorgeschichte, und zur Ceska.

    Was ist zu tun, wo muss ermittelt werden?

    wer-nicht-fragt-bleibt-dumm.blogspot.com/

  3. Hallo,

    interessanter Kommentar aber muss die Bezeichnung „Dönermord“ sein?? Von den neun Opfern war auch nur eins „Dönerbudenbesitzer“ (und eins ein Aushilfsverkäufer in einer solchen) Nazis bezeichnen Türkischstämmige immer als Ali oder eben als Döner..Warum diese Sprache übernehmen??

    • Als „Dönermorde“ galten sie auch offiziell, als sie noch nicht dem ominösen NSU, sondern der profanen Schutzgeldmafia zugeschrieben wurden. Seinerzeit störte sich noch niemand an dem Begriff.

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