Verbindlichkeiten

Wohl Heimat

Der Sozialwissenschaftler Manfred Kleine-Hartlage beschreibt in seinem Buch „Die liberale Gesellschaft und ihr Ende“ die der Aufklärung (also der Lösung bisheriger Selbstverständlichkeiten) innewohnende Tendenz zur Selbstzerstörung:

Eine Gesellschaft, die Freiheitsrechte immer weiter treibt und hergebrachte Selbstverständlichkeiten unter immer höheren Begründungszwang stellt, sägt den Ast ab, auf dem sie sitzt. Sie ist dann immer weniger in der Lage, die Stabilität wechselseitiger Erwartungen sicherzustellen, die die Bereitschaft zu ethischem Handeln ebenso hervorbringt, wie sie darauf beruht. Die Aufklärung hat eine Tendenz zur Selbstzerstörung.

In dem Maß, in welchem Verbindlichkeiten erodieren, schwindet die zwischenmenschliche Verbindung. Die vielfältig ambitionierten Zerstörer traditioneller Gemeinschaften eint der Versuch, durch eine Utopie, die in ihrer Umsetzung eine totalitäre Ideologie ist, neuen Konsens zu stiften.

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2 Antworten

  1. Ja MKH traut sich die geheiligte „Aufkärung“ zu kritisieren. Dafür sei ihm gedankt. Zwar war m.E. die Aufklärung wichtig in Bezug auf Wissenschaft und Technik, aber die auf die Spitze treibende Kraft des alles Hinterfragens menschlichen Zusammenlebens in unserer christlich- abendländisch geprägten Zivilisation erweist sich zunehmend als tödlich, für eben diese Zivilisation.

    MKE meint dann auch, „ein Zurück hinter die Aufklärung gibt es nicht“. Ist erst einmal etwas „in Frage gestellt“ dann steht es in Frage.

    Die süssen Früchte vom Baum der Erkenntis, zu oft genascht, erweisen sich zunehmend als giftig.

    Gehe ich von der Annahme aus, dass das „Dichten und Trachten des Menschen böse von Jugend auf“ ist, bin ich (selbst)kritisch beim „in Frage stellen“ menschlicher Gemeinschaften wie Ehe, Familie, Volk, Nation, Zivilisation.

    Gehe ich aber von der Annahme aus, dass der Mensch eigentlich GUT ist, nur die Verhältnisse sind böse, dann kann ich alles in Frage stellen, zerstören und umbauen. Der Ausdruck „GUTMensch“ kommt nicht von ungefähr.

    Den sog. universalen Menschenrechten der Aufklärung, stehen die 10 Gebote des jüdisch-christlichen Menschenbildes diametral entgegen.

    Der universale gleiche freie und gute Mensch ist Fiktion.

  2. Hatte auch vor dieses Buch zu kaufen. Studiere im Moment allerdings ein anderes Buch.

    Habe schon zwei Bücher von Kleine-Hartlage gelesen. Sehr gute Bücher.

    @Rucki
    Weißmann stellt ebenfalls die Aufklärung infrage. Auch seine Darlegungen sind ausgesprochen interessant. Deine Abschlußthese kann man nur unterstreichen. Bezüglich dessen ist als Lektüre auch Macchiavelli zu empfehlen.

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