Rassismus

Orient Occident

In einem Interview des BRD-Magazins Spiegel mit dem russischen Philosophen Alexander Dugin erklärte dieser: „Jeder Westler ist ein Rassist – kein biologischer, wie Hitler, aber kulturell. Deswegen denkt er, es gebe nur eine Zivilisation – oder Barbarei. Und diese Zivilisation beruhe auf Demokratie, Fortschritt, Menschenrechte, freie Marktwirtschaft und individuelle Identität. Die Barbarei aber negiere dies alles, aus irgendwelchen religiösen Gründen. So denken die Westler, deswegen sind sie kulturelle Rassisten.

Hier muß zunächst eine Begriffsentwirrung vollzogen werden, ist doch Rassismus eigentlich als Phänomen definiert, „daß man sich um sich selber und die Seinigen im Zweifelsfall größere Sorgen bereitet als um Fremde.

Dugin bezieht sich in seinem Buch „Die Vierte Politische Theorie“ auch auf den Ethnosoziologen Claude Lévi-Strauss, welcher die These vertrat, daß die Kultur die Rassen beeinflusse, und nicht die Rasse die Kultur, wie jahrzehntelang von den Rassetheoretikern dargestellt. Faktoren, welche sich auf die Weitergabe von Genmaterial auswirken, seien gesellschaftlicher Natur, dementsprechend wären Rassenmerkmale Resultate kultureller Erscheinungen. Eine steile Behauptung ist allerdings, daß auch phänotypische Merkmale, welche durch regionale Selektionsfaktoren ausgebildet werden, kulturell bedingt seien.

Die Selektion innerhalb einer Gruppe ist natürlich immer auch kulturell bedingt, von der Kindstötung bei Naturvölkern über die Heiratsauslese bei Hochkulturen bis zu den gravierenden Entartungsprozessen im Zivilisationsstadium. In letzterem findet neben massiver Geburtenbeschränkung und relativ hohen Geburtenzahlen in einigen (meist religiös-traditionären) Gruppen unter anderem auch die mangelnde Dezimierung ursprünglich lebensunfähiger Menschen oder die widerstandslose Landnahme durch Fremde statt.

Nach Lévi-Strauss herrsche für jede Kultur Wahlfreiheit, wie und wohin sie sich entwickeln möchte. Auf gut deutsch: Eine Gesellschaft, deren sich „aufgeklärt“ und „fortschrittlich“ gerierende Teile Geburtenverweigerung betreiben, während die traditionären Elemente weitergebären, hat das Ziel, unnatürlich ausufernden „Fortschritt“ und dekadente „Aufklärung“ innerhalb weniger Generationen auszumerzen und Konservative an die Macht zu hieven.

Lévi-Strauss meint, daß jeder Fortschritt an anderen Stellen der Gesellschaft zu Einbußen führe. So habe jede Lebensweise ihre Vor- und Nachteile. Im Gegensatz zu den Mitgliedern der westlichen Zivilisationen würden „die sogenannten Naturvölker das natürliche Gleichgewicht“ bewahren, „da sie an ein weitläufiges System von Riten und Glaubensvorstellungen gebunden sind. Dieses System bewahrt das Gleichgewicht zwischen dem Menschen und der Natur.

Alexander Dugin greift diese Ideen auf und postuliert, „daß die Auffassung, wir modernen Menschen seien aus ,primitiven‘ und ,archaischen‘ Stämmen entstanden, anthropologisch unvertretbar ist. Primitive und primitive Gesellschaften sind einfach andere Menschen und Gesellschaften. Moderne Menschen sind eine Gruppe, archaische Menschen eine andere. Sie sind aber auch Menschen, nicht schlechter als wir. Sie sind keine unterentwickelte Variante von uns.

Aus dieser Sicht wird der Vorwurf Dugins nachvollziehbar, daß die mit „universellen Menschenrechten“ missionierenden Westmächte rassistisch auftreten würden, da sie den eigens so definierten „Unterentwickelten“ ihre alleinseligmachende Ideologie mit Buch und Schwert, Fernseher und Kampfdrohne aufzuoktroyieren versuchen. Die selbstgefällig „aufgeklärten“ Liberalisten und Marxisten sind die neuen Herrenmenschen, an deren Utopie die „Welt genesen“ soll. Da sich ihr nicht alle Menschen und Menschengruppen freiwillig unterwerfen, wird die Utopie zu einer Ideologie, der Herrschaftsanspruch totalitär und die repressive Gewalt ebenso, wie der imperialistische Krieg, zu einer Option.

Ein Aspekt aus dem Buch „Der Blick aus der Ferne“ von Claude Lévi-Strauss sei noch angemerkt. So sah er schon vor 60 Jahren die Existenz der Kulturen der gesamten Welt durch die Veränderungen der Industriekultur und der ansteigenden Geschwindigkeit der Transport- und Kommunikationsmittel bedroht.

Laut seiner Theorie entstehen Rassenvorurteile durch hohes Bevölkerungswachstum die und Knappheit an natürlichen Gütern wie beispielsweise Boden. Deshalb sollten die „kulturell stagnierenden westlichen Zivilisationen von den Naturvölkern lernen und die Praxis der relativen Gleichheit der Kulturen umsetzen und Abstand zu anders lebenden Menschengruppen halten. Sonst wird das Gleichgewicht zwischen den Kulturen zerstört.

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Eine Antwort

  1. Zitat:
    „Sonst wird das Gleichgewicht zwischen den Kulturen zerstört.“

    Tja, was soll man dazu sagen?
    Zu spät?

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