Fußballso…

Fanmeile

Es ist schön, wenn ein Ballerspielspektakel neben seinen unschönen Begleiterscheinungen auch zu lesenswerten Empfindungen verleitet. So fanden wir bei dem poetisch ambitionierten Blogger LePenseur ein Fußballsonett, dem noch eine Verlängerung zugegeben sei:

.

Fußballsonett

Der Kampf der Kontinente ist vorbei!
Es jubelt laut der (endlich) Erstplacierte,
Beschämt steht da der Zweite, der »Lackierte«,
Die Niederländer grollen ob Platz drei.

Der Brasilianer Herz brach längst entzwei,
Als sie Kolumbien schnöd deklassierte
Und manche Hoffnung allzu früh fallierte,
Und doch — ist letztlich es nicht einerlei

Wer da gewann? Ein Spiel nur ist das ganze —
Und ein gezinktes leider noch dazu!
Es sonnen Funktionäre sich im Glanze,

Und Politruks und Journaillisten trumpfen
befriedigt auf — gelang es doch im Nu
Kritik des Volks durch Spiele abzustumpfen …

. . .

Fußballsoblöd

Die Tröte tönt, der Zapfhahn quillt,
es flattern Wegwerffahnen.
Der bunte Haufe grölt und schwillt
und zieht die ew’gen Bahnen.

O, höret der Arena Lärm:
Hier gieren tumbe Massen
inmitten von Gewürm, Gedärm
ihr leichtes Glück zu fassen.

.

6 Antworten

  1. Danke! Na, wenigstens einer weiß die Dichtkunst zu schätzen …

  2. Die Tröte tönt, der Zapfhahn quillt,
    es flattern Wegwerffahnen.
    Derweil die Obrigkeit bestiehlt,
    die Deppen, die nichts ahnen.

    Würde auch passen.

  3. Schland, Schland über alles, über alles in der Welt…

  4. Aus Goethes Faust:

    Und auf vorgeschriebenen Bahnen
    Zieht die Menge durch die Flur;
    Den entrollten Lügenfahnen
    Folgen alle. — Schafsnatur!

    • Gut, wir geben zu, das ist ein Plagiat. Aber doch nur, weil die blöde Masse von Heute die tumbe Masse von Vorgestern plagiiert und pflichtschuldig den Beweis erbringt, daß aus niedersten Bedürfnissen entsprungener Herdentrieb eine unausrottbare anthropologische Konstante ist.

  5. Das hier hatte ich einst auf dem Blog „Kehrusker.net“ aufgeschnappt, (als es den noch gab) vor zwei Jahren, anläßlich der Fußball-EM und des (leider gar nicht sooo) berühmt-berüchtigten „57-Sekunden-Gesetzes“:

    Ein Fußballspiel lebt von den Toren,
    von der Tribüne brüllt es: „Toooor“!
    Gar oft wird auch ein Tor geboren,
    das kommt bei Menschen schließlich vor.

    Der schmückt sein Auto dann mit Fahnen,
    die Farben klar: schwarz, rot und gold,
    weil meist die Tore ja nicht ahnen,
    daß „Brot und Spiel“ vom Staat gewollt.

    Ein Fußballnarr hat and´re Sorgen,
    bei ihm geht’s immer nur um Sport,
    er denkt politisch nicht an morgen,
    schiebt den Gedanken ganz weit fort.

    So kann der Staat indes beschließen
    gar manches böse Schandgesetz.
    Der Sportsfreund träumt vom Tore schießen,
    geht dem Geschehen leicht ins Netz!

    Er liebt den Ball, wird Spieler loben,
    kennt jedes Bein und jeden Schuß.
    Geh’n plötzlich Preise steil nach oben,
    glaubt er nicht an Politbeschluß.

    Das Volk hat leider kaum erfahren,
    der „Bundesstaat“, ganz ohne Hehl,
    ließ durch – beim „WM-Spiel“ vor Jahren –
    Europas schlimmen Haftbefehl!

    Selbst heut´ kann man die „Fans“ noch fragen,
    sie wissen nichts von alledem.
    Sie glauben was die Medien sagen,
    was anderes ist unbequem.

    Auch diesmal hat man nicht verraten,
    was insgeheim beim Spiel geschah:
    Der Staat verkauft des Bürgers Daten!
    Daß hier was faul ist, liegt doch nah!

    Ein Fußballspiel kann Freude schenken,
    doch lenkt´s auch ab von böser Tat.
    Der Fußballfreund soll nicht dran denken,
    was grad´ geschieht in diesem Staat!

    Was die Politiker beschließen,
    dafür hat solch ein „Fan“ kein Ohr.
    Wenn Fremde deutsche Bälle schießen,
    kräht er sich heiser: „Toooor“, der Tor!

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