Du bist anders?

Du bist anders

Er war schon immer etwas anders: In der Schule an der Katynschuld zweifelnd wurde er vom Abitur ausgeschlossen, startete daraufhin als Nachwuchstalent der Naziszene fulminant durch, spielte den clownesken Hauptdarsteller in einem Kinostreifen namens „Beruf Neonazi“ und schloß sich dann der Schwulenszene an.

Er war nicht immer gegen Hitler. Anfangs unterstützte er ihn sogar: Bela Ewald Althans.

Durch Zufall landeten wir auf seinem Blog und wollten uns eigentlich schnell angewidert abwenden, doch das Insiderwissen zieht denn doch in einen gewissen Bann, zumal Althans, jeglicher Anbiederung abhold, Geschehnisse und Abläufe der jüngeren Geschichte aus zwar seiner, aber doch möglichst ideologiefreier Perspektive zu beleuchten versucht.

Da tauchen Landesvorsitzende der Grünen bei Neonazitreffen auf (und verschwinden wahrscheinlich schnell wieder), uniformgeile Faschoführer werden auf internationalen Kaderschmieden beim Oralverkehr mit Kameraden erwischt und der an AIDS verstorbene Oberhinterlader Michael Kühnen zieht Jungschwuppen wie Althans in seinen Bann. So weit, so skurril. Eine wilde Zeit offenbar.

Es sind die kleinen Details aus dem Mief der 1980er und 1990er, zwischen dicken Gardinen und noch dickeren Bomberjacken, die wahrlich zeitlos sind – die Symbiose zwischen Staat und Szene, die wohlstandsgelangweilte Zusammenrottung von Idealisten, Ideologen und Idioten, geführt an der langen Leine, gebraucht, verbraucht und mißbraucht:

Ein anderer Tagungsteilnehmer bezichtigte mich, ich habe in sein Hotelzimmer eingebrochen und ihm die Summe von 300,-DM gestohlen. Natürlich blieb H. alle Beweise schuldig – aber wie es eben so ist, verlor ich trotzdem meine Glaubwürdigkeit bei der gerade erst entdeckten GfP – es sollte Jahre dauern, bis die Sache bereinigt war. H. selbst, der von Wolfgang G. der Lüge nachweislich überführt wurde und diesen daraufhin zwang, sich in einer schriftlichen Erklärung zu entschuldigen, verschwand – nachdem auch noch seine VS-Tätigkeit in NPD und GfP bekannt wurde – aus den genannten Kreisen.

Oder die cui-bono-Erkenntnis in einem ansonsten ziemlich platten Brief an Terrorbraut Beate Zschäpe:

Wem oder was wollten Sie nützen ? Ihrem politischen Lager? Dem haben Sie mehr geschadet, als alle Verbote, Verfolgungen von außen und alle kaputten Idioten, die bereits durch Ihre anerkannte Anwesenheit innerhalb des ” rechtsextremen Lagers” die Sache ad absurdum führen., es zusammen je vermochten.

Fazit: Die angekündigte Biographie könnte genüßlicher Lesestoff werden, der Aufschluß über das Innenleben von Szenen, den Narzißmuß der Ver-Führer, die Psychodynamik ihrer Adepten sowie die Infiltration durch Geheimdienste gibt.

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10 Antworten

  1. Erstaunlich, daß Sophie Scholl verziehen wurde, Hitler angehimmelt zu haben. Dafür mußte sie aber sterben, um Verzeihung zu erfahren. Jetzt ist sie sogar Vorbild. Ab dem Zeitpunkt, als sie sich wendete. Was schließen wir daraus? Leute, die die Fahne nach dem Wind drehen, sind uns doch die liebsten. Oder die, die getötet wurden. Wie diese Marwa S. oder die Dönerermordeten.

    Wenn Mannichl damals etwas tapferer gewesen wäre, trügen heute Polizeidienststellen seinen Namen.

    • Quatsch, der Mannichl hat doch nie den Hitler angehimmelt oder den Himmler angehitlert! Mutig war er aber dennoch, sich von so einem unbekannten Schlangennazi brutal anstechen zu lassen, ohne mit der Wimper zu zucken!

    • Oh ja, was habe ich Sophie Scholl (SS) als Kind angehimmelt und ich musste auch erst groß werden, um zu sehen, dass sie eine Mitläuferin war und jahrelang dem Bund der Mädels angehörte.
      Es wird ja immer behauptet, nur die Dummen und Weisen könnten sich nicht ändern. Dann bin ich eben dumm, ich bin nie mit gelaufen und hatte immer meine eigene Meinung, die ich auch nicht einfach mal so änderte. Warum auch.
      Mir gehen Leute auf den Senkel, die minütlich ihre Meinung ändern oder Meinungen annehmen, so wie Merkel sich Dinge aneignet ohne selbst darüber nachzudenken.
      Wer ständig seine Meinungen und Ansichten ändert, ist unzuverlässig und verlogen und solchen Leuten sollte man aus dem Weg gehen.

      • Man kann Sophie Scholl durchaus anhimmeln. Immerhin hat sie für ihre Überzeugung ihr Leben aufs Spiel gesetzt, in dem vollen Bewußtsein, für ihr Engagement die Todesstrafe zu erhalten.

        • Na, so ist die propagandistische Inszenierung ihrer Person, ebenso wie die Stauffenbergs, aber nicht gedacht. Man soll zwar mitnehmen, daß Widerstand gegen Nazis gut ist, so auch heute in einer steineschmeißenden Meute unter wohlwollenden Augen der Obrigkeit gegen tanzende Akademiker, aber doch bitte nicht auf die Idee kommen, sich ebenso radikal und extremistisch gegen eine subjektiv so empfundene maßlose und irreleitende Tyrannei zu wenden, gar mit Flugblättern oder Bomben. Das nämlich wäre lupenreiner Terrorismus!

  2. Auch wenn sein Blog sich teilweise wie eine Reise in die eigene Vergangenheit liest, nur ohne Schwulsein und Verrat. So sollte man niemals vergessen, wem Hr.Althans gedient hat:

    „Nebenberuf V-Mann

    Der Münchner Neonazi Bela Ewald Althans, 29, der in Berlin wegen Volksverhetzung und Verbreitung von NS-Propaganda vor dem Landgericht steht, war zeitweise V-Mann des bayerischen Verfassungsschutzes. Althans berichtete ausführlich über die deutsche Neonazi-Szene und ihre internationalen Beziehungen, etwa nach Nordamerika und Rußland. Weil er gute Verbindungen unter Rechtsradikalen hatte und auch sehr mitteilsam war, galt er beim Verfassungsschutz als Spitzenquelle. Althans war Anfang der achtziger Jahre zu der (im Dezember 1983 verbotenen) Aktionsfront Nationaler Sozialisten Michael Kühnens gestoßen. Nach Kühnens Tod im April 1991 avancierte Althans zu einem der bekanntesten Aktivisten und Kundgebungsredner der Neonazis. Der Verfassungsschutz beendete die Zusammenarbeit mit ihm 1994 wegen „mangelnder Nachrichtenehrlichkeit“, so ein Verfassungsschützer. Seit November 1994 sitzt Althans im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft ihm vor allem nazistische Aussagen in dem von Winfried Bonengel gedrehten Dokumentarfilm „Beruf Neonazi“ vor. Zu Beginn seines Verfahrens am vorigen Donnerstag behauptete Althans vor Gericht, er sei „kein Neonazi mehr“.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9201977.html

    • Döskopp, jetzt wissen alle, wer du bist: Der grüne Landesvorsitzende!

      • Muah, ne leider nicht, dann hätte ich ausgesorgt. 😦

        Die Geschichten und die Personen über die Althans schreibt sind in der Bewegung eigentlich bekannt. So ist es vieleicht klarer ausgedrückt.

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