Terror im Kiez

Hufeisern

Neonazis sind bekloppt, das wissen wir alle aus dem Staatsbürgerkundeunterricht. Die letzte „TATORT“-Serie zeigte aber auch: Sie sind mordsgefährlich. In Berlin-Neukölln (Migrantenanteil 42,1 %) haben die unverbesserlichen Ausländerfeinde noch soviel Kapazitäten, daß sie Fans des werbefreien Briefkastens massakrieren.

So begann der Terror gegen die unbescholtene Kleinbürgerin Christiane Schott im Sommer 2011, als finstere NPD-Schergen braunes Werbematerial brutal in ihren zierlichen Briefkasten stopfen wollten.

„Dürfen wir mal durch“, sagen die jungen Männer mit den kurzen Haaren, sie sind so kurz, dass man besser nicht widerspricht, erst recht nicht in Neukölln. Ist ja bekannt, dass das kurze Haar nicht gerade von Linksliberalen getragen wird.

Sie „setzte sich zur Wehr“ und sagte „den Gestalten vor ihrem Haus in der Hufeisensiedlung“, daß „braune Propaganda, rassistische Parolen“ bei ihr nichts zu suchen hätten. Mutige Courage mit fatalen Folgen! Die Zurückgewiesenen rächten sich fürchterlich, beschmierten das Haus, warfen Nachts mehrfach die Scheiben ein, schleuderten Brandsätze, beleidigten die Töchter, demolierten die Haustür und sprengten den Briefkasten.

Christiane Schott hat die Tage gezählt, die Tage, an denen keine Pflastersteine in ihre Fenster flogen, kein Briefkasten gesprengt wurde, keine Nazipamphlete vor der Tür lagen. Und dann kommt der Winter mit seinem Schnee, und als sie an einem Morgen ihr Auto freikratzen will, steht dort geschrieben: „Juden vergasen!“ und gleich daneben ein Hakenkreuz.

Sie ließ die Fenster vergittern, orderte Polizeischutz und gründete eine Initiative gegen rechte Gewalt in Neukölln. Die immer und immer wiederkehrenden Täter konnten bislang noch nicht gefaßt werden, „Die Polizei sagt, sie könne zu dem Fall leider nichts sagen. … Die Strafanzeigen … Alle Verfahren werden mangels hinreichend Tatverdächtiger eingestellt.“ Seltsam! Die Neonaziszene aus Berlin ist aber auch derart unüberschaubar, daß selbst die Antifa auf ihren Steckbriefen Probleme hat, alle Mitglieder mit vollem Namen zu denunzieren.

Am Montag endlich ist  die Sozialarbeiterin Christiane Schott für ihre Zivilcourage von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke mangels würdigerer Preisträger mit dem  „Band für Mut und Verständigung 2014“ geehrt worden. Dazu verhalf ihr sicherlich nicht zuletzt ihre Rolle als heldenhafte Hauptdarstellerin in dem rbb-Film „Terror im Kiez“, der „ihren Einsatz gegen die örtlichen Rechtsextremisten dokumentiert.

Sonderpreise gab es für Gertrud Wagemann, die sich in Berlin und Brandenburg  „für den interkulturellen und sozialen Dialog“  einsetzt und den  „Interkulturellen Kalender, der seit 1996 die wichtigsten Fest- und Feiertage der Kulturen und Religionen anzeigt“, entwickelte sowie den Literaturclub Campus Efeuweg, in welchem  „sich Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren aus über zehn verschiedenen Nationen für die interkulturelle Verständigung in Berlin-Neukölln“  einsetzen.

Preise über Preise für jeden, der die sich zerfasernde Konsensgemeinschaft mit propagandistischem Kitsch zu kitten versucht oder Initiationsriten gegen den vielbeschworenen inneren Feind organisiert. Dabei darf das rührende Heldenepos natürlich nicht fehlen. Würdigungen, die anzeigen, daß wir mit unserem DDR-Sportabzeichen in bronzegefärbtem Blech einen bedeutend ehrhafteren Orden besitzen.

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15 Antworten

  1. Oh mein Gott! Und ich dachte, in Berlin trieben nur Schwaben ihr Unwesen. Dabei ist alles noch viel, viel schlimmer.

    Wenn man mal Scientology brüskiert, gilt das dann auch schon als Courage, wo die doch diesen Tom Cruise haben, der die unmöglichsten Missionen erfüllt, bis hin zum Mord.

    Ich will auch so einen Preis. Ich will, ich will, ich will! Dafür sprenge ich auch meinen Briefkasten und schmiere Hakenkreuze. Natürlich nur, um die Gesellschaft aufzurütteln.

    • Passend wäre es doch, wenn der Jenaer OB Schröter, der seinerseits so gern mutmaßlichen Gewalttäter-Rädelsführern Zivilcourage-Orden um den Hals hängt, auch dem Neuköllner Briefkastenbomber einen solchen stiften würde. Dann wären Täter und Opfer gleichermaßen versorgt.

      Nur leider ist es bei machthabenden Ideologen üblich, nur bestimmte Opfer- und Tätergruppen für ihre politische Agenda zu benutzen.

  2. Das ist schön, dann kann sich Enrico Böhm aus Leipzig ja demnächst auf eine Auszeichnung freuen. Immerhin gab es ja numehr 5 Angriffe auf ihn und seine Familie, so gingen zuletzt 3 Fensterscheiben zu Bruch und seine Freundin, die Mutter eines fünfjährigen Kindes ist, mußte mit Schnittwunden ins Krankenhaus.

    Einen kleinen Haken gibt es allerdings bei der Sache, die Steinewerfer
    sind keine Rechten gewesen und Enrico ist Stadtrat der NPD in Leipzig.

    • Da geht leider nichts. Ja, hieße er Josef Slowik und hätte die Steine geworfen, dann wäre das schon etwas anderes, das wäre dann Zivilcourage.

    • Wenn wir schon mal über Leipzig reden ..

      In Leipzig und dem Umland kam es seit dem März 2014 zu einer ganzen Serie von Farb- und Brandanschlägen gegen NPD-Kandidaten und Wahlkampfaktivisten sowie den neugewählten Stadtrat der Partei, wobei ein erheblicher Sachschaden entstand. Mehrfach kam es auch zu Körperverletzungen.

      In der Nacht vom 10. auf den 11. März 2014 wurde in Leipzig-Lindenau ein gezielter Brandanschlag auf das Fahrzeug eines Stadtratskandidaten der NPD verübt. Es entstand ein Schaden von etwa 7.000 Euro. Der Geschädigte kandidierte zur Kommunalwahl am 25. Mai 2014 im Leipziger Wahlkreis 8.

      In der Nacht vom 17. auf den 18. März 2014 wurden in Leipzig-Meusdorf ein gezielter Brandanschlag auf ein Fahrzeug auf dem Grundstück des ehemaligen Leipziger NPD-Kreisvorsitzenden sowie ein Farbbombenanschlag auf sein Wohnhaus verübt. Es entstand ein Schaden von etwa 10.000 Euro.

      In derselben Nacht wurde in Leipzig-Grünau ein gezielter Farbanschlag auf das Wohnhaus des Ehepaars M. verübt, das ebenfalls zur Stadtratswahl für die NPD kandidiert. Die Täter schmierten die Worte „M[…], Nazi, wir krigen dich“ (Fehler wie im Original) an die Hauswand.

      Wiederum in derselben Nacht wurde in einem anderen Stadtteil von Leipzig ein gezielter Brandanschlag auf das Fahrzeug von Herrn H. verübt. Es entstand ebenfalls beträchtlicher Sachschaden.

      Abermals in derselben Nacht wurde im Landkreis Nordsachsen ein gezielter Farbanschlag auf das Wohnhaus des Herrn P. verübt. Dabei wurden die Worte „Fuck Nazi“ auf die Hauswand geschmiert und drei Fensterscheiben eingeworfen.

    • Am 18. März 2014 wurde ein gezielter Farbanschlag auf das Wohnhaus des Stadtratskandidaten Kai M. verübt. Zugleich wurde ein Fenster zerstört.

      Am 19. März 2014 wurde ein gezielter Farbanschlag auf das Wohnhaus von Herrn K. verübt. Zugleich wurde ein Fenster zerstört. Herr K. ist der Vater von Herrn Toni K., der ebenfalls bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 für den Stadtrat von Leipzig kandidierte.

      Am 20. April 2014 wurde ein gezielter Brandanschlag auf das Fahrzeug des stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Maik Scheffler verübt, der den Wahlkampf in Leipzig leitete. Das Fahrzeug brannte vollständig aus, wobei ein Schaden in Höhe von etwa 15.000 Euro entstand. Zum Tatzeitpunkt befand sich das Fahrzeug etwa 100 Meter vom Wohnhaus des Geschädigten entfernt auf einem Privatgelände in einer baustellenbedingten Sackgasse. Die Täter müssen insofern über spezielle Informationen aus vorheriger Wohnumfeldbeobachtung verfügt haben. Das Fahrzeug befand sich nur zwei Meter von einem Wohnhaus entfernt, in dem eine Familie mit Kindern lebt.
      Deren Verletzung oder sogar Tod nahmen die Täter billigend in Kauf.

      In der Nacht vom 20. auf den 21. April 2014 wurde die Fensterscheibe zum Wohnzimmer des NPD-Stadtratskandidaten Enrico Böhm eingeschlagen und ein Sprengsatz mit einer teerhaltigen Flüssigkeit in den Raum geworfen. Dabei wurde das Opfer, Vater eines fünfjährigen Kindes, verletzt, und es entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 3.000 Euro.

      Am 9. Mai 2014 wurde kurz vor 2 Uhr ein Brandanschlag auf das Privatfahrzeug des Leipziger NPD-Stadtratskandidaten Enrico Böhm (Wahlkreis 1) verübt. Der Audi A4 brannte dabei vollkommen aus und erlitt Totalschaden.

    • Am Abend vor dem Anschlag fand in Leipzig eine linke Demonstration statt, auf der unter anderem auch die einschlägig bekannte Antifa-Aktivistin und Leipziger LINKE-Stadträtin sowie -Landtagskandidatin Juliane Nagel sprach. Bereits vor Beginn der Demo marschierten etwa 40 teilweise vermummte Linksautonome nach Schönefeld, um dort einen Infostand der NPD anzugreifen. Dieser war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon wieder abgebaut worden. Ein Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und dem Anschlag auf den Pkw Enrico Böhms ist naheliegend.

      Am 23. Mai 2014 wurde ein Farbbombenanschlag auf die Wohnung der Familie T. verübt. Detlev T. war ebenfalls NPD-Stadtratskandidat in Leipzig. Bei dieser Tat wurde eine mit einem Sprengmittel gefüllte Flasche verwendet, die in der Wohnung explodierte und erhebliche Schäden anrichtete.

      In der Nacht zum 2. Juni 2014 wurde die Wohnung des neugewählten NPD-Stadtrates Enrico Böhm erneut Ziel einer Attacke. Die Täter gingen diesmal mit Schlagwerkzeugen und Pflastersteinen vor, wobei nicht nur drei Fenster zu Bruch gingen, sondern auch Böhms Lebensgefährtin verletzt wurde. Die Mutter eines fünfjährigen Kindes erlitt erhebliche Platz- und Schnittwunden, die in einer Klinik ambulant behandelt werden mußten. Die Täter hatten noch nicht einmal Skrupel, das Kinderzimmer zu attackieren, womit eine möglicherweise schwere Verletzung des Sohnes von Enrico Böhm und seiner Lebensgefährtin billigend in Kauf genommen wurde. Zum Glück ist dem Kind jedoch nichts passiert. Weiterhin wurde in der Nacht Böhms Pkw entglast.

      Wenige Stunden später wurde sogar eine völlig unbeteiligte Person, eine 83-jährige, alleinlebende Rentnerin, in Leipzig-Schönefeld Opfer des bereits seit mehreren Monaten andauernden Terrors der Gewalttäter. Offenbar handelte es sich dabei um eine Verwechslung mit der in der Nähe wohnenden Familie T., die zuvor bereits Opfer eines Farbbombenanschlags wurde.

      Bei der Aufzählung handelt es sich um eine Auswahl von Fällen, insgesamt wurden 18 Anschläge verübt. Angesichts der hohen Zahl an Fällen und dem klar erkennbaren Zusammenhang mit einem politischen Hintergrund ist es völlig unverständlich, daß seitens der Polizei immer noch keine Sonderkommission zur Aufklärung der Straftaten gebildet wurde.

  3. Sie sollte sich dringend beim Verfassungsschutz beschweren. Es muss doch möglich sein, die rechte Bedrohung auf anderem Wege aufrecht zu erhalten und die V-Leute nicht immer zu ihr zu schicken.

  4. Für die Führung der Polizeidirektion Leipzig ist der frühere Volkspolizei-Major Bernd Merbitz zuständig, der gleichzeitig auch das sogenannte Operative Abwehrzentrum leitet, das Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität bekämpfen soll. Da das frühere SED- und heutige CDU-Mitglied Bernd Merbitz unlängst Sympathien für die Autonomen-Szene in Leipzig äußerte, erscheint es nicht verwunderlich, daß Straftaten gegen Mitglieder der NPD nicht mit dem notwendigen Nachdruck aufgeklärt werden.

    Erst nach dem fünften Anschlag gegen den NPD-Stadtrat Enrico Böhm und seine Familie wurden sichtbare Schutzmaßnahmen in Form einer verstärkten Bestreifung durch die Polizei organisiert, was zunächst unter Verweis auf die knappen Personalkapazitäten aufgrund der „Polizeireform“ abgelehnt wurde.

    • Nachlesen hier

      http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=14594&dok_art=Drs&leg_per=5

      Im Übrigen hat Merbitz Recht, es herrscht Personalmangel bei der Polizei. Dort wurden nämlich 130 (einhundertdreißig) Beamte abgestellt im Abwehrzentrum gegen Rechts (kein Witz).

      • Und, hatte der Landtag auf den Antrag hin bekräftigt, „daß Gewalt generell kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein darf“?

        Oder hat er nicht eher vor, einem möglicherweise irgendwann mal durch Zufall gefaßten Gewalttäter einen Zivilcourage-Orden umzuhängen?

        Bitte mal eine Quelle für die Sympathieäußerung des Merbitz für die autonome Szene mitteilen. Danke.

        Nachtrag: „Am 2. Juli 2009 wurde er für sein Engagement gegen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit vom Zentralrat der Juden mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet.“ – Whow, ein aalglatter Opportunist: „Ich bin überzeugt davon, daß die Umstellung auf den neuen Staat Leuten wie mir leichter fällt als den Menschen, die im Herbst die Revolution gemacht haben. Diese Menschen werden auch in der Zukunft Außenseiter bleiben.“ – der nach oben buckelt und nach unten tritt … erhält einen Zivilcouragepreis. Wer will hier noch eine Satire schreiben? Es ist einfach irre!

        • „Bitte mal eine Quelle für die Sympathieäußerung des Merbitz für die autonome Szene mitteilen. Danke.“

          Ich habe den Text kritiklos reinkopiert. Diese Passage hätte ich eigentlich wegen Substanzlosigkeit weglassen können.
          Nein, eine Quelle finde ich trotz der Bemühungen der Fa. Google nicht. Aber dass es vom Grundsatz her stimmt, daran gibt es keine Zweifel. Andernfalls würde nämlich schon jetzt die gesamte Fraktion wegen des dringenden Tatverdachts von Verbrechen gem. §186 StGB in der UHA sitzen.

        • „Und, hatte der Landtag auf den Antrag hin bekräftigt, “daß Gewalt generell kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein darf”?“

          Sehen wir mal nach. Pkt. 2 des Antrags lautete wie folgt:

          Der Landtag möge beschließen:

          2. Der Landtag bekräftigt, daß Gewalt generell kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein darf.

          Die Antwort des Landtags: Nicht beschlossen

          Zu Recht, wie ich meine. Gerade wir Deutschen haben die besondere Pflicht, aus der Geschichte zu lernen. Fing das damals nicht auch so an, erst die Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ablehnen, und dann … Auschwitz.

          No parmesan!

  5. Och Volker, es wurde doch nur versucht die freiheitliche demokratische Grundordnung aufrecht zu erhalten, da ist es doch zu begrüßen, daß sich die Zivilgesellschaft so klar positioniert hat.
    Vermutlich wurden die Anschläge von der NPD provoziert, damit rechte Verschwörungstheoretiker, eine Gewalt von Links herauf beschwören können.

    So ähnlich wäre vermutlich die Antwort der „wahren“ Demokraten.

  6. “Bitte mal eine Quelle für die Sympathieäußerung des Merbitz für die autonome Szene mitteilen. Danke.”

    Jetzt habe ich doch was gefunden. Zwar mittelbar, aber zitierfähig.
    WELT, 17.04.2014
    „… wie unlängst beim Besuch der umstrittenen Polizeiwache in Leipzig-Connewitz geschehen, Sympathien für Autonome bekundet, dann schockt er damit auch die eigenen Leute.“

    Die Polizeiwache Connewitz ist die aus den Medien bekannte, die regelmäßig von Merbitz antifaschistischen Kampfgenossen überfallen wird. das 17 mal am 07.01.2015.

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