Schland-Euphorie

BRD-Fans

Sein Name ist Gernulf Olzheimer und er schreibt im Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten über die Fußball-Weltmeisterschaft:

Vermutlich fing es an, als die Hominiden sich nicht mehr wahllos und durcheinander aufs Maul kloppten, sondern Clans bildeten, lagebedingte Höhlengemeinschaften, in denen die Bewohner diesseits des Rinnsals die Bewohner jenseits für zu kurz gekommene Deppen hielten und mit unreifen Früchten bewarfen, was andersherum ebenso gut funktionierte. Eine Generation später nahm man Steine, dann Stöcke, schließlich zivilisierte sich die Auseinandersetzung in einem ritualisierten Spiel, bei dem Auserwählte – versicherungstechnisch wäre man heutzutage bereit, sie als Opfer zu klassifizieren – gegeneinander antraten. Alles lief, keiner hatte ein Problem damit, bis irgendein Torfschädel anfing, Statistiken über die Kämpfe anzulegen. Endgültig in die Grütze geriet alles mit dem Brauch, sich kunterbunte Abzeichen aufs Wams zu popeln. Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft eigentlich nur ein kleiner Schritt.

Hauptsache, die Menschheit blieb auf der Strecke. Alle vier Jahre, alternierend zu Europa- und sonstigen Cups, röhrt das kollektive Überbestusste aus dem Hirnzellenkeller der Schnackbratzen. Sie topfen sich Sondermüll auf den Schädel, farbige Zylinder aus Plüsch mit Klatschapparatur, damit beim Betrachten der Kalotte der Notfallneurologe sofort weiß: niemand zu Hause. Sie setzen sich Sonnenklobrillen auf, behängen sich mit Plastegirlanden, als wollten sie Primaten Nachhilfe geben, wie man eine komplette Spezies bis zum nächsten Urknall blamiert, und sie singen. Nein, sie rülpsen sich einen Choral aus Alkoholresten und abgestorbenem Neocortex aus der Austrittsöffnung, die sonst für den Nachschub an vergrillten Schweinskadavern und Alkaloiden zuständig ist. Bisweilen nennen sie es Fankultur, aber was hat der gut eingeübte Nachweis totaler Unzurechnungsfähigkeit mit Kultur zu tun? …

Zum Glück gibt es diesen akustischen Gestank, die Masse übler und übelster Meisterschaftssongs, die teils aus Gaudi, teils aus ehrlichem Sadismus im Dudelfunk die Generalattacke aufs Brechzentrum reiten. Nicht ausgeschlossen, dass diese ganze Angelegenheit nach dem Genuss zweier Portionen Müllbeutelimitat der Zielgruppe selbst peinlich wird. Die Hoffnung geht ja bekanntlich zuletzt von der Fahne.

[Hier mehr]

Wir konstatieren bereits: Die über alle Propagandakanäle inszenierte Schland-Euphorie ist eine Generalmobilmachung gegen den guten Geschmack!

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4 Antworten

  1. Zentnerweise Perlen vor die Säue geschüttet. Trotzdem: Sehr gut.
    Meine untersetzte Gestalt bietet mir vorläufig genug Schutz, wenn ich vor dem Pöbel Desinteresse an Fußball äußere.

  2. Mir sind schon immer Leute suspekt gewesen, die dem Volk Lustbarkeit und Frohsinn vermiesen wollen.

    Das ganze Jahr gehen Menschen ihren Berufen nach, fahren Meilen um Meilen, um ihre Existenz mit eigener Arbeit zu bestreiten, müssen das hirnlose Geplapper ihrer Volksvertreter über sich ergehen lassen, zahlen drückende Abgaben, werden ihre Gelder fremdländischem Gesocks in den Arsch geschoben und nutzlosen Energiewindmühlen. Ertragen stoisch, daß ihnen eingeredet wird, daß ein neuer Waffengang gegen Rußland nötig ist. Blechen für die Ewige Schuld gegenüber unseren jüdischen Freunden.

    Und dann, alle vier Jahre, können sie mal aus sich herausgehen, wenn sie nicht auch im Land des Karnevals leben. Und das ist diesen Moral- und Sittenwächtern auch nicht Recht.

    • Uns sind eher die Leute suspekt, die den Untertanen billige Unterhaltung zum Zwecke der Ablenkung und Zerstreuung servieren. Wenn die Zerstreuung wenigstens niveauvoll wäre und wirklich zu Lustbarkeit und Frohsinn führten, zu innerem Gewinn und äußerer Kultur. Aber das Rudelglotzen führt lediglich zum Grunzen und Tröten und Saufen in der Menge – unter den Fittichen der Circusdirektoren.

  3. Eine Identifizierung mit der DFB-Auswahl fällt mir schwer, eine Nationalmanschaft ist sie ja nicht mehr, höchstens Teil der bunten BRD.
    Allerdings ist mir als Abendunterhaltung ein Fußballspiel in der Glotze
    lieber, als der Mist der einen sonst geboten wird. Da der Nachwuchs neben Boxen auch aktiv im Verein Fußball spielt und ich eh jedes Wochenende auf dem Fußballplatz bin, muß ich mir dieses Kommerzspektakel nicht ansehen.

    Sehr interessant ist auch „Fußball-WM – Das andere Tagebuch“ in den
    Deutschen Wirtschafts Nachrichten, die folgenden Bilder waren für mich nur schwer zu ertragen. Der Pöbel ist vor dem Müllcontainer!

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/06/18/das-foto-das-den-zorn-der-brasilianer-gegen-die-fussball-wm-entfacht-hat/

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