Baumsterben

Bücherwurm

Aus Duisburg wurde ein Vorfall von brutalem Baumesmord durch die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bekannt: Mehrere Faltblätter dieser eigentlich schon längst verbotenen Verfassungsschutzorganisation fand eine Nutzerin der Bezirksbibliothek Rheinhausen versteckt zwischen Bücherseiten einiger der von ihr entliehenen Bücher. Sie wollte „zunächst ihren Augen gar nicht trauen. Für sie war es geradezu unfassbar, was sie da zusammen mit Büchern unfreiwillig aus der Bezirksbibliothek Rheinhausen ausgeliehen hatte. Denn in drei der acht Reiseführer fand sich Informationsmaterial der NPD, mit dem die Rechten gegen Europa und den Euro Front machen.

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bezeichnet diese Pamphlete als „Hetzschriften“ (was die WAZ-Printausgaben zum Glück nicht sind, denn als „Schriften“ kann man das Gekleckse nicht bezeichen). Über den gesamten Bestand hinweg habe „da jemand großzügig Flyer in die Bücher geschoben“. Sofort wurden alle Zweigstellen angewiesen, „den Buchbestand auf ähnliche Propagandamittel zu untersuchen.

Die Bibliotheksangestellten waren natürlich sofort allesamt kollektiv bestürzt, betroffen und empört. Die nun notwendigen flächendeckenden Kontrollen würden „das ohnehin knappe Personal der Bibliothek“ jedoch überfordern, welches sowieso schon „derzeit 30 Prozent Ausfälle“ wegen der Schweinegrippe habe. Die mühselig aus allen Buchexemplaren gefilterten Faltblätter sollen aber im Reißwolf entsorgt und nicht in den Bibliotheksbestand einsortiert werden. „Schade, um die Bäume, die für das Papier ihr Leben lassen mussten“, so Jan-Pieter Barbian, Leiter der Duisburger Stadtbibliothek.

Warum den Werbekram nicht einfach so zum Altpapier legen, wie wir es heuer mit dem unangeforderten und ungelesenen Brief von Frau Merkel taten, damit aus diesem, ebenso wie aus den unzähligen ungeöffneten Mahnschreiben der Rundfunkmafia, zweckdienliches Klopapier gemacht werden kann? Wir hoffen aber wenigstens, daß die Duisburger Stadtbibliothek einen handbetriebenen Reißwolf benutzt, damit nicht noch unschuldige Vögel in den ökologischen Windparks sterben müssen, und das nur wegen der elektrisch betriebenen Vernichtung der NPD-Propaganda!

Natürlich könnte noch darüber debattiert werden, ob die für die Befüllung der Duisburger Stadtbibliothek mit politisch korrekten Groschenromanen und moderner Trivialliteratur mordlüstern exekutierten Bäume immerhin für einen guten Zweck hingerichtet wurden und warum die von Büchereien regelmäßig entsorgten und auf Flohmärkten kistenweise für Pfennigschnäppchen erwerbbaren Altbestände nicht wenigstens als Kaminholzersatz in Baumärkten verhökert werden. Aber das ist nebensächlich.

Der Täter jedenfalls werde „nie wieder eine Bibliothek betreten dürfen und obendrein gibt es eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch“. Und Punkte in Flensburg wegen Mordes an Bäumen. Potentielle Nachahmer „bräuchten sich gar keine Hoffnung machen“, mit ähnlichen Aktionen durchzukommen. „Unsere Nutzer sind sehr aufmerksam. Und auch wir werden zukünftig ein noch wacheres Auge auf Besucher werfen. Wir haben das unter Kontrolle.“ Das noch nicht von Schweinegrippe und Rinderpest hinweggeraffte Personal wolle zukünftig jedem Bücherwurm über die Schulter schauen und bei Naziverdacht lauthals in den Nacken husten.

Neonazi-Schreckensmeldungen erreichten die eulenfurz-Redaktion aber auch aus Griechenland. Unsere Reporterin berichtet, daß dort die starkbehaarte Konschitawurst von perversen Neonazis mißbraucht worden sei.

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Bild oben: Der Bibliotheksbestand wird genauestens nach NPD-Flyern untersucht.

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9 Antworten

  1. Das Beste bei dem WAZ-Artikel sind die zahllosen vom Moderator blockierten Kommentare. Mit etwas Fantasie kann man sich lebhaft vorstellen, was da alles Erbauliches drinsteht.

  2. Wie, die Kontschietawurst wurde von griechischen Neonahtsies missbraucht?

    Boah ey, die schrecken ja wirklich vor nichts zurück.

  3. Wenn jemand legalerweise eine öffentliche Bücherei betritt, liest, blättert, auswählt und mal ein Lesezeichen, z.B. einen Werbezettel der Grünen oder der SPD im Buch vergisst, und das zwei- oder dreimal, ist das nach diesem Artikel „Hausfriedensbruch“.

    Oder dann nicht? Nur bei NPD?

    Erstaunlich ist diese Rechtsauslegung allemal. Ich hätte eher auf „Vorbereitung eines Angrifskrieges“ oder „Unzulässiges Betreiben eienr kerntechnsichen Anlage“ getippt.

  4. Die Bibliothek muß natürlich dekontaminiert werden. Am besten mit Gas, das man einige Zeit stehenlässt. Hinterher aber gut lüften. Jegliches braune Hetzmaterial dürfte dann verendet sein, das sich noch in unschuldigen Büchern verborgen hielt.

  5. Angemessen wäre es, die Flyer öffentlich unter wilden Tänzen und Beschwörungen der internationalen Solidarität zu verbrennen.

    „…Und auch wir werden zukünftig ein noch wacheres Auge auf Besucher werfen. Wir haben das unter Kontrolle.

    Das sagen Alkoholiker und Junkies auch ständig. Das Personal wird vermutlich geschult, die Nazis, die mit Zivilklamotten über der SS-Uniform auftauchen, zu erkennen und ihnen die Perücken und falschen Bärte herunterzureißen.
    Die Antifa liefert sicher auch gern Bilder und persönliche Daten bekannter unerwünschter Personen und von Personen, die solche Personen kennen.
    Davon abgesehen, den überraschenden Aspekt, dass Nazis offensichtlich in Bibliotheken gehen, hat auch wieder keiner erwähnt.

  6. Richtig muß es heißen, daß mensch „Wut, Trauer und Betroffenheit“ fühlt. Nur echt in dieser Reihenfolge.
    @ Graf Zahl: Fürtrefflich! (Aber nicht direkt zahllos – die Antworten nicht gezählt, sind es neun von vierzehn. Ich konnte mein loses Maul natürlich auch nicht halten.)

  7. In einer Bücherei werden also kritischeDruckwerke vernichtet?
    Vieleicht sollte man diese Aktion ausweiten und ein paar Bücher, die auf den Indexlisten der BPjM stehen, in die Regale dieser Bibliothek stellen.

    Zwingen wir sie zur Büchervernichtung!

    http://www.medienzensur.de/

    • Prima!
      Habe mir erlaubt, im Gästebuch unter Verwendung des Verweises auf Eulenfurz folgende Eintragung zu hinterlassen:

      Unsere Jugend heutzutage prügelt sich nicht mehr. Sie säuft sich nicht ins Koma, nimmt keine Drogen, beschmiert keine Wände und verstümmelt sich nicht. Suizide finden nicht mehr oder kaum noch statt. Pervers ist sie auch nicht, höchstens schwul, und das sei ja gut so. Jugendkriminalität gibt es nicht mehr und radikal ist sie auch nicht. „Rebel“ steht, in angepasstem Engleutsch, auf den Designerklamotten.

      All das sind die offensichtlichen Erfolge jahrzehntelangen Jugendschutzes!

      Dafür kann man doch ein paar Filmschnitte und Bücherverbote in Kauf nehmen.

      • Stimmt, auch das herzliche Miteinander der verschiedenen Kulturen und der respektvolle Umgang mit dem politischen Gegner, ist sicherlich
        maßgeblich auf die Indizierung der unterschiedlichen Medien zurückzuschließen. Daher schlage ich BPjM für den Friedensnobelpreis vor!

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