Das Schweigen

NSU auf der Flucht

Das Schweigen der Beate Zschäpe“, dichtet ein verkannter Poet in die insolvente Frankfurter Rundschau. Ein Auszug aus seinem packenden Frontbericht:

Oberlandesgericht Nymphenburgerstraße, hinter dem Bürgerbräukeller im Stadtteil Heilhitler, wo Adolf Hitler nach dem Attentatsversuch Georg Elsers hitlerte. Stadteinwärts der Hitlerplatz, wo das Braune Haus stand. Geschichte auf einen Blick. Sehr viel Geschichte. Geschichte!

Neun Uhr dreißig. Null Sekunden. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag – bis in den späten Nachmittag hinein. Das ist der Rhythmus beim NSU-Prozess. Die Kontrollen sind umständlich, der Platz mitunter knapp, man muss früh da sein. Acht Uhr dreißig also. Früh. Sehr früh! Es ist ein grauer Tag, der Himmel fleckig wie ein alter Wollmantel. Vergißmeinicht am Straßenrand. Rotkäppchen bei der Oma. Vor der gelben Schranke am Einlass stehen zwei neue Publikumsgesichter. Man kennt sich jetzt längst vom Sehen auf der Tribüne unter dem Dach in Saal A 101: es gibt Dauergäste, Zaungäste, Schulklassen, Rentnerzirkel. Und mich. Und Hitler. Ob man wohl rein käme, fragen die beiden. „Keine Sorge“, sagt ein Prozessveteran (97. Tag, Orden mit Zählschnur am Jacket), der hinter ihnen steht. „Es ist nichts los heute.“ Nichts los heißt, dass ein paar Plätze frei bleiben. Vor der zweiten Tür des Gerichts stehen zwei der drei Anwälte von Beate Zschäpe, Anja Sturm und Wolfgang Stahl. Sie rauchen um die Wette. Wer gewinnt? Der Führer?

Ich pirsche auf den vier Pausenwegen: Richtung Toilette, Kaffeeautomaten, Wasserspender und einen Tisch, drauf liegen in Plastikfolie eingeschweißten Semmeln. Frontverpflegung. Man lässt sein Geld liegen. Harte Euro! Die Kantine baut auf Ehrlichkeit. Unter Neon steht dort, wer nicht sitzt. Fünfzig Quadratmeter Fläche vielleicht. Polizisten ringsum. Maschinengewehre. Dahinter ist die Gerichtswelt mit Brettern zugenagelt. Einschüsse überall. Handgranatensplitter.

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8 Antworten

  1. Interessante Syntax. Kaum ein vollständiger Satz. Satzgegenstand und -aussage? Brauchen wir nicht. Umsonst gelernt mal wieder. Vocative Unsätze bis zum Bluthochdruck, aufregend, mit Kommata getrennt, dennoch unvollständig. So wie mein letzter.

  2. Au Mann, was für eine Praktikantenschreibe aus dem Abfalleimer des Bastei-Agentengroschenromans. Allein schon dafür, die Frankfurter Pleiteschau am Weiterexistieren nicht gehindert zu haben gebührt dem Geschirrmacher vom Ex-Leitmedium die lebenslange Zwangslektüre von Politker-Doktorarbeiten. Aber wen wundert’s.

    Ansonsten bemerke ich, dass die NSU Telenovela zur Zeit eher etwas schleppend läuft, OK heute beim SPON gab’s nochmal was, aber sonst? Sind den Autoren die Ideen ausgegangen oder ist das alles nur die Ruhe vor dem unerwarteten Twist(er)?

  3. Etliche Leserkommentare in der gar nicht richtig pleiten FR dazu wecken in mir, ich gestehe es, gewisse Gelüste, die aus forensischen Gründen nicht näher zu beschreiben sind.

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