Ernst Dählemann

Extremismus lebt vom Mitmachen, das dachte sich auch der SPD-Politiker Patrick Dahlemann und ergriff bei einer Veranstaltung der „neofaschistischen“(O-Ton MLPD) Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) das offene Mikrofon. Dort sonderte er Moralinsaures ab und erhielt eine irgendeine Antwort von den NPD-Leuten. So schön, so uninteressant.

Allerdings geistern hierzu Filmaufnahmen auf einer bekannten Videoplattform herum und kommen dank medialer Bewerbung auf mittelmäßig hohe Anklickraten. Ein Grund mehr für die tageszeitung taz, den Dahlemann fast so wie Ernst Thälmann zu feiern und zu interviewen und zufälligen Besuchern dessen Geschwafel aufzunötigen.

Die Menschen, die in Wolgast protestiert haben, gegen die Aufnahme von Menschen, die auf Grund einer politischen Flucht nach Wolgast kamen, diese Menschen, die dagegen protestierten, sind heute Kinder, die mit den Kindern aus dem Asylbewerberheim Fußball spielen…

Wenn das so weiter geht, entwickeln sich die ehemaligen Wolgaster Asylmißbrauchskritiker von fußballernden Kindern weiter zu Säuglingen, die auf multikulturellen Babyfarmen herumquäken. Doch das sei ihnen gegönnt.

Nun jubiliert die taz, wie viele zehntausende Menschen den Videomitschnitt schon angeklickt hätten. Wir müssen zugeben, den Film auch etwa fünfmal aufgerufen zu haben, um in der Dahlemann-Rede außer Plattitüden einen tieferen Inhalt zu finden. Leider erfolglos. Die Antwort der brüllenden NPD-Leute hierzu mußten wir zum Glück nicht bis zum Ende verfolgen, um deren Punktsieg nachvollziehen zu können. Das scheint auch Dahlemann so zu sehen, denn in seiner Version des Videos unterbricht er den NPD-Redner für eingeschobene Kommentare.

Trotzdem wird er gefeiert, wie ein Messias: „Fast alle überregionalen Zeitungen haben berichtet, Sie waren bei Markus Lanz im ZDF zu Gast“, jenem Markus Lanz, den mehr als 200.000 Menschen mittels einer Petition aus dem Staatsfunk entfernt wissen möchten, was weitaus mehr ist, als Dahlemann an Youtube-Glotzern auf sich vereinigen kann. Dennoch berichtet er mit stolzgeschwellter Brust über die NPD im Plural:

Dass sie mir ein offenes Mikro gegeben haben, zeigt aber auch, dass sie verunsichert sind. Eher schon verzweifelt. Sie versuchen jetzt neue Wählerschichten anzusprechen und bekommen selbst bei Kernthemen wie der Asylpolitik immer wieder eine Klatsche. Das muss schmerzhaft sein. Und uns als Demokraten freut das.

Das klingt politikwissenschaftlich kompetent: Echte Demokraten zeichnen sich dadurch aus, daß sie ihre Gegner von ihren Veranstaltungen generell und pauschal ausschließen; die Verunsicherung von Extremisten hingegen zeigt sich darin, ihren Gegnern ein offenes Mikrofon zu überlassen und Rede und Gegenrede ungeschnippelt zu veröffentlichen.

Wie überzeugt der verhinderte Thälmann-Verschnitt von sich ist, zeigt sein Resumee: „Die NPD wird mir wohl nie wieder ein offenes Mikro anbieten.“ Da die NPD seinen Auftritt, statt ihn schamhaft unter den Tisch zu kehren, veröffentlicht hat, ist eher das Gegenteil zu befürchten. Jede Zirkusveranstaltung braucht schließlich auch ihren Narren.

 .

5 Antworten

  1. Auch bei scheinbaren Erfolgen gibt es Neider. Schiet, wenn es die eigene Chefin ist:

    Befehl von der Chefin: Strahl‘ doch im Büro!

    „Katharina Feike, die SPD- Landtagsabgeordnete. Patrick Dahlemann, ihr Untergebener. Da sollten die Rollen klar verteilt sein. Doch dann avanciert Dahlemann zum Strahlemann. Das gefällt Frau Feike wohl weniger gut…“

    Weiter: http://www.nordkurier.de/anklam/befehl-von-der-chefin-strahl-doch-im-buero-034799502.html

  2. Nun müssen wir den Heldenmut dieses Menschen aber nicht kleinreden. Wie er sich im Bewußtsein, das Mikro nicht zu bekommen, zu Wort meldet, wie er, auf den Genickschuß gefasst, das Wort ergreift und bis zum Schluß nicht wieder loslässt, wie er im Geiste des Politclowns Breitscheid die Massen entflammt und die Fackel der Aufklärung entzündet und wie er es dem tumben Wolgaster Pöbel zeigt, wo das Herze sitzt … worauf dieser dann spontan für mehr Asylanten demonstriert. Das war wahre Größe und Heldenmut. Eines Teddys würdig.

  3. O.K. Der Ort heißt Drögerheide. Nicht Wolgast.

  4. Den Unterschied zwischen freiwillig und müssen hat er auch nicht kapiert. Erst betont er, daß diese Leute freiwillig zu uns kommen, dann fragt er, ob wir uns vorstellen könnten, wir müßten unsere Heimat verlassen. Ja, was denn nun? Das Erstere wohl doch.

  5. Den Neodemokraten zeichnet es eben nicht aus, seine Gegner am Mikrophon zu Wort kommen zu lassen, sondern sie zum Schweigen zu verurteilen, aus dem öffentlichen Leben auszugrenzen und sie unerbittlich zu verfolgen, bis sie mit Stumpf und Stil ausgerottet sind sodass sie sich nie, nie wieder werden erheben können!

    (gegen Ende zum „nie“ hin zunehmend brüllend vorgetragen, danach eingeblendeter, brausender, tosender Applaus).

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