Kindesverstaatlichung

Kita DDR

Der Töpfchen-Kriminologe Christian Pfeiffer – Pfeiffer mit einem Ei – war es, der im Frühjahr des Jahres 1999 seine These aufstellte, daß ausländerfeindliche Gewalttaten in den neuen Bundesländern deswegen weit häufiger begangen würden als in der West-BRD, weil die DDR labile „Untertanen statt mündiger Bürger“ hervorgebracht habe. Er illustrierte seine Behauptung mit Bildern, welche auf Töpfchen sitzende Krippenkinder zeigten.

In einem Interview erläuterte er den Ursachenkomplex:

Weil es dort System war, Individualität zu unterdrücken und die Gruppe in den Vordergrund zu stellen. Die Verunsicherung des Einzelnen wurde vom Staat organisiert. … das Gegenteil von dem, was man sich für kleine Kinder wünscht. Andere sozialistische Staaten haben mehr Wert darauf gelegt, dass die Kinder in den ersten drei Jahren bei ihren Müttern waren oder stabile Zuwendung durch feste Bezugspersonen erlebten. Mit dem Ergebnis, dass bei einem Vergleich der sozialistischen Staaten die vierjährigen Ungarn den höchsten Entwicklungsstand hatten und den mit Abstand niedrigsten die Ostdeutschen. … Es war die Absicht, einen sozialistischen Menschen zu erziehen, und man traute dabei den eigenen Angestellten mehr als den unberechenbaren Eltern.

Fünfzehn Jahre nach diesen bahnbrechenden Erkenntnissen zur Gruppendynamik der Xenophobie fordert nun die Feminist*in Constanze von Brühe, daß sich Mütter früher von ihren Kindern losreißen sollten, um wieder in die Produktion zu eilen und ihre Arbeitskraft dem Kapital sowie dem stets mitverdienenden Staat zur Verfügung zu stellen:

Frauen in die Produktion, lautet also die Devise, milder ausgedrückt: Frauen, reißt euch früher los von euren Kindern, gerade im Westen der Republik. Eine gute Mutter zeichnet sich nicht durch maximale Präsenz aus, auch nicht durch den Verzicht darauf, dem Rest der Gesellschaft den eigenen Grips zur Verfügung zu stellen.

Gute Eltern, das seien solche, die ihren Kindern die Beliebigkeit und Austauschbarkeit des eigenen Daseins vorleben. Die neue Familie werde sowohl in den Produktionskolonnen der androgynisierten Arbeitskräfte, als auch in den Internierungslagern der für ihren ökonomischen Verwendungszweck zu dressierenden Brut erstritten.

Wer heller erleuchtet werden will, der kann etwas zur Sittengeschichte der Kinderverstaatlichung lesen.

Bild oben: Mutti ist schon in der Produktion und läßt die Schornsteine rauchen. Während dessen lauschen die Kleinen den mutigen Geschichten von Ernst Thälmann und Anne Frank und über das gewaltige Aufbauwerk der Genoss*innen und Genoss*en, das sie dereinst in ihre starken Hände nehmen dürfen.

9 Antworten

  1. Es kann gar nicht früh genug damit begonnen werden, Kinder über die menschliche Sexualität aufzuklärung und die Schönheit gleichgeschlechtlicher Partnerschaft. Mütter sind damit oft überfordert.

  2. Die Feststellung des Kriminologen sollte man der heutigen Regierung nachmal in Erinnerung rufen. Dann wäre der sicher ganz schnell ein böser Nazi, wenn er nicht sofort widerruft. Das Schauspiel wäre lustig 🙂

  3. Ist es denn nich hinderlich den Umweg über Kindergärten zu gehen,
    wäre es denn nicht fortschrittlicher die Kinder direkt in die Obhut der „demokratischen“ Parteien zu geben?
    Die Zuteilung könnte nach dem jeweiligen Wahlergebnis erfolgen, ausgenommen sind selbstverständlich extremistische Parteien und wer extrem ist kann ja eigentlich nur rechts sein, da vertraue ich voll und ganz unserer Familienministerin Schwesig.

  4. Schade, dass man zur Verdeutlichung so ein altes Foto verwendet. Die Kinder sind ja alle weiß!

  5. Das schönste an dem Bild ist die Landschaft mit Scheune. So wirkt es fast harmonisch. Bi näherem Hinsehen merkt man, wie knallhart die neue Betonwelt diesen Raum besetzt, erdrückt hat, bis an die Kante der Plattform, auf der die Kinder ohne gefährliches Gewürm gedeihen.
    Könnte fast eine Fotomontage sein.

  6. Anne wer? Wir hatten in der Schule die Passion des Hl. Thälmann von vorne bis hinten und rechts auf links, Juden waren nur ein Randphänomen und wurden irgendwie von den mutigen Kommunisten nebenher mit rausgehauen, und zum Dank haben sie sich dann den Imperialisten an den Hals geworfen. Da muss man kritisch bleiben.

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