Reich ins Heim

Altersheim ist Lebensfreude

Diese Woche fand in Berlin der 1. Pflegenotstandstag statt, an welchem dem dahinsiechenden Volke umfangreiche Maßnahmen gegen den Mangel an Sterbebegleitpersonal vorgestellt wurden. Während vor dem Tagungsort Pflegekräfte gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen und geringe Bezahlung protestierten, forderte der Arbeitgeberverband Pflege eine stärkere Anwerbung von Lohndrückern aus Nicht-EU-Staaten. Dessen Sprecher stellten ein Projekt vor, nach welchem im Laufe dieses Jahres 150 chinesische Zwangsarbeiter in deutsche Heime geholt werden sollen.

Die ersten 5 Chinesen seien bereits eingetroffen. Eine der Namenlosen mit Doppelnamen, ihres Zeichens Fleischbeschauerin eines Menschenhändlerringes, schwärmt von den Vorzügen der bescheidenen und emsigen Importware:

Sie verbreiten chinesische Lebensfreude im Seniorenheim in Frankfurt am Main. Bewohner und Kollegen sind voll des Lobes. Mit den Kollegen hat es schon gemeinsame asiatische Kochabende gegeben, Ende des Monats feiern wir in der Einrichtung gemeinsam das chinesische Neujahrsfest. Darauf freuen sich alle sehr.

Friede, Freude, Eierkuchen! 5 Chinesen mit ’nem Kontrabaß! Wie würdelos aber ist es, daß fette Greise in schmierigen Siechenhäusern von billigen Handlangern aus aller Welt gepampert werden müssen, weil sie entweder selbst zu faul waren, Kinder in die Welt zu setzen, die sich ihrer annehmen, oder gesellschaftliche Zustände zugelassen haben, die zu ihrer Abschiebung in Sterbekasernen führten? Wie würdelos ist es, wenn sich Menschen aus Hinterchinesien für die mitteleuropäische Siechenpflege prostituieren, anstatt sich um ihr junges Leben, den eigenen Nachwuchs und die eigenen Alten zu kümmern?

Was für ein schwacher Trost, daß wenigstens die Menschenhändlerringe aus diesen widerwärtigen Zerfallserscheinungen noch Geschäfte machen können!

6 Antworten

  1. Mit Beschimpfungen der Eltern – oder Großelterngeneration änderst Du an den Tatsachen kein bischen. Und die sind nun einmal so, daß, entgegen Deinen innigen Wünschen, weniger Kinder geboren wurden und werden und die, die geboren wurden, sich aus den verschiedenartigsten Gründen nicht um ihre Eltern kümmern, sondern deren Versorgung staatlichen oder privaten Institutionen überlassen. Und überlassen müssen, weil ihnen die fachliche Qualifikation fehlt oder sie selbst für den Rest ihres Lebens nicht von staatlichen Almosen leben wollen. Vielleicht unterschätzt Du auch die Möglichkeiten, nach Pflegezeiten wieder in Erwerbsarbeit zu kommen, die die Existenz sichert?

    Es gibt Leute, die sehen es nicht als Erfüllung an, den Rest ihres Lebens um staatliche Zuwendungen zu betteln. Die von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage des Staates abhängig sind.

    Vielleicht verdrängst Du auch, daß die Rabenkinder finanziell nicht unerheblich für die Versorgung in solchen Heimen zu bluten haben. Vielleicht war es auf dem Lande früher noch so, daß die Greise aufs Altenteil kamen, wo sich die vielköpfige Sippe um sie kümmern konnte, aber die Zeiten, da es Drachen gab, Gnome oder verwunschene Prinzessinnen, oder als Wünschen noch geholfen hat, sind lange entschwunden.

    Was daran würdelos ist, ein besseres Leben im Ausland zu suchen, wenn im eigenen Land keine Perspektive gesehen wird, erschliesst sich mir nicht. Auch aus Deutschland gab es immer wieder große Auswanderungswellen, in denen die Alten zurückblieben, wobei diese die Dahinschwindenden nicht verfluchten, sondern ihnen ein besseres Leben wünschten.

    Menschen bekommen übrigens keine Kinder aus dem wirtschaftlichen Kalkül heraus, daß sie ja irgendwann mal jemand versorgen muß. Aber das weißt Du bestimmt.

    • Dann korrigieren die Lebensgesetze die Gesellschaft, wenn sich das gesellschaftliche Verhalten diesen nicht anpaßt. Da nun diese Zeiten der Gnome und Elfen entschwunden sind und auch nie wieder zurückkommen, bestenfalls als Zeit von Mohamed und seinen 12 Jungfrauen, muß eben Sterbebegleitpersonal arrangiert werden. Was aber ist dann daran so schlimm, daß wir die Sterbebegleitmusik orchestrieren?

      (Gegen eine organisierte Pflege ist auch überhaupt nichts einzuwenden, aber das sind Entartungserscheinungen, und sie zeigen die Tendenz dafür auf, was dieses Volk in einigen Dekaden zu erwarten hat.)

      • Tja, solange mittels Kranken- und Pflegeversicherungspflicht die fetten Gewinne der Pharma- und Pflegeindustrie sichergestellt sind, wird sich an der Situation nicht viel ändern.
        An der „Pflege“, wie diese Siechtumsverlängerung heutzutage heißt, läßt sich eben gut verdienen. Teilweise werden Angehörige, die auf die Patientenverfügung des Betroffenen verweisen und z. Bsp. der Magensonde oder anderen Segnungen der modernen Medizin nicht zustimmen, wie Kriminelle behandelt. Immerhin schmälert solch renitentes Verhalten den Gewinn. Und das dieser durch Billigarbeitskräfte optimiert wird, ist längst ein alter Hut. Neu sind die Gegenden, in denen diese rekrutiert werden.
        Das Problem sind nicht die kinderlosen Alten oder die herzlosen Kinder, sondern die Tatsache, daß medizintechnisch mittlerweile fast alles geht und notfalls unter Zuhilfenahme der Moralkeule auch gemacht wird. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Spruch von Michael Klonovsky ein: Wo keine Beute zu machen ist, da wird auch nicht moralisiert.

        • „Das Problem sind nicht die kinderlosen Alten oder die herzlosen Kinder, sondern …“ auch ein gesellschaftlicher Zustand, der von ihnen allen offenbar als gottgegeben und unabwendbar hingenommen wird.

    • Den Chinesen, die hier – bei Umtausch in ihre Heimatwährung – gutes Geld verdienen, ist auch kein Vorwurf zu machen, aber denen, die Chinesen (oder wen auch immer) hierher holen, um deutschen Altenpflegern weiterhin bloß € 800,- brutto im Monat zahlen zu können – und das bei „Unterbringungskosten“ von teilweise € 4000,- bis 5000,- – als gäb´s für die Alten statt zerkochtem Gemüse nur Beluga-Kaviar.

  2. Leute, die Altenparty geht erst richtig los wenn die Babyboomer von der Leistungsseíte auf die Empfängerseite wechseln.

    Ich habe zumindest Chancen das Siechtum der rot- grünen Altgarde mitzuerleben. „Ach kein Arzt da?“ „Wurde wohl abgetrieben!“

    Über mein eigenes Alter mache ich mir trotz 2 eigener Kinder keine Illusionen. Es wird grausam, wenn nicht ein schneller Tod einen erlöst.

    Obwohl ich alle Kommentatoren verstehen kann, hat Eulenfurz recht.
    Das biologische Prinzip beruht nun mal darauf, dass (eigene) Kinder geboren werden, die u.a. für die (eigenen) Alten sorgen. Dieses Prinzip ist außer Kraft und spätestens die Babyboomer werden für die fehlenden Kinder ihren bitteren Preis zahlen. Dann wird nicht mehr gestorben, dann wird verreckt.

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