Blendgranate

Berlin im Fegefeuer

Es klang spannend: Da wollte ein Filmemacher einen „packenden und höchst aktuellen Politthriller“ um das mysteriöse Oktoberfestattentat erstellen, in welches nach einhelliger Meinung Geheimdienste involviert sein sollen. Bei der Aufklärung des „schlimmsten Terroraktes in der Geschichte der Bundesrepublik“ versagten „Hunderte Polizisten, Verfassungsschützer und Staatsanwälte … sie alle“. Die ZEIT bespricht die Filmhandlung.

Bereits im zweiten Absatz werden die Erwartungen gedämpft. Der Film erzähle „von der mühsamen Suche eines Journalisten nach der Wahrheit, von seinem Kampf gegen Vertuscher in Behörden und gegen Politiker, die auf dem rechten Auge blind sind, die die Gefahr von Rechtsextremisten verharmlosen.“ Dieses paranoische Klagelied, daß die rechtsextremistische Schimäre völlig verharmlost werde, hören wir nicht zum ersten Mal.

Doch dann wird es überaus putzig (Fehler im Original):

Polizisten und Juristen eignen sich in diesem Fall nicht als Filmhelden. Die Drehbuchautoren habe daher entschieden, einen anderen Rechercheur in das Zentrum ihrer Geschichte zu stellen: den Radiojournalisten Ulrich Chaussy, der seit Jahrzehnten in München über die rechte Szene berichtet. Doch Journalisten liegen – gemeinsam mit Rechtsanwälten – am unteren Ende der Skala der angesehenen Berufe. Ein realexistierender Rechercheur als Filmheld – kann das funktionieren?

Davon einmal abgesehen, daß Fernsehmoderatoren und Banker, gefolgt von Politikern, zu den Berufen mit dem geringsten Prestige gehören, Journalisten zwar am unteren Ende der Beliebtheitsskala rangieren, Rechtsanwälte aber im Mittelfeld und Polizisten an der Spitze, ist es beeindruckend, wie mittels virtueller Erlebniswelten versucht wird, reale Empfindungen zu manipulieren und Journalisten zu Helden zu stilisieren.

Auch diese Filmbesprechung belegt eindrücklich, warum die Tätigkeit von Propagandaprostituierten und Meinungsmoderatoren weitgehend verachtet wird. Lesenswert sind allein die Kommentarspalten, welche vom darin vorgeführten Gleichstrommedium auch nur deshalb nicht konsequent bereinigt werden, weil sich ansonsten das Besucheraufkommen der Agitprop-Anstalten auf ein lächerliches Quantum verringern würde.

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4 Antworten

  1. Der Blogwart kann sich an kaum einen Film erinnern, in dem Journalisten als die gewissenlosen Huren, Verzeihung an die Huren, dargestellt werden, die sie sind. Vielleicht bei Spiderman? Immer sind es edle Journalisten, Geheimdienstagenten oder auch einmal Staatsanwälte, die allen Widrigkeiten zum Trotz gegen das böse System kämpfen, eine völlige Verkehrung der Wirklichkeit, wie auch in all den neumodischen Mittelalter – Frauenheldinnenfilmen, man macht sich die Welt, wie man gerne hätte, daß einen die Umwelt so sieht.

    Und natürlich, der Rechtsextremismus. Nie wird er bekämpft vom Staat. Immer ist er auf dem rechten Auge blind und niemals folgt der den Verhaftungsempfehlungen der linken Szene. Ein Jammer ist das.

  2. Passend zum Filmstart wird jetzt Einblick in geheime BND-Akten erstmalig gewährt, der BR berichtete darüber.

    Wenn man den Hauptverdächtigen (gemäss dieser BND-Akten) dazu liest, der den BND gerade erst wegen Aktenfälschung angezeigt hat, gelangt man eventuell zu einer ganz anderen Betrachtung:

    Entweder wird gerade der Hintergrund der Bombenattentate München und Bologna aufgeklärt, oder es geschieht eine erneute Desinformation der Öffentlichkeit mittels ominöser BND-Akten.

    http://karl-heinz-hoffmann.com/aktuell.html

    audiatur altera pars…

    • Vielen Dank für den Link. Das ist sehr packend, was der Hoffmann, der schließlich einige Einblicke hatte, erzählt, ohne sich in Verschwörungstheorien o. ä. zu verlieren. Auch eine im eigenen Bewußtsein als „gefährlich“ eingestufte Wehrsportgruppe erhält nach dem Blick hinter die medial gezauberten Kulissen eine neue Bewertung. Der inszenierte Journalistenheld kommt bei ihm überhaupt nicht gut weg.

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