NSU to watching you

NSU for you

Das jüngste, dramatischste Beispiel war doch die NSU-Affäre“, führt CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach ins Feld, um die Vorratsdatenseicherung aller digitalen Kommunikationsvorgänge zu legitimieren. „Da sind die Ermittler zu recht aufgefordert worden, den gesamten Hintergrund auszuleuchten. Aber von den möglichen Spuren waren nur noch wenige elektronische Spuren zur Verfügung, sodass viele Erkenntnisse verborgen geblieben sind und auch auf Dauer verborgen bleiben werden, weil der Hintergrund des Terror-Trios eben nicht so ausgeleuchtet werden kann, wie das notwendig wäre, um den ganzen Sachverhalt zu kennen.

Bosbach Legitimierungsversuch des Überwachungsstaates ist jedoch halbseiden. Der „ganze Sachverhalt“ um das angebliche NSU-Trio war spätestens bekannt, nachdem Kriminaltechniker den halb verschmorten Computer Beate Zschäpes aus der Zwickauer Brandruine ausgewertet hatten und bis zu sechseinhalb Monate alte Internetprotokolle auslasen, also mehr Informationen verwerten durften, als es die sechsmonatige Vorratsdatenspeicherung beim zuständigen Telekommunikationsanbieter überhaupt hätte leisten können:

Beate Zschäpes Computer offenbart nun: Sie interessierte sich für Reisen, Musik, Gesundheit, immer wieder Sex – und niemals Politik oder gar Nazi-Propaganda.

Bisweilen schon vormittags, meistens am Abend klickte sie auf Websites wie „Gina Lisa Sexfilm“, „Dirty Tracy“ oder „Jasmin geil im Keller“. Besonders für „Sexy Cora“ schien sie sich zu interessieren.

Ihre Internetprotokolle, dokumentiert vom 21. April bis 4. November 2011, zeichnen das Bild einer jungen Frau mit Interessen und Sehnsüchten: Sie informierte sich über das Brandenburger Traumstrand-Biotop „Tropical Islands“, Disneyland Paris, Zeltplätze an der Ostseeküste oder argentinisches Essen. Aber sie erkundigte sich auch nach Hartz IV, interessierte sich für Rapper Bushido und wollte alles über die TV-Show „Big Brother“ erfahren.

Auch am 4. November 2011 surfte Zschäpe im Internet, als ihre beiden Kumpane Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Eisenach eine Bank überfielen. Gegen 12 Uhr erschossen sie sich in ihrem Fluchtfahrzeug, das die Polizei umstellt hatte. Und was machte Zschäpe zu diesem Zeitpunkt? Laut Internetprotokoll besuchte sie von 13.07 Uhr bis 13.26 Uhr die Websites von Greenpeace, der Tierschutzaktion „Gegen Pelze“ sowie „Biobauern Zwickau“.

Die Dönerterrorstadt Zwickau soll jetzt mit einem „Denkmal für Toleranz“ eine zentrale Gedenkstätte erhalten, mit welchem „an alle Opfer rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland und damit auch an die Opfer der NSU erinnert“ wird. „Idealerweise verbunden sei das mit einem Dokumentations- und Informationszentrum“, meint die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß. Die Zwickauer Bürger scheint die NSU-Terrorshow nicht zu interessieren. Zu einem vom städtischen Bündnis für Demokratie und Toleranz im November 2013 initiierten Bürgerforum erschien kein einziger Bürger.

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