Meta-Theater

Als Kammerspiel bezeichnet das NSU-Watchquatschblog Politplatschquatsch die cineastische Neu-Inszenierung des Dönermord-Showprozesses gegen die mutmaßliche Helferin mutmaßlicher Naziterroristen. Drei Skribenten der Süddeutschen Zeitung „hatten das Verfahren auf mehr als 500 Seiten mitprotokolliert und dann verdichtet“ zu kurzen, aber bedeutungsschwangeren Akten, welche in ihrer Gesamtheit eine Tragödie sophoklischen Ausmaßes annehmen.

Unterstützt von Film- und Kunstakademien sowie der UFA-Fiction wurde der ursprünglich dem Regisseur Manfred Götzl zugeführte Naziterror mit minimalster Ausstattung und billigsten Darstellern, die unkostümiert auch Mehrfachrollen übernahmen, nachgespielt, mit ruckelnder Kamera in Schwarz-Weiß aufgenommen und schaurigen Elektroniktönen aus einem veralteten Computerspiel unterlegt. Wegen des „zurückgenommenen Settings in einem kargen Studio“ hoffen die Macher auf einen Oscar für den billigsten Theaterfilm aller Zeiten.

Dem literarischen Quartett gelingt es recht passabel, den Redetext fast fehlerfrei und ohne zu Lachen abzulesen und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. „Der NSU-Prozess, wie ihn noch niemand gesehen hat“ – da versprechen die Macher der société du spectacle nicht zu viel. Diese Art der Inszenierung könnte hinsichtlich Ausstattung und Besetzung auch für die Münchener Uraufführungen der Dönerprozesse beispielgebend sein, da sie aufzeigt, wie Steuergelder für Gerichtsshows eingespart werden können, ohne dabei auf dramaturgische Effekte verzichten zu müssen.

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