Kranzdiebstahl

Tot sind nur jene

Jeder hat gewiß schon mal von ihr gehört, jener unaussprechlichen, widerwärtigen Partei, die gefühlt schon mindestens zehnmal verboten wurde, aber immer noch frei herumläuft: der NPD. Die hat sich jetzt in Mecklenburg-Vorpommern Unerhörtes geleistet.

Der Bürgermeister von Usedom, einem Kaff am Haff, „spricht von einem ,täglichen Kleinkrieg‘ gegen die NPD in Usedom. Wie der aussieht, zeigt ein Beispiel vom Volkstrauertag, vor dem Ehrenmal für die Gefallenen der letzten Weltkriege.

Kein Scharmützel in diesem Kleinkrieg, auch kein Wortgefecht, sondern eine stille Provokation, die eindeutig als Herzkasperanschlag gegen das 71-jährige Usedomer Staatsoberhaupt Jochen Storrer gerichtet war. „Als wir dort hinkamen, da hatte die NPD dort am Abend vorher eine Veranstaltung gemacht, unangemeldet und hatte dort sieben Gebinde niedergelegt mit faschistischen Parolen, Hetzparolen zum Beispiel.

Leider wird nicht über den Inhalt der faschistischen Hetzparolen berichtet. Eine Recherche bei Bilder-Google ergab, daß bei rechten Volkstrauerfeiern 2013 in Vorpommern auf solchen Gebinden Sprüche wie „Tot sind nur jene, die vergessen werden“ – eine Abwandlung eines Zitates des Neonazis Immanuel Kant – oder „Doch was auch immer auf Erden besteht, besteht durch Ehre und Treue“ – ein Ausspruch des Ultrafaschisten Adalbert Stifter – standen.

Doch anstatt nun Anzeige zu erstatten wegen Volksverhetzung und Rassenhaß und Ausländerkindertötung wurde der Bürgermeister selbst kriminell: „So, und dann haben wir uns verständigt, die Dinger räumen wir weg. Daraufhin wurde ich von der NPD angezeigt, und dann hatte ich Vernehmungen durch die Kripo. Es wurde gegen mich ein Verfahren eingeleitet.

Zustände, wie auf dem Jahrmarkt! Anstatt endlich diejenigen zu verbieten, die sich legal verhalten, wird gegen jene ermittelt, die kriminelle Taten gegen die legal Handelnden begehen. Unglaublich! Wo gibt es sowas sonst noch auf der Welt?

6 Antworten

  1. Ey Eule, wieviel kriegst Du von dem Geld, das Wikipedia in der Weihnachtszeit erbettelt, ab? Umfangreiche, schönere und bessere Biographien der Neonazis Kant und Stifter gibt es nicht nur bei Wikipedia.

    • Nichts von dem Geld geht an uns, allerdings spenden wir dem Blog Wikipedia auch nichts, außer einem warmen Segen, daß er seine einseitige Berichterstattung korrigieren möge. Wir geben da die Hoffnung noch nicht auf, werden aber, wenn das dort nicht besser wird, Verzicht üben müssen.

      … schon geändert.

  2. Du bist ein Schatz! :-*

  3. Mal im Ernst: Gewiss gibt es passende Worte von großen jüdischen, sozialdemokratischen oder kommunistischen Deutschen – Ebert, Noske, Dr. Schumacher, Thälmann, Grotewohl, Rathenau z.B. Mal sehen, ob die Wehrwölfe des täglichen Kleinkrieges deren Worte dann auch als faschistisch und Hetzparolen bezeichnen würden.

    Andererseits frage ich mich nach dem strafrechtlichen Tatbestand des Wegräumens von Kränzen. Sachbeschädigung durch Entfernen? Diebstahl scheidet wegen fehlender Zueignungsabsicht aus. Grabschändung?

    • ZZu 1.: Bitte bedenken, daß Hysterie und Alarmismus selten eine rationale Basis haben, und die Genannten früher oder später sowieso dem Faschismus zugeordnet werden.

      Zu 2.: Eine Frage, die wir uns auch schon stellten. Sollte jedoch keine strafrechtliche Relevanz bestehen, so eröffnet dies der Gegenseite jedenfalls ebenfalls die Option eigenmächtiger Kranzentfernungen.

  4. Die kruden Thesen des Neonazis Kant über das Judentum in seinem Machwerk „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (vgl zB B 186; Werke VIII S. 789 ff) sind nur ein weiterer Beleg dafür, dass die Geistesgeschichte des deutschen Volkes nichts anderes als ein einziger Weg in das größte Verbrechen der Menschheit war. Der Historiker des Antisemitismus Léon Poliakov erkannte in Kant einen der größten Judenhasser. S dazu: http://www.imdialog.org/bp2013/06/10.html

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