Beste Söhne

Lampedusa in Hamburg

Als „beste Söhne afrikanischer Familien“ werden die auf Lampedusa gestrandeten Flüchtlinge im Blog der Blauen Narzisse bezeichnet. Weil sie „die Strapazen der Wüstenüberquerung und der Mittelmeer-Überfahrt“ überstanden haben. Aber ist es wirklich die Créme de la Créme des afrikanischen Kontinents? Oder sind es nicht eher solche, die sich die Überfahrt leisten können, aber zu doof sind, das Geld vor Ort zu investieren, und lieber auf europäische Sozialtransfers (oder was man ihnen darüber erzählt) spekulieren? Ist es die afrikanische Negativ-Auslese?

Gerade die in Afrika betriebene Plantagenwirtschaft zur Befriedigung europäischer Konsumbedürfnisse, natürlich möglichst billig, ist einer der Gründe, daß der Kontinent nach westlichem Vorbild befriedet und nebenbei ausgeplündert wird, was also dazu führt, daß bei gleichzeitiger Weckung materialistischer Leitbilder nicht der gleiche Lebensstandard wie in der westlichen Welt erreicht wird. Das geht auch nicht und es ist nun einmal so: Die Industrieländer konsumieren nicht nur auf Kosten der Zukunft, sondern auch auf Kosten der Zweiten und Dritten Welt.

Die „Flüchtlings“-Bewegungen werden solange stattfinden, wie es Unterschiede in den Lebensstandards gibt. Handlungsalternativen für die Europäer gibt es einige, und wo sie alle hinführen, kann man sich an zehn Fingern abzählen. Die Frage nach der Auswahl bemißt sich daran, was die Europäer von ihrer eigenen Zukunft erwarten. Die Antwort ist leider: Nichts!

Die besten Söhne Afrikas sind beispielsweise der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der ugandische Journalist Andrew Mwenda, der kenianische Wirtschaftsfachmann James Shikwati oder der ghanaische Ökonom George Ayittey – sie alle sorgen sich wahrhaft um den Kontinent, wollen unter anderem die Befreiung von der westlichen Fußfessel, welche unter dem schönen Begriff „Entwicklungshilfe“ hausiert.

Den entwurzelten Fußtruppen hingegen, die das Ziel der bequemen Bereicherung reizt, fehlt jegliche Würde. Die wollen in Europa weder den Acker bestellen noch nach Erz schürfen, sondern an dem Reichtum teilhaben, der ihnen in ihren Slums via Videokassette und Hollywod-Filmen vermittelt wurde, und werden sich damit begnügen müssen, als Putzkräfte oder Tellerwäscher oder Rauschgifthändler zu enden, um die aus dem Tagelöhnermilieu aufgestiegenen Mittelschicht-Gutmenschen zu bedienen.

Aber wie soll mit den Flüchtlingen verfahren werden? Die Wirksamkeit eines Schutzes der europäischen Grenzen wird bei Blaue Narzisse bezweifelt, das Beispiel funktonierender israelischen Grenzschutzanlagen verworfen:

Den Grenzschutz aufzurüsten mag kurzfristig eine Lösung sein, langfristig hält das kein Staat durch. Dazu kommt, dass Israel diesbezüglich einen moralischen und argumentativen Vorsprung hat, denn viele europäische Staaten nicht aufweisen können… Was glauben Sie, wie lange es gutgehen würde, wenn Deutschland Mauern aufbaut ähnlich der Sperranlagen um den Gazastreifen? Der Vergleich hinkt…

Der Grenzschutz kann natürlich nur eine temporäre Lösung sein und muß von anderen Maßnahmen flankiert werden. So könnte man die Afrikaner endlich auch in Ruhe und ihnen 10 oder 20 Jahre Zeit lassen, die aufoktroyierten Verhältnisse auf ihrem Kontinent nach eigenem Gutdünken zu ordnen. Der Grenzschutz hingegen ist nur wirksam, wenn er abschreckend wirkt. Andererseits konstruiert man einen Lockvogel, wenn 700 Millionen ausreisewillige Afrikaner erfahren, daß sich die Ankunft in Europa für die 10.000-Mann-Vorhut von Lampedusa gelohnt hat.

In der Blauen Narzisse wird auf Nachfrage noch einmal näher erläutert, warum es sich bei diesen um die „besten Söhne“ handele:

Die meisten Illegalen, die über Lampedusa nach Europa kommen, stammen aus Schwarzafrika, zumeist Somalia, Eritrea und der Elfenbeinküste. Um überhaupt das Mittelmeer zu erreichen, müssen sie die Sahara durchqueren. Viele scheitern bereits dort. Die Familien daheim wissen das, weswegen sie ihre »besten Söhne« mit den besten Überlebenschancen schicken, dies dann auch die Transferleistungen bzw. ein Teil des Geldes an die Familien daheim überweisen können. Dementsprechend werden sie auch mit Startkapital ausgerüstet, um die Schlepper bezahlen zu können, die es übrigens auch zwischen den afrikanischen Grenzen gibt.

Offensichtlich bestehen Mißverständnisse darüber, wer denn nun zu den „Besten“ eines Volkes oder einer Rasse gezählt werden sollte. Auch die 1989 über Ungarn geflohenen DDR-Deutschen kann man euphemistisch als „beste Söhne und Töchter“ bezeichnen, weil sie im Schnitt vielleicht verwegener, flexibler, mobiler usw. als andere waren. Findet noch eine Auslese durch Wüstengebiete und Meeresuntiefen statt, kann man natürlich auch darwinistisch argumentieren – wobei der Schwächere vielleicht einfach nur Glück besaß, einen besseren Schlepper gehabt zu haben.

Ist aber der an seiner Scholle hängende Bauer oder der in seinem sozialen Umfeld verwobene Bürger denn nicht ein besserer „Sohn seiner Heimat“, als der um Mitleid heischende und mit seiner Würdelosigkeit kokettierende Flüchtige?

Bild oben: „Der NATO-Krieg in Libyen hat unsere Flucht verursacht“, teilen die angeblich in Nordafrika arbeitslos gewordenen Schwarzarbeiter den Hamburgern während einer ihrer Paraden mit. „Wir wollen unsere Rechte“. Von eigenen Pflichten oder den Rechten der Einheimischen spricht da keiner.

Entwicklungshelfer zum Flüchtlingsproblem: „Die Tore Europas zu öffnen, ist falsch“

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2 Antworten

  1. Dennoch sollte man den „Flüchtlingen“ nichts vorwerfen. Gäbe es ein Land, in dem die Sozialunterstützung reicht, um noch Geld nach Hause zu schicken, dessen Wert sich dann aufgrund des Kaufkraftunterschieds verdoppelt bis verhundertfacht (Landkauf!), zögen gewiss viele Deutsche dorthin.

    Es sind die Mächtigen, die das alles verantworten, vielleicht in ihrem schönen Plan, den bösen Rassismus durch Schaffung einer lächelnd zukunftsfähigen eurasisch-orientalisch-negroiden Einheitsrasse zu besiegen, uns somit von unserer immerwährenden Erbschuld zu befreien sowie von der neuen, die wir auf uns laden, weil wir ausbeuterisch Bananen essen, Kaffee trinken und viel mehr Energie verbrauchen als die „Drittwelt“-Menschen – wo man doch in den „armen Ländern“ bekanntermaßen auch sieben bis acht Monate im Jahr heizen muss.

    • Natürlich tragen alle irgendwie Schuld: Der eine, der zum Plündern kommt, dann der sich mit Ersterem verbündende, unterprivilegierte Hausmeister, der die Tür öffnet, und schließlich der Hausherr, der die beiden nicht sofort über den Haufen schießt.

      Jaja, die Kalergi-Verschwörungstheorie. Die „Mächtigen“, denen es nicht um dubiose „eurasisch-negroide Rassen“, sondern immer schon um den wohlgefüllten Geldbeutel geht, stehen selbst vor dem Hexenwerk, das ihr totalitärer Globalkapitalismus erzeugt, und müssen nun das Beste – moralisch Verbrämteste – daraus machen, um ihr „Weiter so!“ zu rechtfertigen. Rassismus ist ökonomisch nicht rentabel, sonst würden sie sich auch dessen skrupellos bedienen, ihn propagieren, moralisch aufwerten, und Millionen Gutmenschen würden ihnen bedingungslos folgen. Für das global operierende Kapital ist aber allein der Melting Pot lukrativ.

      So will der EU-Schulze die paar tausend Flüchtlinge auf die EU verteilen – natürlich hätten wir die Mittel für deren Rundum-Wohlfühlversorgung. In 5 Jahren, wenn aus den 10.000 mehrere 10 Millionen geworden sind, welche gerechterweise die gleichen Ansprüche stellen und in Hamburg, Paris, London für „ihre Rechte“ randalieren, sitzt die Sozi-Bonze auf ihrer militärisch abgesicherten Hazienda irgendwo in Sicherheit.

      Und natürlich hängt auch der Konsum von einer Milliarde zahlungskräftiger Post-Kolonialherr_innen damit zusammen, daß die Dritte Welt zu deren und nicht zur eigenen Bedürfnisbefriedigung bewirtschaftet wird. Die Dummheiten unserer Vorfahren, der fernen Welt die eigenen Maßstäbe überstülpen zu wollen, kann man nicht mehr revidieren. Die eigene Dummheit aber schon!

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