Arbeitereuropa

Arbeitereuropa

Sie laufen mit ver.di-Fahnen herum oder mit Schildern: „Kein Vergeben, kein Vergessen“. Man ist erstaunt über die präzise formulierten Forderungen der schwarzafrikanischen Flüchtlinge bei ihren Aufmärschen in deutschen Städten. Eine der Personen mit „sehr dunkler Gesichtsfarbe“ (Polizei Warendorf) beispielsweise hielt ein Plakat in die Luft: „… Abschiebungen durch Gewerkschaftsaktionen. Nieder mit der EU! Für ein Arbeitereuropa! … / IKL“ IKL steht für die Internationale Kommunistische Liga.

Googelt man nach der ungewöhnlichen Floskel „Nieder mit der EU! Für ein Arbeitereuropa!“, so stößt man unter wenigen Treffern auf das Facebookprofil eines Stalin-Verehrers. Die Parole ist aber auch Teil der Überschrift eines Beitrages des Spartakist Nummer 199, Ausgabe August 2013, dem Organ der Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands, dem deutschen Ableger der IKL.

In diesem Beitrag teilt der Verfasser, welcher sich selbst als Marxist und Trotzkist bezeichnet, mit: „Wir kämpfen für die Enteignung der Bourgeoisie durch eine sozialistische Revolution und für eine internationale Planwirtschaft, die die Grenzen des Nationalstaates überwindet. Wir sind für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa!“ Notwendig sei, „dass der Kapitalismus gestürzt und der kapitalistische Staat durch sozialistische Revolution zerschlagen“ werde.

Die Stalinisten der Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands mit ihrer Handvoll Mitglieder haben offenbar erkannt, daß sich das international vagabundierende Proletariat für Versprechungen auf den Besitz anderer vor den eigenen Karren spannen läßt. Die „Enteignung der Bourgeoisie“ durch  „sozialistische Revolution“ mag indes auch für die „Lampedusa in Hamburg“-Flüchtlinge die naheliegendste Option sein, schnell reich zu werden.

2 Antworten

  1. ”Aber die größte Gefahr ist noch gar nicht genannt worden: Wie, wenn sich eines Tages Klassenkampf und Rassenkampf zusammenschließen, um mit der weißen Welt ein Ende zu machen? Das liegt in der Natur der Dinge, und keine der beiden Revolutionen wird die Hilfe der andern verschmähen, nur weil sie deren Träger verachtet. Gemeinsamer Haß löscht gegenseitige Verachtung aus. ”

    Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung – Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung, 1933

  2. Wie seriös Trotzkisten als Stalinisten zu bezeichnen, da hatte jemand richtig Ahnung. Welch rührendes Vertrauen in die EU und in bürgerliche Bindungen.

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