Zeitgeistrecycling

Bücherverdämmung

Wie viele Bäume mußten schon sterben für Bücher, die niemanden interessieren, für das Vielzuvielgeschriebene und Ungelesene? Für unappetitlich-unästhetische Ausgaben der großen Klassiker? Für Zeitungen und Zeitschriften, die eine halbe Stunde nach Erwerb bereits Altpapier waren?

Ein Ehepaar aus dem kleinen Eifeldörfchen Lissendorf kam daher auf die Idee, Bücher zu Dämmwolle zu verarbeiten. Überflüssige Werke werden zu Zellulose-Wolle zerhäckselt, „ein Baustoff, der gern zum ökologischen Dämmen von Häusern verwendet wird, weil er den Energieverbrauch um 24 Prozent mindert.

Warum gerade 24 Prozent und nicht 5, 14, 18, 28, 74 oder 88 Prozent, je nach Dicke der Dämmwolle und in Abhängigkeit von den anderen Bauteilschichten? Weil B und D der 2te und 4te Buchstabe im Alphabet sind und für BD wie Bio-Dämmwolle stehen? Die Antwort bleibt der investigative Reporter schuldig.

Dafür teilt er mit, daß diese Bio-Dämmwolle politisch korrekt ist. So sei in der Buchrecyclinganlage „vor ein paar Jahren Dieter Bohlens Erstauflage von ,Hinter den Kulissen‘ vernichtet worden. Oder 30.000 Exemplare von Oskar Lafontaines Biografie ,Mein Herz schlägt links‘.“ Kontaminiertes Papier wird allerdings nicht geschreddert: „Rechte Literatur haben wir grundsätzlich abgelehnt zu vernichten, ganz ehrlich, das würde ich auch keinem Kunden zumuten: Dämmung aus rechter Literatur, das war für uns immer ein Tabuthema.

Es ist und bleibt somit ein löbliches Unterfangen, überflüssige Schwarten zu etwas zu verarbeiten, das aussieht „wie der Inhalt eines Staubsaugerbeutels“. Abnehmer der ökoloiden Zellwolle sind begeistert, „daß in den Werken von Grass, Habermas und Co. ein bislang unerkannter materieller Wert steckt, der den immateriellen um Längen überragt. Zeitgeistrecycling bedeutet hier nichts Geringeres, als Konservierung des metaphysischen Mehrwerts.“ Und das wäre bedeutend besser, als das überflüssige Gewäsch der Bohlens und Lafontaines dieser Republik auf einer Mülldeponie verfaulen zu lassen.

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2 Antworten

  1. Hehehe, wie gut. Ich wollte gerade ähnliches verfassen, habe aber indes den ersten Kommentar des Fadens der Sezession zum Anlass genommen über die politisch korrekte Organspende zu referieren. 🙂

    Ich weigere ich mich trotzdem meine Gesamtausgaben Lenin (40 Bände, 80% Erstausgaben), und Stalin (3 Bände) der Verdämmwollung anheimzugeben. Es ist immer wieder interessant beim Gang auf den „Stuhl“ darin zu blättern und mich als allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeit fortzubilden,

    http://www.central-organ.de/2013/10/18/organspende-gegen-rechts

  2. Interessant, welche Genres dem Schreddertabu unterliegen. Nazischriften und Moslemschriften. Da passt zusammen, was zusammengehört.
    Im einen Fall möchte man Diskussionen mit antifantischen Kommandos vermeiden, im anderen Fall Überraschungsbesuche von Vertretern des globalen friedlichen Islam.

    Wobei die Wirkung von Nazistrahlen aus geschreddertem Nazimaterial durchaus noch einer Prüfung bedarf. Vielleicht müsste man zur Neutralisierung das Parteiprogramm der SED beimischen.

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