Reizüberflutung

Birnen im Herbst

Gernulf Olzheimer ist sein Name und er berichterstattet schon zum 215. Mal in seinem Weblog „aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten“. Diesmal geht es um Reizüberflutung, nicht nur um das „Blinkibunti der Flimmerreklame“, sondern auch um vielerlei andere nervtötende Zumutungen.

Die postmodern multimediale Freakshow aus potenziertem Werbe-, Marken- und Attitüdengetröte deformiert den Bescheuerten von allen Seiten gleichmäßig, und es scheint ein Wunder, dass er noch nicht wie ein Golfball allseitig eingedellt durch die Reste der freien Welt kullert, zwischen erratischen Wortspenden und niederschwelligem Unterhaltungsangebot der Massenverdeppung auf alle bezahlbaren Kanälen, demagogischem Gekübel und den ästhetischen Kasperaden einer als Mode verkleideten Selbstverstümmelung.

Die Koksgnome aus der Heißluftetage hätten sich mittels Neuromarketing und biochemischen Sperrfeuers auf einen „Gewohnheitskonsumenten eingestellt, dem sie mittels Tranquilizern die Wahrhaftigkeit seiner Scheinwelt in die Birne braten“ könnten.

Natürlich hat der Jetztmensch, die Flipperkugel zwischen Job, Konsum und Unterschichten-TV, sein Päckchen zu tragen. Jede der Kräfte sucht ihn mehr zu beeinflussen als die anderen, so dass er am Ende mit neuronalen Platzwunden gesegnet in den vegetativen Modus schaltet, um sich nicht von der bedrohlichen Umwelt vollends ramponieren zu lassen.

Deshalb wünsche sich dieser „nichts mehr als Durchzug zwischen den Ohren“ und ein Gedümpel „in der Wohlfühlzone, in der er, Mutti sei Dank, nie wieder zu reflektieren braucht, wie beschissen es ihm eigentlich geht.

Noch mehr Volksverätzung hier.

4 Antworten

  1. Worüber regt der sich auf? Er kann sich dem doch entziehen, wenn er will. Dazu müßte er freilich auf TV und Radio verzichten, dann überflutet niemand mehr seine Reize. Das kommt mir vor, wie der Drogensüchtige, der die Wirkung der Droge verflucht, sie aber weiterhin schluckt, um über ihre Wirkung zu wettern.

    Aber ne, auf TV und Radio verzichten! Wo man doch die Demokratieabgabe sowieso zahlen muß. Nein, da wird das Zeug lieber auf Deubel komm raus konsumiert.

    Das Geschwalle der Zitate überflutet einen, ganz nebenbei, auch mächtig gewaltig.

    • Der Gernulf ist natürlich ein Ätzer, und er ätzt über alles und jeden. Seine Wort- und Metapherschöpfungen jedenfalls sind einsame Spitze! Wo steht denn, daß er sich der Reizüberflutung nicht entzieht?

  2. Wie interessant! Gut geschrieben, nur sind mir die Buchstaben zu klein, ich muss dann wohl meine Lupe benutzen. Aber – neuer Lesestoff… – mal sehn was sonst noch feines dort steht.

    Darf ich unseren Reisereport aus dem fernen Norwegen hier anpreisen? Unser Völkerkundler ist von seiner Reise nämlich zurück und brachte kinematografisches Material mit.

    http://goo.gl/qqwDH7

    Vielen Dank – und weiter so. Lass sie furzen, die Eule.
    😀

  3. Da hat er sich aber keine schöne Welt ausgedacht. Immerhin taugt sie dazu, sie gleich drauf in Bausch und Bogen zu verdammen.

    Dass die Hirnforschung nicht für Tranquilizer wirbt, werde ich ihm aber nicht sagen, am Ende bekomme ich noch eine Antwort.

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