Graffiti

Graffiti

Unfaßbares ist geschehen: „Eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt wurde mit Nazi-Parolen und -Symbolen überzogen. Unbekannte haben Dutzende Hauswände, Fahrzeuge und Schaukästen beschmiert.“ Zum Feiern hat die Kleinstadt Salzwedel damit jeden Grund: Über Nacht ist sie zu den ganz großen Metropolen aufgestiegen, in denen Parolenschmierer jede freie Wandfläche bekleckern und Graffiti als große Kunst deklariert wird.

Warum dann überregionale Zeitungen darüber berichten? Keine Ahnung. Das ist so, als würden alle chinesischen Zeitungen lauthals schlagzeilen, daß im Dörfchen Quingdong ein Reiskorn zu Boden gefallen ist, aber unerwähnt lassen, daß im Hafen von Schanghai ein ganzes Containerschiff voller Reissäcke umgekippt ist.

Sachsen-Anhalts Innenminister mit dem wunderschönen Namen Stahlknecht „will als Reaktion auf den Fall“, der sich in der Nacht zum 3. Oktober ereignete, „die großflächige Videoüberwachung im Land einführen.“ Bereits drei Tage nach der Tat – Feiertag und Wochenende inklusive – erklärte der CDU-Innenminister laut Zeitungsberichten, „auch die Finanzierung stehe bereits.“ Das ging wirklich flott!

Auch ein „brauner Schmutzfink“ (taz) wurde bereits ermittelt: Bei einem 21-Jährigen fand in dessen Abwesenheit eine Hausdurchsuchung statt, bei der irgendwelche Gegenstände sichergestellt wurden. „Der Zusammenhang zu den Schmierereien muss … noch geprüft werden.“ Ob es sich bei diesen Gegenständen um Bettwäsche, Zahnbürsten, eine Kloschüssel oder eine Kücheneinrichtung handelt, ist also noch unklar.

Interessant ist auch die Werbeeinblendung unter einem der Presseberichte:
Polizeidurchsuchung
Aktivistinnen protestieren gegen Polizeidurchsuchung

Einmal abgesehen von dem Aspekt, daß das bildungsbürgerliche Wochenblatt „Die Zeit“ den Unterschied zwischen Hausdurchsuchung und Polizeidurchsuchung näher erklären könnte, hätte der 21-Jährige wohl besser nackt in Kirchen kacken und zuhause Waffen horten müssen, um sich das Wohlwollen der BRD-Presse zu sichern.

Polizei trainiert Ratten für Verbrecherjagd

Bislang war es doch leider eher so, daß vor „rechten Rattenfängern“ gewarnt werden mußte. Nun aber wird der Spieß endlich umgedreht und rattige Menschenfänger können ihr löbliches Werk verrichten.

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5 Antworten

  1. Faszinierend immer wieder: Die Wohnungsdurchsuchung.
    Der immergleiche Ablauf.
    Und immergleich stehen die fantastische Ankündigung („Kalaschnikow“, „Sprengstoff“, „Pistole“) und der Erfolg („Gegenstände“, „Computer“, „Luftdruckwaffen“) in einem so krassen Missverhältnis, dass es den Hund jammert.
    Beispielhaft LKA Thüringen und Stern

    Aber das hört einfach nicht auf. Im Gegenteil.

  2. Ach ja, Videoüberwachung ausweiten. In England, hört man, hätten sie ja eine phantastische Videoüberwachung, die dazu genutzt wird, die Täter zu suchen, die nicht das Wohlwollen der Polizei genießen. So viele Angestellte und Beamte haben die nämlich gar nicht, um jeder aufgezeichneten Straftat nachzugehen. Und Sachsen – Anhalt reduziert seine Polizeikräfte ebenfalls mustergültig. Man will den Kriminellen ja keine Sorgen bereiten. Wo eine Kriminellenhand die des Demokraten wäscht. Und umgekehrt.

    Da muß man schon selektieren, was sich wirklich aufzuklären lohnt. Wenn, zum Beispiel, nur jemand ein teures Fahrrad klaut, unter den Augen der Kameras, lohnt sich das nicht. Berichtete ein Kunde, dessem Sohn, der in Engeland studiert, nämliches widerfahren war.

  3. Die Polizei hat auch nicht die Aufgabe, die Bürger vor Kriminellen zu schützen, sondern den Staat vor aufmüpfigen Bürgern.

  4. Das scheint sich aber noch nicht bis zum letzten Polizisten herumgesprochen zu haben.

  5. Bis zum letzten Polizisten vielleicht nicht, KarlEduard. Aber die Polizeibonzen haben durch die Bank weg den richtigen Klassenstandpunkt. Ehrenwort!

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