London

London damals und heute

London war auch vor 100 Jahren keine schöne Stadt mehr. Ein Vergleich ähnlicher Blickwinkel über Jahrhunderte verdeutlicht den weiterhin stattgefundenen kulturellen Verfall der Metropole des versunkenen Empires. Kitsch und Stuck wurden im Laufe eines Jahrhunderts durch monotone Beliebigkeit und schmutzige Trostlosigkeit ersetzt, herrische Eitelkeit durch technokratische Arroganz. Hier die Bilderreihe.

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7 Antworten

  1. Wir wären ja sofort bereit, der angesprochenen Tendenz zu folgen, nur:
    – Die Schönheit einer Stadt erschließt sich selten auf Luftbildern, und zudem
    – erkennt man auf den Braunpausen von früher fast nichts.

    • Im Link sind auch Fassaden zu erkennen: Struktur, Gleichmaß usw. – selbst wenn man den Stuck wegnähme, bliebe Kultur zu sehen. Heute sieht man diese kaum noch, dafür: Beliebigkeit und Belanglosigkeit.

  2. „London war auch vor 100 Jahren keine schöne Stadt mehr.“

    Ja sicher. Manchmal wird man schwermütig wenn man sieht, wie der Glanz der Welt vergeht. Neulich waren wir in Karls-, Maria- und Franzensbad. Allesamt ein Schatten ihrer selbst.
    Oder Budapest, die städtischen Paläste sind nicht zu halten.

    Dennoch habe ich meine persönlichen Ansprüche an bauliche Schönheit schon lange runtergeschraubt. Es liegt daran, dass von der alten Zeit erst mal nur eins gesichert ist: Sie war alt. Gut war sie selten.
    Was wir an „schönen Städten“ sehen, ist das, was wir für erhaltenswert hielten. Das war nur der kleinste Teil. Die Katen, die Bruchbuden, die Armeleuteunterkünfte waren der größte. Und die sind nicht mehr zu sehen. Die sind vor Schwäche eingefallen oder wurden wegplaniert.
    Wer das betrauert sollte sich fragen, ob er in diesen Hütten leben möchte. Ich für meinen Teil sage: nein.

    • Die „Armeleuteunterkünfte“ kann man Straßenzügeweise bspw. in Nördlingen, Dinkelsbühl oder Rothenburg betrachten. Oder Venedig, Bologna, Brügge … Gut, die Hütten waren früher nicht so bunt angepinselt und aufgeräumt. Ob man heute so wie früher leben wollte? Ein Mensch der Zukunft wird sich auch nicht vorstellen können, in derart „unwürdigen“ Verhältnissen leben zu können, wie wir heute. Was also ist das Maß für diese Unwürdigkeit?

      Die Fragmente alter Innenstädte lassen die städtebauliche Harmonie von Gleichklang und Individualität erahnen. Und heute?

      • „Und heute?“

        Die Richtung ist mir schon klar. In der gleichen Tonlage, jedoch ausführlicher besprochen hat das zum Beispiel Alfred Wellm im „Morisco“. „Leben werdet ihr darin nicht“ hat Student Marinello über die Plattenbauten gesagt.

        Da kann man kaum widersprechen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der traditions- und bindungslosen gleichgeschalteten Massenmenschen, des Homo Metropolis in der Luxuswohnung ist definitiv geringer als die des mittelalterlichen Tagelöhners im Stall. Wer keine Vergangenheit kennt, muss sich über seine Zukunft keine Gedanken machen. Er hat keine.

        Trotzdem sollten wir aufpassen, nicht von einem Extrem ins andere zu verfallen. Goethe und Bach haben zwar früher gelebt. Aber das heißt nicht, dass damals alle Leute vom Kaliber Goethe und Bach waren. Ich wag sogar zu bezweifeln, dass die Mehrheit der Zeitgenossen damals diese Koryphäen überhaupt kannte, von verstehen gar nicht erst zu reden.

        • Es geht doch nicht nur um die Goethes und Bachs, sondern um aus festgefügte Lebensabläufen sich ergebende Empfindungen der Menschen, die sich in allen ihren Tätigkeiten äußern, in ihren Festen und Feiern, ihrer Kleidung, ihrer Architektur. Sicherlich, sie äußern sich auch heute noch, die Masse läßt sich in Platte kasernieren, in Jeans uniformieren, feiert den Gottesdienst im Dschungelcamp usw. Auf welch erbärmlichem Niveau findet das alles statt? Hier wird NICHTS der Nachwelt hinterlassen, weder ein Bach oder Goethe, noch eine Stilempfindung, die im einfachen Volk entstand.

          Früher war früher, natürlich. Ebenso, wie Mensch früherer Zeit bei uns zunächst nicht klarkäme, kämen wir in seiner Zeit nicht klar. Jedem fehlt die Sozialisation, die Gewohnheit an die jeweiligen Zustände. Dennoch gab es früher mehr Kultur, heute gibt es dafür mehr Zivilisation. Warum mit den größer werdenden technischen Möglichkeiten und den in Tiefe aufbereiteten (geschichts-erwissenschaftelten) Erfahrungen das Niveau der Gesellschaft zwangsläufig absinken muß, ist nicht nachvollziehbar.

  3. Warum mit den größer werdenden technischen Möglichkeiten und den in Tiefe aufbereiteten (geschichts-erwissenschaftelten) Erfahrungen das Niveau der Gesellschaft zwangsläufig absinken muß, ist nicht nachvollziehbar.

    Vielleicht fehlt des Teufels Sauerteig

    O glaube mir, der manche tausend Jahre
    An dieser harten Speise kaut
    Daß von der Wiege bis zur Bahre
    Kein Mensch den alten Sauerteig verdaut!

    (Goethe, Faust – Der Tragödie erster Teil)

    The devil’s sourdough and the decline of nations

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