Impotenz

Fett und impotent

Faschismus macht impotent!“, lasen wir kürzlich frech hingekritzelt an einer Bushaltestelle. Dazu muß man natürlich erst einmal wissen, „Was heißt Faschismus?“ eigentlich. Yahoo clever gibt die bestbewertete Antwort auf diese Frage:

Faschisten unterdrücken gerne Menschen und fühlen sich dann gut
– Faschisten sind Psychopathen und Charaktergestörte
– Faschisten sind meistens Alkoholiker und Nikotiniker oder sonstwie verwahrloste Süchtige
– Faschisten vergewaltigen am liebsten blonde Frauen
– Faschisten sind hoffnungslos dumm, unbelehrbar und zu nichts Anspruchsvollem zu gebrauchen

Und so weiter und so fort. Kein Wunder, daß den Menschen unter dem faschistischen Regime des Dritten Reiches die Lust an der Fruchtbarkeit vergangen ist und sie impotent wurden. Dachten wir zumindest.

Erstaunt lesen wir daher die Ausführungen eines Statistikers aus den 1940er Jahren:

Im Altreich ist seit der nationalsozialistischen Revolution, d. h. von 1933 bis 1939, die Geburtenzahl um 45 %, in der Ostmark nach dem Anschluß (von 1937 bis 1939) gar um 61 % und im Sudetenland schon im ersten Jahr nach seiner Rückgliederung ins Reich um 41 % angestiegen.

Natürlich könnten jetzt Pedanten einwenden, daß der Faschismus in Italien beheimatet war, in Deutschland jedoch der Nationalsozialismus herrschte. Tatsächlich ist in Italien die Zahl der jährlichen Lebendgeborenen bei 1000 Einwohnern (Geburtenziffer) zwischen 1924 und 1940 um fast 4 Kinder auf 23 abgesunken. Allerdings hatten die Vorzeigedemokratien Frankreich und Großbritannien im Gegensatz dazu im Jahr 1940 nur 13 bzw. 15 Lebendgeborene und damit im gleichen Zeitraum ebenso Verluste um 4 bzw. 3 Kinder pro Jahr und 1000 Einwohner.

Den Grund für das Absinken der Geburten in der Weimarer Republik und den sprunghaften Anstieg der Fruchtbarkeit neun Monate nach Hitlers Machtergreifung ortet der Statistiker

… im Wandel der Lebensauffassung und Weltanschauung, zu einem erheblichen Teil aber auch in der damaligen trostlosen politischen, wirtschaftlichen, sozialen Lage des deutschen Volkes, vor allem dem Mangel an Vertrauen zur damaligen Staatsführung und seiner ganzen Zukunft.

Das ist natürlich, wie wir alle aus dem Geschichts- und Sexualkundeunterricht wissen, perfide Propaganda. Nichts ist demokratischer, als eine niedrige Fertilität, als frigide Frauen und impotente Männer. Das belehrt uns ein Blick in die historischen Statistiken, die einen Anstieg der Geburtenziffer zwischen 1933 und 1940 von 14,8 auf 20,4 aufweisen, während die aktuelle bundesrepublikanische Fruchtbarkeit bei einer Geburtenziffer von 8,3 liegt – inklusive der kinderreicheren, weniger demokratisierten Zuwanderer.

Trutzig kann man sich also in die Brust werfen: Wenn schon impotent, dann wenigstens demokratisch! Und außerdem belegen die Bundesrepublikaner immerhin an anderer Stelle eine Spitzenposition: Sie sind die Fettesten in der EU.

3 Antworten

  1. Nette Faschismusdefinition von yahoo!
    Habe neulich Kollegen, die irgendwas faschistisch fanden, die Definition von Faschismus gegeben, die man zB in der wikipedia findet. (sprich, Firmen als Vollzugsgehilfen eines totalen Staates usw)
    Keiner von ihnen kannte die Definition.
    Alles erwachsene Ingenieure.
    Haben alle Internet. Koennten also selber ihre Wissensluecken auffuellen. Machen sie aber nicht.
    Dunning-Kruger-Syndrom.
    http://opinionator.blogs.nytimes.com/2010/06/20/the-anosognosics-dilemma-1/

    • „Keiner von ihnen kannte die Definition.“

      Das ist auch niemandem zu verübeln. Die Faschismuskeule wird doch bei jeder Gelegenheit gegen mißliebige Meinungen und Personen benutzt, das entzieht sich jeder Logik. Faschismus definiert man mit dem Herzen: Wenn irgendetwas böse ist, dann ist es faschistisch!

  2. legt eine starke demografische Wirkung des Faktors Religion nahe. Danach sind Hindus mit 2,79 Kindern pro Frau am fruchtbarsten, gefolgt von Muslimen mit einem Schnitt von 2,44. Der Schweizer Mittelwert insgesamt liegt bei 1,43, der von Katholiken (1,41) und Evangelisch-Reformierten (1,35) etwas darunter. Den niedrigsten Wert haben Konfessionslose mit 1,11 Geburten pro Frau.

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