Sei wachsam!

Kirche und Staat

Der Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz und angeblicher Mittler einer schrumpfenden Herde Kirchensteuerzahler zu einem biblischen Gott, mischt sich in den irdischen Parteien-Wahlkampf ein. So empfiehlt der Priester „seinen Gläubigen, die euroskeptische Partei Alternative für Deutschland (AfD) nicht zu wählen“.

Es ist seltsam, daß jetzt schon Religionsbeamte Wahlkampf betreiben. Doch obwohl diese Partei AfD unter allen anderen noch am ehesten zu den Bewahrern konservativ-christlicher Werte zu zählen wäre, hofft Zollitsch, daß explizit diese „paar Nostalgiker … nicht in den Bundestag einziehen werden.

Warum Klerikale, die in allen Zeitläuften aus Machtinteresse aufklärerische Gedanken bekämpften, plötzlich liebsäuseln: „Unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten“, ist nicht ganz nachvollziehbar. Am naheliegendsten ist da wohl die Textstelle aus Reinhard Meys Lied „Sei wachsam!“, worin es heißt:

Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!

5 Antworten

  1. Keine „Rückkehr in die Nationalstaaten“? Die „Frage… überwunden“?? Davon abgesehen, dass das sprachlich für einen geistlichen Intellektuellen ziemlich unbeholfen ist, hat der FAZ-Mann R. Hank den inhaltlichen Quatsch gleich vorbildlich zerlegt und den Bischof in die Tradition der Leugner des kopernikanischen Weltbildes gestellt.
    Dr. theol. Zollitsch dürfte überrascht gewesen sein, dass es für konformistisches Geschnatter nicht mehr automatisch Pluspunkte gibt.

    • Bemerkenswert ist doch aber auch der Aspekt, daß einer der neun Punkte der „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ (FDGO) als „die obersten Werte der Verfassungsordnung und damit als die Grundsätze, die unsere Demokratie überhaupt erst sinnvoll funktionieren lassen“, nämlich die Volkssouveränität, mit der Negierung des Nationalstaates in Abrede gestellt wird.

      Wenn die Verfassungsschutzämter sich mal nicht immer nur mit Aktenschredderei und debilen Kostümnazis beschäftigen würden, könnten die Ämter mächtigen Demokratiefeinden auf die Schliche kommen.

  2. Der Verfassungsschutz ist nicht dazu bestimmt, die Verfassung zu schützen. Im Gegenteil. Seine Aufgabe ist es, die jeweils aktuell Regierenden bei der Abschaffung der verfassungsmäßigen Ordnung hilfreich unter die Arme zu greifen.

    Der Bischof scheint seinen Einfluß aufs Wahlvolk, oder den der Kirchen, enorm zu überschätzen.

  3. Die Kirche ist da zu orten, wo sie sich auch intelektuell befindet, bei den Reichen und Besitzenden. Daher kann sie gar nicht die AfD empfehlen. Aber es gibt in der Bibel keine einzige Stelle, die diese Position rechtfertigt, insofern befinden sich die Lügner wieder unter sich.

  4. Ein wichtiger Aufruf des Oberhirten der katholischen Kirche. Wer nicht eine der Bundestagsparteien wählt, der sündigt, hinterher beichten befreit nicht vom Fegefeuer.

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