In die Verblödung

Kampf gegen die Dummheit

Der Kampf gegen die Dummheit hat gerade erst begonnen“, plakatierten schon vor Jahren zivilcouragierte Vereine. Das Ergebnis dieses von genialen Intelligenzbestien initiierten Heldenkampfes ist ernüchternd: die Schlachten sind allesamt verloren.

Vor zwei Wochen schlagzeilte DIE WELT, die BRD-Jugend sei „auf dem besten Wege in die absolute Verblödung“. In dem Beitrag konstatiert Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier, Mitbegründer des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien, die „systematische Verdummung“ der „heranwachsenden Generation“. Auf die Frage: „Herr Heinzlmaier, wie verblödet ist unsere Jugend?“, antwortet der Forscher: „Sie ist auf dem besten Wege, in die absolute Verblödung geführt zu werden.“

Schuld habe das Erziehungs- und Bildungssystem, welches „nur noch nach den ökonomischen Gesichtspunkten von OECD und Pisa“ funktioniere. „Der Verzicht auf kulturelle Bildung wird unsere demokratische Grundordnung über kurz oder lang gefährden, weil der Nachfolgegeneration die politische Urteilsfähigkeit fehlt.

Über die politische Urteilsfähigkeit einer mediengesteuerten Massengesellschaft zu debattieren, und welche Vor- oder Nachfolgegeneration davon betroffen ist, wäre müßig. Auch, ob der Einzelne bzw. dessen familiäres und soziales Umfeld nicht selbst noch Freiheit genug hat, sich ganzheitlich zu bilden, selbst wenn es sich um „eine vierköpfige Familie aus Berlin-Marzahn“ handelt, bleibt offen. Wieviel Perlen sollte ein Nanny-Staat noch vor die Säue werfen?

Der Jugendforscher bewertet die Entwicklung als „Schlag ins Gesicht der 68er-Generation. Die haben noch in größeren Dimensionen gedacht, haben über die Dritte Welt, die Hochschulreform, Sozialgesetze und demokratische Mitbestimmung gestritten.“ Hätten sie sich sinnvolleren Themen angenommen, wäre den Heutigen einiges erspart geblieben!

Ähnlich erhaben wie ihre Kinder fühlte sich wohl seinerzeit auch die 33er-Generation, welche in ihrer Jugend – aus ihrer Sicht – ebenfalls in „größeren Dimensionen“ dachte und über die verquollenen Hirngespinste der in den christlichsozialdemokratischen Wohlstandsstaat hineingewachsenen 68er-Jugend nur die Nase gerümpft haben dürfte.

Wo früher die Orientierung an Traditionen Sicherheit gab, herrscht heute Beliebigkeit und Unübersichtlichkeit“, resümiert der Jugendforscher nach jahrelanger Forschungstätigkeit. „Boah ey!“, antwortet der Laie.

Daß die kulturtragenden Gemeinschaften im taumelnden Abstieg begriffen sind, das ist freilich keine Neuigkeit. Daß nun auch einige 68er-Opis erstaunt bis erschrocken vor den dümmlichen Früchtchen ihrer Ideologie stehen, vermag zumindest etwas Trost zu spenden.

Advertisements

4 Antworten

  1. Rape – Hurra Wir Verblöden (1981) – EP

    Seit gefühlt 100 Jahren ist die Lieblingstextzeile aller Schüler „We don’t need no education“, wobei ich anzweifel, daß sie den tiefen Sinn der Zeile verstehen. Stehend freihändig kann das schon als „Wir wollen nicht verblödet werden“ übersetzt werden kann.

    So neu ist das Thema nicht, steht wohl immer wieder auf der Agenda der nachwachsenden Generation.

  2. Eulenfurz, guter Artikel, aber deine Schlußfolgerung ist falsch.
    Von später Einsicht kann bem „Experten für Jugendkultur“, also einem der 68er Müslifresser, der heute fürs Scheiße labern aus dem großen Steuertopf finanziert wird, keine Rede sein.

    Schuld ist seiner Ansicht nach nicht die sozialistische Natur der 68er „Revolution“, sondern zB. die „Ego-Maschine“ Facebook, der Neoliberalismus und „verinnerlichte Egozentrik“.
    Sprich:“Der Sozialismus ist nicht in sich selbst schlecht, er wurde nur nicht richtig umgesetzt und vom Neoliberalismus korumpiert!“

    Bestes Zitat von Heinzlmaier:
    „Ich war von Occupy begeistert, von dieser anarchistischen, aber auch gemeinschaftlichen Bewegung, die hochgradig intellektuell und kultiviert war.“

    Wenn so etwas dann mit Lehrauftrag auf die junge Gesellschaft losgelassen wird, braucht man sich über eine schleichende Verblödung und politische Impotenz der folgenden Generation nicht zu wundern.

    Außer natürlich man schreibt für die Welt.

    • Nein, von Einsicht an die Mitschuld der eigenen Generation an den herrschenden Zuständen ist der Heinzlmaier sicherlich noch weit entfernt, aber immerhin konstatiert er, daß die vielfältige Buntheit eigentlich nur Beliebigkeit ist und die „Orientierung an Traditionen Sicherheit“ bot – was schon viel ist für einen Apo-Opa.

      Und Occupy war gegenüber DSDS oder Loveparade tatsächlich hochgradig intellektuell und kultiviert.

      • DSDS und die Loveparade haben mit Occupy soviel gemeinsam wie die franz. Reolution mit dem Oktoberfest.

        Primitiven Klassenkampfideologien wie OccupyFankfurt oder -Wallstreet, spreche ich jede Intellektualität prinzipiel ab.Von Kultur oder Stil fangen wir besser gar nicht erst an.
        Google>Bilder>no questions asked.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: